Vorwärts mit Versuch und Irrtum

Nicht alles klappte im Mehrgenerationenhaus wie geplant. Die vergangenen zehn Jahre waren dennoch ein Erfolg.

Hohenstein-Ernstthal.

Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren. Trotz oft verschiedener Geschmäcker und Weltsichten sollen sie zusammenfinden - im Mehrgenerationenhaus (MGH). Der Hohenstein-Ernstthaler Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz (CDU) hatte sich vor mehr als zehn Jahren für das Projekt im Schützenhaus eingesetzt. Und auch die ehemalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) machte den ehrenamtlichen Mitarbeitern ihre Aufwartung. Was ist seitdem passiert?

"Wir haben von Anfang an viel ausprobiert", sagt Doris Bradler. Von 2007 ab, als das MGH eröffnete, bis 2017, übernahm sie die Organisation der gemeinnützigen Einrichtung. Ein Zimmer stand den Mitarbeitern damals zur Verfügung, dieses musste als Büro und Bastelraum herhalten. Das erste Projekt war ein Handarbeitszirkel. "Auch bei Jüngeren ist Häkeln, Stricken und Nähen wieder modern", sagt Bradler auch mehr als zehn Jahre später noch. Dennoch hatten sich die Macher im MGH verkalkuliert, denn das Interesse der Jugend blieb aus, der Handarbeitszirkel musste eingestellt werden. "Wir machen Angebote und schauen, wie das ankommt, nicht alles funktioniert", sagt Bradler.

Dass sich in den vergangenen zehn Jahren einiges funktionierte, sieht der Besucher am Eingang des Schützenhauses, wo 20 Tafeln mit bunten Bildern von den Angeboten des MGH künden, das mittlerweile acht Räume auf drei Etagen nutzt. Vorlesestunden, wissenschaftliche Experimente, Computerkurse, Gedächtnistraining, Töpfern, ein Lieferdienst für Rentner. Für jedes Alter ist etwas dabei, aber nicht jedes Angebot ist für jedes Alter gemacht.

Ein Renner unter den Veranstaltungen ist der monatliche "Tanztee" im Veranstaltungssaal, er war ursprünglich geplant als Tanz- und Begegnungstreff für jung und alt. Nun findet das Event seine Fans vorrangig unter den 50- bis 75-Jährigen. Neun Gäste kamen zur ersten Veranstaltung, mittlerweile sind es bis zu 120 pro Abend. Und die ziehen mit: "Wenn das Motto heißt 'Tanz in Rot', dann kommt auch jeder einzelne in roter Garderobe", sagt Heidi Funke, die 2017 die alleinige Organisation des MGH übernommen hat.

Ein weiteres Highlight, die Kinderuni, gibt es seit 2008. 60 bis 150 kleine Studenten lauschen jeden Monat den Vorträgen von Professoren aus ganz Deutschland. Mal wird probiert, wie unterschiedlich Kinderschokolade in anderen Ländern schmeckt, mal erfahren die Kleinen etwas über den menschlichen Körper. Wer acht "Vorlesungen" im Jahr besucht, darf sich ein Diplom an die Wand hängen. Funke und Bradler merkten bald, dass die "Kinderuni" auch was für Ältere ist. Ab 2012 durften auch Erwachsene die "Generationen-Uni" besuchen.

Die letzten zehn Jahre - für das Team Funke und Bradler auch ein Lernprozess: "Wir gehen selber in die Schulen und machen auf uns aufmerksam." Denn niemand komme, wenn man nur Prospekte verteilt. Im Mehrgenerationenhaus fehlen dennoch Jugendliche ab 14 Jahren. "Die hätten gerne etwas Disko-Artiges, aber das können wir hier nicht machen", sagt Funke. Zwischen den Älteren und den ganz jungen klappe es aber gut, so die Organisatorin, die nun bald in Rente gehen möchte und einen Nachfolger sucht.

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