Warum muss so viel Laub weg?

Das Herbstlaub macht den Bauhöfen ziemlich viel Arbeit. Tierschützer warnen die Kommunen vor zu viel Ordnungssinn.

Zwickau/Waldenburg.

Auf der Zeißigstraße in Hohenstein-Ernstthal macht sich der goldene Herbst besonders bemerkbar. Knöcheltief liegt das bunte Laub auf dem Gehweg. Die Mitarbeiter der kommunalen Bauhöfe haben derzeit alle Hände voll zu tun - und das im gesamten Landkreis. Aber warum muss das Laub eigentlich weg?

"Wir brauchen mehr Mut zur Wildnis", fordert Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung mit Sitz in Hamburg. Ihrer Meinung nach sollte das Laub an einigen Stellen einfach liegen bleiben. Es dient im Winter vielen Tieren als Unterschlupf. Ganz so einfach ist das aber nicht.

"Wir müssen den Fußgängern sichere Gehwege ermöglichen", sagt Heike Reinke, Pressesprecherin der Stadt Zwickau. Die Kommunen unterliegen der sogenannten Verkehrssicherungspflicht. Nasses Laub wird schnell rutschig und zur Gefahr für Passanten. Die Tierschützer haben grundsätzlich kein Problem damit, wenn das Laub von den Straßen und Gehwegen weg kommt. Ihnen geht es eher darum, dass es in den Parkanlagen liegen bleiben sollte.

"Wir entfernen das Laub aus den innerstädtischen Grünanlagen und von den Gehwegen", erklärt Manfred Dietz vom Bauhof in Hohenstein-Ernstthal. Auch in Werdau wird das so gehandhabt, wie Karsten Piehler, Fachbereichsleiter für Entwicklung und Bau, bestätigt.

Besonders in der Garten- und Parkstadt Waldenburg ist die Laubentfernung wichtig. Bauhofmitarbeiter Jens Winter: "Wir müssen die Rasenflächen immer freimachen. Nur dadurch erhalten wir die Flächen und unsere Narzissenwiese."

Die Kommunen widersprechen dem Vorwurf, sie würden den Tierschutz vernachlässigen. "Unter Büschen, auf Beeten und am Waldrand lassen wir das Laub liegen. Dort haben die Tiere dann Gelegenheit zum Überwintern", berichtet der Werdauer Fachbereichsleiter Piehler. "Sollten beim Aufräumen Tiere wie Igel gefunden werden, setzen wir sie im näheren Umfeld um", sagt Jens Winter aus Waldenburg.

In Hohenstein-Ernstthal werden Igel notfalls auch bei Mitarbeitern des Bauhofs zu Hause über den Winter gebracht. Aber besonders was die genutzten Gerätschaften angeht, sehen die Tierschützer Verbesserungsbedarf. "Auf den Einsatz von Laubsaugern und -bläsern sollte verzichtet werden, da diese für die Tiere gefährlich sind. Sie können sie im Ernstfall sogar töten", erklärt Anna-Laura Knorpp vom Deutschen Tierschutzbund der "Freien Presse". Aber gerade diese Geräte werden bei der Laubentfernung in den vier genannten Kommunen genutzt. Dies geschehe oft aus Personal- und Kostengründen, wie Heike Reinke aus dem Zwickauer Rathaus sagt. Mithilfe der Laubsauger werden die per Hand zusammengetragenen Laubhaufen eingesaugt, bevor sie zur Kompostierung gebracht werden.

Doch nicht nur für die Tiere ist das Laub wichtig. Auch der Boden profitiert von der natürlichen Verrottung der Blätter. Diese werden durch kleinste Lebewesen zu Humus kompostiert. Dabei werden Nährstoffe freigesetzt, die der Boden fürs Frühjahr benötigt.

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