Was Rom mit der Talsperre zu tun hat

90 Jahre Kober Sigrid Kröber wohnte 19 Jahre lang in den Gebäude, in dem einst die Erbauer der Talsperre eine Zeit lang lebten.

Langenbernsdorf.

Zuhause ist Sigrid Kröber, geborene Schmidtke, an der Oberen Bachstraße in Langenbernsdorf. Das war nicht immer so. 19 Jahre ihres Lebens wohnte die heute 75-Jährige unweit der Koberbachtalsperre in einem Gebäude, das von Älteren noch immer als Neu-Rom bezeichnet wird. "Ich bin im Februar 1945 mit vier Geschwister sowie meiner Mutter und Oma aus Ostpreußen vertrieben worden. Nach unserer Ankunft wurden wir in Neu-Rom einquartiert. Da war ich gerade zehn Monate alt und zu klein, um mich daran erinnern zu können", blickt die Seniorin zurück. Ihre gesamte Kindheit und Jugendzeit wohnte sie in dem Haus, die Talsperre immer im Blick. Nach der Rückkehr des Vaters aus der Gefangenschaft wuchs die Zahl der Kinder auf sieben. "Wir haben immer zusammen am Ufer der Talsperre gespielt, sind bei schönem Wetter darin auch baden gegangen oder waren in der Natur rund um de Talsperre unterwegs. Es war eine schöne Zeit", sagt Sigrid Kröber.

Auch nach dem Umzug mit ihrem Mann nach Langenbernsdorf, zog es sie immer wieder an die Talsperre. "Meine Eltern wohnten ja noch in Neu-Rom und ich besuchte sie oft", erzählt die Seniorin.

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Vor ein paar Jahren entschloss sich die Langenbernsdorferin ein Buch über die Talsperre zu verfassen. Am Ende entstand eher ein Bildband. Die Texte, die das Buch ergänzen, stammen aus eigenen Erfahrungen, aus Erzählungen oder von Recherchen im Internet. "Ein paar Informationen habe ich auch einer Broschüre entnommen, die anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Talsperre erschien. Einen Großteil der historischen Aufnahmen habe ich von einem Bekannten erhalten. Etliche Fotos aus der Neuzeit habe ich auch selber gemacht", sagt die 75-Jährige. Bei ihren Recherchen zu dem Buch befasste sie sich auch mit der Geschichte des Hauses, in dem sie viele Jahre wohnte. "Um 1910, während des Baus des Reißfaserwerkes in Langenhessen, hatten italienische Landarbeiter in dem Doppelhaus ihr Quartier. Nach der Fertigstellung der Fabrik wohnten dann Bauleute, die 1926 begannen die Talsperre zu errichten, in dem Haus. Auch sie kamen größtenteils aus Italien. Aus diesem Grund wurde das Gebäude im Volksmund Neu-Rom genannt. Eine Bezeichnung, die bei den älteren Bürgern noch immer ein Begriff ist", berichtet Sigrid Kröber und hat die Episode auch in ihrem Buch mit mehreren Aufnahmen vom Haus aus verschiedenen Jahrzehnten festgehalten.

Die Langenbernsdorferin dokumentiert in ihrem Buch nicht nur die Geschichte der Talsperre, sondern auch die Landschaft rund um das Gewässer, den Verlauf der Bäche, die die Talsperre speisen sowie Bauwerke, die mit der Historie der Kober zu tun haben. Das reicht von Mauerresten von abgerissenen Gebäuden bis hin zu einer nie genutzten Pumpstation oder zugeschütteten Abschnitten eines Baches.

Entstanden ist das Buch bereits vor 15 Jahren mit einem speziellen Computerprogramm. "Es hat schon ein Stück gedauert, bis ich die ganzen Fotos eingescannt, bearbeitet und die Texte verfasst hatte. Das Ganze wurde dann auf eine CD gebrannt. Daraus entstand dann das Fotobuch", blickt die Seniorin zurück, die inzwischen auch zu anderen Themen, wie beispielsweise zur Geschichte der Johanniskirche in Langenhessen, Bücher verfasst hat. Dabei handelt es sich um Unikate. "Eigentlich sind die Bücher nur für mich von Bedeutung. Ich freue mich aber, wenn jemand daran Interesse hat", sagt Sigrid Kröber.

Leseraktion: Erinnern auch Sie sich an Ihre Zeit an der Talsperre? Gehören Sie zu den Campern, die an der Koberbachtalsperre Erholung fanden oder als Kinder im Bungalowdorf zu Gast waren? Erinnern Sie sich an den ersten Besuch im Autokino? Waren Sie Mitglied in einem der Vereine, die an der Talsperre ansässige sind? Schreiben Sie uns, gern auch mit Fotos. Bitte Adresse und Telefonnummer mit angeben!

red.werdau@freiepresse.de

 

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