Studie: Viele Radler fühlen sich unsicher

Beim Fahrradklimatest des ADFC schneidet Glauchau schlecht ab. Nur in einem Punkt nimmt die Stadt einen Spitzenplatz ein - bei der Anzahl der Umfrageteilnehmer.

Glauchau.

Platz 258 von 311 Teilnehmern deutschlandweit. Die Rede ist nicht von einem Marathonlauf, den man sich mal zugetraut hat und wo nur die Teilnahme zählte, sondern von der Bewertung der Glauchauer in Hinsicht auf die Fahrradfreundlichkeit in ihrer Stadt. Am Dienstag hat der Allgemeinde Deutsche Fahrrad Club (ADFC) die Ergebnisse des Fahrradklimatests 2018 in Berlin vorgestellt. Fazit: Glauchau schneidet schlecht ab. Würde man Schulnoten verteilen, bekäme Glauchau eine 4,2. Allein die Frage, ob man sich als Radfahrer sicher fühlt, wird mit 4,4 bewertet.

Die Stadt ist bei der Auswertung in der Kategorie zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern geführt worden. Sachsenweit sind in dieser Kategorie 18 Kommunen bewertet worden, Glauchau belegt den 16. Platz, deutlich abgeschlagen hinter den vergleichbaren sächsischen Städten Hoyerswerda (3,5), Markkleeberg (3,51) oder Coswig (3,56).


Einen Spitzenplatz nimmt Glauchau dennoch in Sachsen ein, nämlich in Bezug auf die Teilnahme an der Befragung des ADFC. Mit 204 Teilnehmern liegt Glauchau vergleichsweise ganz vorn. Und die erwarten "bei der Förderung des Radverkehrs von der Kommunalpolitik entschiedenes Handeln", sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Interessant ist der Blick auf die Details. Die Frage, ob Radfahren in Glauchau Spaß macht, bewerteten die Teilnehmer auf einer Skala von 1 bis 6 mit 3,8. Das ist eine der besten Bewertungen aller Fragen, die gestellt wurden. Noch besser, nämlich mit 3,1 wurde bewertet, dass nicht nur bestimmte Gruppen radeln, sondern alle, egal ob jung oder alt. Mit 5,0, und damit mit einer der schlechtesten Noten, wurde bewertet, wie für das Radfahren in Glauchau geworben wird. 4,8 bekam die Frage, was in jüngster Zeit für den Radverkehr in Glauchau getan wurde. Übrigens gaben fünf Prozent zu dieser Frage die Note 1 ab, 39 Prozent gaben eine 6. Die Stärken und Schwächen werden wie folgt zusammengefasst. Positiv sei die Falschparkerkontrolle auf Radwegen und die Möglichkeit der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln. Als negativ bewertet wurde, dass nur wenige Einbahnstraßen für Radler geöffnet sind, und das Stadtzentrum schlecht erreichbar sei. Die Ergebnisse für die Stadt Glauchau dürften kaum überraschen. Bereits im Sommer 2017 hatten Leser der "Freien Presse" einige Schwachstellen im Glauchauer Radverkehr in puncto Sicherheit aufgezeigt. Beispiele: Die Kreuzung gleich mehrerer Straßen auf dem Franz-Mehring-Platz, der schlechte Zustand der Pestalozzistraße, der plötzlich aufhörende Radweg entlang der Waldenburger Straße stadteinwärts in Höhe des Kauflands, die Kreuzung Wettinerstraße/Goetheweg.

Und auch in der Kommunalpolitik wird das Radfahrproblem häufig angesprochen. Die Ortschaftsräte von Jerisau beispielsweise sprechen sich seit Langem für einen Kreisverkehr an der Waldenburger Straße/Ecke Ludwig-Erhard-Straße aus, der auch den Radlern mehr Sicherheit biete. Der CDU-Stadtrat Andreas Winkler fordert einen Radbeauftragten in der Stadt. Darüber hinaus müsse die Radverkehrskonzeption überarbeitet werden. Derzeit seien neben dem schlechten Zustand mancher Radwege auch eine ungenügende Ausschilderung sowie fehlende E-Bike-Ladestationen zu verzeichnen.

"Die Ergebnisse sind für die Stadt Glauchau natürlich nicht zufriedenstellend", reagierte am Dienstagabend Oberbürgermeister Peter Dresler. Die Stadt werde die Ergebnisse noch im Detail auswerten.


Kommentar: Eine Fülle an Problemen

Gut, dass sich so viele Glauchauer an der Befragung des ADFC beteiligt haben. Damit bekommt die notwendige Lösung der Radverkehrsprobleme in der Stadt ein größeres Gewicht. Und das braucht es offenbar auch.

Denn die schon im Sommer von den "Freie Presse"-Lesern angesprochenen Schwachstellen im Glauchauer Radverkehr, vor allem im Hinblick auf Sicherheit, sind bislang nicht abgestellt. Nun kann man Gefahren für Radler nicht ganz ausschließen, aber doch wenigstens eindämmen.

Und auch weitere Probleme, wie die sichere Radverbindung nach Remse, die Wegweisung zu attraktiven Zielen wie Muldenbrücke in Wernsdorf, den Bismarckturm, den Stausee, das Schloss oder den Markt oder die Platzierung von Ladestationen harren ihrer Lösung.

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