Nach dem Bier kam der Kaffee

Heimatgeschichte Wie kam der Kaffee nach Hohenstein-Ernstthal? Die Antwort auf diese Frage ist spannend - und sie beginnt schon vor 300 Jahren.

Hohenstein-Ernstthal.

Was haben unsere Vorfahren bloß ohne Kaffee als Muntermacher und Kommunikationsmittler gemacht? Denn erst Anfang des 18. Jahrhunderts erreichten die ersten Kaffeebohnen die Bergstadt Hohenstein.

Bis dahin war das Bier das herausragende Getränk für die breiten Massen. Die Brauereigerechtigkeit, über die fast alle Häuser am Altmarkt verfügten, legt Zeugnis vom hohem Bierbedarf ab. Das Bier galt als das sauberste durstlöschende Getränk und stand zu allen Mahlzeiten, auch zum Frühstück, auf dem Tisch. Allerdings konnte man das Bier von damals von der Qualität und dem Alkoholgehalt her nicht mit unseren Bieren vergleichen.

Der Chronist von Hohenstein, Christian Friedrich Marburg, berichtet, 1720 sei Kaffee in der Stadt und überhaupt in Deutschland kaum bekannt gewesen. Aber man lernte den Namen der Bohnen in dieser Zeit kennen. Zunächst konnte man die rohen Bohnen über die Apotheker und Gewürzhändler beziehen. Nur wusste man damals die Bohnen nicht recht zu gebrauchen. Die Frau Pfarrer danach befragt, riet sie, sie in Milch zu kochen. Das Gesöff muss fürchterlich geschmeckt haben. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte es sich endlich herumgesprochen, dass man die Bohnen rösten musste - und auch die Kaffeetassen entwickelten sich. Bisher hatte man den Kaffee aus Käsenäpfen geschlürft. War der Kaffee zunächst etwas für die vornehmen Leute, erfasste dieser Luxus bald alle Schichten, ja das Kaffeetrinken nahm für damalige Verhältnisse überhand und verdrängte mehr und mehr das Bier. Als Kaffeehändler etablierten sich viele Kaufleute der Stadt, dafür stehen Namen wie Rudolph, Schneider, Irmisch, Diener, Lange, Krätzner, Häußler und Bärthel. Die Hohensteiner ließen sich den Kaffee etwas kosten, doch mit der 1806 erfolgten Kontinentalsperre kamen keine der begehrten Bohnen mehr nach Deutschland, und die hiesigen Einwohner sahen sich wie anderswo genötigt, Kaffee-Ersatz zu konsumieren. Dazu wurde den Hausfrauen folgendes Rezept empfohlen: "Zu drei Teilen leichtgebrannte Hanfkörner tue man zwei Teile in kleine Stücke geschnittene Mohrrüben. Dann brenne man beides zusammen noch einmal, mahle alles zu Pulver und behandle es wie normalen guten Bohnenkaffee." Auch Zichorienwurzeln dienten als Kaffee-Ersatz oder zumindest zum Strecken der echten Bohnen. Es gab auch Zeiten, wo das Kaffeetrinken für die Normalbürger verboten war, wegen der Beschaffungsschwierigkeiten der richtigen Kaffeebohnen, aber auch weil sich ärmere Stadtbewohner wegen des Kaffees verschuldeten und teils manche Mahlzeit nur mit Kaffeetrinken bestritten. Kaffee war teuer. Deshalb war sparen angesagt, und es machten mikroskopisch aufbereitete Kaffeesorten die Runde. So galt der Spruch: "13 Bohnen, 14 Tassen, dieser Kaffee kann sich sehen lassen." Man sprach selbst in vornehmen Kreisen, die aus Meißner Kaffeetassen tranken, von Blümchenkaffee, weil man trotz voller Tasse das Blümchen auf dem Tassenboden noch erkennen konnte. Als noch schlimmer galt der Schwerter-Kaffee, der neben den Blümchen noch die Meißner Schwerter am Außenboden erkennen ließ. Der Volksmund kannte da robustere Begriffe wie Laatsch, was an Schweißfuß erinnert, Lorke oder Plempe.

Wenn man den Kaffeegenuss in der Stadt beleuchtet, kommt man nicht umhin, Kaffeeröstereien zu erwähnen, wie Kaisers Kaffee in der Dresdner Straße 20 und gleich schräg gegenüber die Kaffeerösterei Major, Dresdner Straße 15. Das waren aber nicht die einzigen, es gab in der Stadt eine ganze Reihe.

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