Ortsumfahrung Waldsachsen: Rathauschef gibt sich kämpferisch

Noch immer fehlt der Stadt eine 200 Quadratmeter große Fläche. Doch genau darauf pocht der Freistaat als Bauherr.

Waldsachsen/Meerane.

Eines hat Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos) vor den mehr als 30 Waldsachsenern im Gemeindehaus am Donnerstagabend mehrfach klargestellt: "Ich bin nicht gewillt, in der Endphase aufzugeben." Denn Meerane bemühe sich seit Jahren um die Ortsumfahrung Waldsachsen, deren Bau im nächsten Jahr als neue S 288 durch das Gewerbegebiet Meerane-Crimmitschau erfolgen soll. Einziges Problem: Ein Landbesitzer verlangt für eine 200 Quadratmeter große Fläche einen unverhältnismäßig hohen Preis, den weder die Stadt noch Projektentwickler Metawerk, der sich um den Grundstückskauf kümmert, akzeptieren. Pro Quadratmeter werde ein vierstelliger Betrag verlangt, sagte Metawerk-Aufsichtsrat Wolfgang Kessel. Zuvor hatte der Landbesitzer einen Flächenverkauf gar abgelehnt. Darauf reagierten die Anwesenden mit Unverständnis.

Somit steht die neue S288 weiter auf der Kippe, sagte Rathauschef Ungerer. Sollte das "ehrgeizige Projekt" scheitern, würde sich für die Einwohner in Waldsachsen nichts ändern. Denn mit dem Bau der neuen S288 sollen nicht nur die Ortsumgehung sowie die Erschließungsstraße für das Gewerbegebiet entstehen, Waldsachsen hätte endlich die seit Längerem geforderte Verkehrsberuhigung, betonte Ungerer. Denn derzeit würden an jedem Werktag etwa 4200 Fahrzeuge durch den Stadtteil rollen. Mit der Ortsumfahrung gebe es dann nur noch Anliegerverkehr - mit täglich gut 500 Fahrzeugen. Dafür würde auch der bereits ausgearbeitete Plan für die neue Beschilderung sorgen. Zudem werde die bisherige S288 zur Ortsstraße heruntergestuft, von der Stadt als neue Besitzerin auf Vordermann gebracht, sagte Ungerer. So seien der Bau von Gehwegen und barrierefreien Haltestellen vorgesehen. Auch könne "der Wismut-Schotter im Straßenunterbau" entfernt, die Grundstückszufahrten ausgerichtet werden.

Überhaupt, so der Rathauschef, erhöht sich mit dem Wegfall des Durchgangsverkehrs die Verkehrssicherheit erheblich. Letzteres wurde neben Autolärm von den Anwesenden am häufigsten beklagt. So bedauerte eine junge Frau, dass es nach wie vor sehr gefährlich ist, mit Kindern auf der engen Straße zu gehen. In die gleiche Kerbe schlug Dietmar Reinboth, der vor etwaigen Unfällen mit Schwerverletzten warnte. Der 56-Jährige stellte sich hinsichtlich der bisherigen Planungen zur Ortsumgehung Waldsachsen demonstrativ hinter die Stadt: "Das ist schon beachtlich, was die Verwaltung in den Jahren geleistet hat." Zudem appellierte er an die Einwohner, bei der Forderung nach einer Ortsumfahrung auch künftig dem Meeraner Rathauschef den Rücken zu stärken.

Der gab zu verstehen, dass die Stadt in Bezug auf die fehlende Fläche nach Lösungen sucht, die das Land akzeptiert. Schließlich will der Freistaat, der die Ortsumgehung Waldsachsen baut, in das Großprojekt 4,3 Millionen Euro investieren. Gespräche sind laut Ungerer nächste Woche vorgesehen. Dass dabei die sogenannte Besitzeinweisung eine Rolle spielen wird, daraus machte er keinen Hehl. Dabei wird Experten zufolge der Vorhabenträger "vorzeitig in den Besitz der benötigten Flächen eingewiesen und kann mit der Maßnahme beginnen", ohne die endgültige Eigentumsregelung abzuwarten. "Ich bin kein Freund von Enteignungen", betonte Ungerer. Aber das Gesamtinteresse sei zu groß. Es gehe um 1500 Arbeitsplätze im Gewerbegebiet Meerane-Crimmitschau und 500 Menschen in Waldsachsen. "Wir haben eine Situation, die nicht wiederkommt."


Kommentar: Das kommt nicht wieder!

Die Angelegenheit ist und bleibt verfahren. Gleichwohl muss aber allen Beteiligten eines klar sein: Hier wird nicht um eine Mini-Investition verhandelt, vielmehr geht's um ein Großprojekt, das nach seiner Umsetzung auf die Region ausstrahlt. Denn mit dem Bau der neuen S 288 wird das Gewerbegebiet Meerane-Crimmitschau mit künftig 1500 Beschäftigten erschlossen, gleichzeitig kommen die Einwohner des geplagten Waldsachsen zur Ruhe. Fehlende 200 Quadratmeter Fläche können und dürfen so ein Vorhaben nicht gefährden. Wenn Rathauschef Lothar Ungerer immer wieder betont, dass so eine "Situation nicht wiederkommt", es ausschließlich um das Gemeinwohl geht, dann hat er nicht nur recht, er setzt konsequent auf den Sieg der Vernunft. Und die führt bekanntlich zum Kompromiss. Ohne den geht's auch bei der Ortsumfahrung Waldsachsen nicht.

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