Spengler und Fürst liefert edle Stoffe für noble Anzüge

Das Crimmitschauer Unternehmen feiert im Herbst sein 180-jähriges Bestehen. Es ist eine der letzten Tuchfabriken, die die Textiltradition in der Stadt fortsetzt - mit immer wieder neuen Ideen.

Crimmitschau.

Die Firma Spengler und Fürst in Crimmitschau setzt auch im 180. Jahr ihres Bestehens auf die Herstellung von hochwertigen Stoffen für Anzüge, Sakkos und Hosen. Aber: Deren Produktion wurde in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren und macht inzwischen nur noch 20 Prozent der Produktion aus. Grund dafür sind nicht nur die Konkurrenz billiger Stoffe aus Fernost, sondern die Preise für Wolle. "Die Kosten sind in den zurückliegenden Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen", sagt der Geschäftsführer des Unternehmens, Eckhard Bräuninger.

Zu den Kunden, die die Stoffe aus dem Traditionsunternehmen beziehen, gehört unter anderem die Firma Wilvorst, der Marktführer für hochwertige Hochzeitsanzüge und festliche Herrenkleidung in Deutschland. Außerdem unterhält die Tuchfabrik am Standort in Crimmitschau eine eigene Schneiderei, in der die Kunden aus rund 300 im Haus hergestellten Stoffen auswählen können. Dabei wird nicht nur Wert auf eine Beratung gelegt, sondern auch auf persönlichen Service. "Bei uns steht der Kunde noch im Mittelpunkt. Das unterscheidet uns von zahlreichen anderen Modeketten, die europaweit agieren und oftmals Massenware anbieten", sagt Anke Szilagyi. Die gelernte Maßschneiderin kümmert sich in der hauseigenen Schneiderei um die Kunden. Ein zweites Geschäft unterhält das Crimmitschauer Unternehmen in Dresden. "Wir sind bei der Auswahl der Stoffe behilflich, beraten die Kunden bei den Accessoires, wie zum Beispiel den passenden Knöpfen zu den Anzügen oder der Wahl der Taschen beziehungsweise des Kragens am Anzug. Kundenzufriedenheit ist das oberste Gebot", so die 47-Jährige. Dafür hat der Anzug dann auch seinen Preis. 500 Euro kostet das gute Stück - Standardpreis. "Damit liegen wir im gehobenen Sortiment, jedoch vergleichbar mit renommierten Anbietern. Allerdings erhält der Kunde bei uns so etwas wie ein Unikat", sagt die Maßschneiderin. Dabei unterscheidet die Expertin zwischen Konfektion, die in jedem herkömmlichen Modehaus erhältlich ist, und der Maßkonfektion. "Das heißt, wir haben in jeder Größe einen Anzug vorrätig. Ist die passende Größe gefunden, können daran noch kleine Änderungen vorgenommen werden. Das kann beispielsweise die Länge der Hosen oder die der Ärmel betreffen", sagt Anke Szilagyi.


Genäht wird der Anzug dann bei einer Firma in Schneeberg (Bayern). Zwischen sechs und acht Wochen beträgt die Lieferzeit. "Mit dem Unternehmen im Odenwald arbeiten wir seit Längerem erfolgreich zusammen", sagt Eckhard Bräuninger. Damit erhält der Kunde am Ende zu 100 Prozent ein Produkt, das in Deutschland hergestellt ist.

Neben der Herstellung von klassischen Stoffen setzt die Firma Spengler und Fürst inzwischen zunehmend auch auf die Herstellung von technischen Textilien. Damit reagiert das Unternehmen auf die gestiegene Nachfrage und profitiert dabei von seinen bereits gemachten Erfahrungen. "Wir beschäftigen uns mit dem Thema seit circa 15 Jahren und sehen darin unsere Zukunft", sagt Eckhard Bräuninger. Benötigt werden technische Textilien unter anderem in der Architektur.

Als Beispiel nennt der Geschäftsmann das Dach über den Gleisen des Dresdner Hauptbahnhofes. "Der Stoff dafür stammt nicht aus unserem Haus, doch wir haben einen ähnlichen Auftrag für ein Schweizer Unternehmen realisiert." Verwendung finden technische Stoffe auch bei der Schutzbekleidung, der Automobilindustrie oder zum Beispiel als Markisen für den Sonnenschutz. "Zunehmend gewinnt der Einsatz der technischen Textilien auch in der Leichtbauweise an Bedeutung."

Ein weiteres innovatives Eigenprodukt ist das sogenannte "bacteria Ex-System". Hier sorgen fest ins Gewebe integrierte Silberfäden auf natürliche Weise für eine ständige Desinfektion. Die Silber-Ionen vernichten innerhalb einer Stunde alle bisher bekannten multiresistenten Bakterienstämme. Aktuell laufende Langzeitstudien an den Elblandkliniken Dresden und Meißen sollen die Wirksamkeit der zu Krankenhauswäsche verarbeiteten Gewebe abschließend bestätigen. "Wir warten auf die positive Rückmeldung der Studien", sagt Eckhard Bräuninger. Für ihn und seine 25 Mitarbeiter wäre dies das schönste Geschenk zum anstehenden Firmenjubiläum.

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