"Weitere E-Ladesäulen sind vorstellbar"

Der Meeraner Stadtwerke-Chef Uwe Nötzold über den Breitbandausbau, den demografischen Wandel und die fortschreitende Digitalisierung

Meerane.

Die Stadtwerke in Meerane sind schon länger in mehreren Geschäftsfeldern aktiv. Bald will sich der Energieversorger sein eigenes Glasfasernetz schaffen. Jochen Walther sprach darüber mit Geschäftsführer Uwe Nötzold.

Freie Presse: Wegen der Ansiedlung mehrerer Firmen im Gewerbegebiet müssen die Stadtwerke ihr Netz größer und leistungsfähiger machen. Sind Sie darauf vorbereitet? Erhöht sich damit der Stromverbrauch?

Uwe Nötzold: Ja, aktuell verstärken wir bereits unser Mittelspannungsnetz. Bis Ende Oktober entstehen zwei neue Versorgungstrassen mit einer Gesamtlänge von 5,5 Kilometern. Da ist notwendig, um die Leistungsanforderungen der Unternehmen im neuen Industriegebiet Meerane abdecken zu können.

Die Stadtwerke sind in mehreren Geschäftsfeldern unterwegs - auch bald als Telekommunikationsanbieter. Wann erfolgt der Startschuss für den Ausbau des Glasfasernetzes in Meerane?

Das ist abhängig davon, wann der endgültige Fördermittelbescheid des Bundes vorliegt. Erst dann können der entsprechende Vertrag zwischen Stadtwerken und der Stadt Meerane geschlossen, Aufträge vergeben und den Kunden Angebote unterbreitet werden.

Stehen neben dem Aufbau des schnellen Internets weitere große Vorhaben an?

Nun. Der Bau und die Vermarktung des Glasfasernetzes bedeuten für uns, ein völlig neues Geschäftsfeld zu erschließen. Sie können sich daher vorstellen, dass dessen Aufbau und Entwicklung in nächster Zeit unsere volle Aufmerksamkeit erfordert. Wir sehen darin die Chance, die Stadtwerke weiter zukunftsfähig zu machen und somit weiter Teil eines funktionierenden Wirtschaftsstandortes zu sein. Der weitere Ausbau von Angeboten zu Solaranlagen, Batteriespeichern, Ladeinfrastruktur, Baugrundstücken und erneuerbaren Energien wird dadurch aber nicht vernachlässigt, sondern ebenfalls vorangetrieben.

Vor Jahren herrschte landauf, landab die Meinung, Strom wird teurer. Bei den Stadtwerken sind die Strompreise seit Jahren weder erhöht worden noch gesunken. Wie sieht es aktuell aus?

Wie in jedem Jahr lässt sich das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend sagen. Denn vor allem die staatlichen Umlagen und auch die Netzentgelte der einzelnen Netzbetreiber sind noch nicht veröffentlicht worden. Das geschieht in der Regel erst Ende Oktober. Selbstverständlich ist es aber weiterhin unser Bestreben, die Preise stabil zu halten beziehungsweise die Preisvorteile an unsere Kunden weiterzugeben.

Der demografische Wandel betrifft angeblich alle Bereiche der Wirtschaft. Hat sich die Anzahl der privaten und gewerblichen Abnehmer verändert?

Fakt ist: Die Anzahl der Einwohner in Meerane nimmt seit Jahren stetig ab, was natürlich auch einen Rückgang der Kundenzahlen im Netzgebiet Meerane für uns zur Folge hat. Gleichzeitig haben wir auch viele Kunden aus dem Meeraner Umland dazugewinnen können. Unsere Angebote haben sich im Laufe der Zeit herumgesprochen, ebenso wie unser Service vor Ort. In regelmäßig durchgeführten Kundenbefragungen haben wir hier immer wieder Bestnoten. Das ist auch für die Zukunft unser Anspruch und zugleich Ansporn für unsere tägliche Arbeit.

Neben anderen Akteuren schaffen auch die Stadtwerke E-Ladesäulen. Angesichts der Tatsache, dass im VW-Werk in Zwickau bald E-Autos vom Band laufen, passiert diesbezüglich in Meerane nicht allzu viel, oder?

Das kann ich so nicht ganz bestätigen. Immerhin haben die Stadtwerke erst im Sommer zwei öffentliche E-Ladesäulen im Meeraner Stadtgebiet errichtet, und ein weiterer Ladepunkt ist für unsere Kunden auf unserem Firmengelände im Herbst geplant. Mit steigendem Bedarf an Ladekapazität sind natürlich weitere E-Ladesäulen vorstellbar. Wir werden dazu das Nutzungsverhalten laufend analysieren, um so rechtzeitig und schnell auf den Bedarf reagieren zu können. Denn wie Sie wissen, liegt uns die Förderung von alternativen Energien am Herzen, was sich in vielen unserer Aktivitäten und Angebote widerspiegelt. Und auch vor unserem Firmengebäude macht die Energiewende nicht Halt. Seit diesem Sommer produzieren wir dank einer Fotovoltaikanlage auf unserem Dach Solarstrom, der mittels eines Batteriespeichers fast vollständig bei uns im Haus verbraucht wird. Und auch die E-Ladesäule auf unserem Gelände wird dann direkt mit dem Sonnenstrom vom eigenen Dach versorgt.

Die Digitalisierung bringt auch die Energiewirtschaft voran - nicht nur durch den technologischen Wandel. Wie wollen sie Ihre Kunden bei diesem Prozess mitnehmen?

Wenn sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen und technische Möglichkeiten immer rascher verändern, entstehen neue Bedürfnisse. Als kommunaler Energiedienstleister kümmern wir uns auch um diese neuen Lebensbereiche unserer Kunden, etwa beim Megatrend Digitalisierung. Interessierte finden zum Beispiel auf unserem herstellerunabhängigen Informationsportal smarthome.swmeerane.de eine große Vielzahl von aktuellen Tipps und Hinweisen zu den Themen Smart Home, Internet of Things, E-Mobility und anderen E-Trends. Dass Strom- und Gaslieferverträge online abgeschlossen, Zählerstände online gemeldet und auf Verträge via Kundenportal im Netz zugegriffen werden kann, ist ohnehin selbstverständlich. Unser Ziel ist, die digitale Kundenkommunikation weiter auszubauen. Angedacht ist beispielsweise der Onlineversand der Jahresrechnungen. Mit dem geplanten Bau des Glasfasernetzes in Meerane gehen wir natürlich den größten Schritt in Richtung Digitalisierung.

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