Wo Touristen in die Irre geführt werden

Auf Hinweisschildern entlang der Autobahnen wird auf Sehenswürdigkeiten hingewiesen. Doch die müssen nicht unbedingt dort stehen, wo sich die Attraktionen befinden - auch wenn das der Bürger nicht versteht.

Crimmitschau/Glauchau.

Andreas Schubert pendelt seit ein paar Wochen täglich zwischen seiner Heimatstadt Crimmitschau und seinem Arbeitsplatz in Chemnitz. Dafür nutzt er die Autobahn 4. Bisher schenkte der 43-Jährige den touristischen Hinweisschildern, die in unregelmäßigen Abständen rechts neben der Fahrbahn platziert sind, nur wenig Bedeutung. Schließlich kennt er sich in seiner Region bestens aus. Doch über eines wundert sich Andreas Schubert: den Standort für die Tafel, auf der für die Tuchfabrik in Crimmitschau geworben wird. "Die steht bereits vor der Anschlussstelle Glauchau.

Wenn dort ein Ortsunkundiger abfährt, um zur Tuchfabrik zu gelangen, kommt er da nie an. Warum steht die Tafel nicht vor der Abfahrt Meerane, von der es nur ein Katzensprung bis nach Crimmitschau ist", fragt er sich und setzt noch einen drauf. "Bis zur Abfahrt Meerane steht beispielsweise noch ein touristisches Hinweisschild, auf dem für das sächsische Burgenland geworben wird. Das hat überhaupt keinen direkten Bezug zur Region und könnte mit dem für die Tuchfabrik getauscht werden."

Was einfach klingt, ist nicht einfach zu lösen. Nach Aussagen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr sind die Standorte für touristische Unterrichtungstafeln, wie die Schilder offiziell heißen, zwischen zwei Anschlussstellen formal auf vier begrenzt. Formal heißt, dass es auch weniger sein können. "Vor der Anschlussstelle Meerane, aus Richtung Chemnitz kommend, steht bereits seit 1996 das Schild ,Skatstadt Altenburg' und seit 2010 das Schild ,August Horch Museum'. Damit sind die zur Verfügung stehenden Plätze belegt", sagt die Sprecherin des Landesamtes, Isabel Siebert. Vor der Anschlussstelle Glauchau-West wirbt seit 1997 eine Tafel für einen Besuch im "Sächsischen Burgenland". "Somit war der nächste freie Platz vor der Anschlussstelle Glauchau-Ost verfügbar", begründet Siebert die Wahl. Der Standort sei dem Antragsteller für die Tafel, dem Zweckverband Sächsisches Industriemuseum, unterbreitet und von diesem akzeptiert worden. Das sei 2014 gewesen. Bisher habe sich darüber auch noch niemand mokiert.

Die Schilder wie von Andreas Schubert vorgeschlagen untereinander auszutauschen, ist für das Landesamt kein Thema. "Dafür besteht keine Veranlassung. Es gibt keine Pflicht, die Tafeln immer vor der bestmöglichen Anschlussstelle zu errichten." Hinzu komme, dass dies im angesprochenen Fall auch gar nicht möglich wäre. "Die Aufstellvorrichtungen für die Schilder, die vor 2008 installiert wurden, haben andere Maße, als die für die neu installierten Schilder. Ein Tausch ist mit erheblichen Kosten verbunden. Dafür müsste der Antragsteller aufkommen."

Dafür sieht Ulrich Wolf vom Förderverein Westsächsisches Textilmuseum, der sich einst für die Installation des Schildes mit stark gemacht hat, keinen Anlass. "Wir sind mit dem Standort nicht glücklich, jedoch froh, dass die Tafel an der A 4 steht und auf die Tuchfabrik aufmerksam macht." Die Kosten für die Herstellung und den Aufbau beliefen sich auf 14.000 Euro. Dafür kam der Zweckverband Industriemuseum als Antragsteller auf.


Info in Braun-Weiß

Die Hinweisschilder sind zwei mal drei Meter groß und stehen neben dem Standstreifen an der Autobahn. Ihre Farbgebung ist erdbraun und weiß. Sie zeigen Gebäude, Landschaften oder für die jeweilige Gegend typische Details im Piktogrammstil. Ihre Beschriftung erfolgt in der Schriftart "serifenloser linearer Antiqua".

"Das ist Heimatkunde im Vorüberfahren", sagt Thomas Hessling vom Automobilclub ADAC, der sich selbst als Erfinder dieser Unterrichtungstafeln - so die offizielle Vokabel - hierzulande bezeichnet. Ursprünglich stammt die Idee aus Frankreich. Das erste Schild wurde 1984 an der Autobahn bei Stuttgart aufgestellt mit der Aufschrift "Burg Teck". Seit sich der touristische Nutzen der Tafeln herumgesprochen hat, nehmen sie ständig zu.

In Sachsen entscheidet seit 2012 das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium, der Polizei und den Straßenbaulastträgern über die Auswahl und den Standort. (umü)

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