Wohnkultur hält im Glauchauer Meisterhaus Einzug

Ein Investor aus dem vogtländischen Plauen nimmt sich eines der Problemgebäude in der Innenstadt an. Dabei setzt er auf Individualität und gute Zusammenarbeit in alle Richtungen.

Glauchau.

Das Dach wird neu gedeckt, innen quälen sich lautstark Bohrhämmer durch das Gestein. Für die Heizung und die Elektrik werden Leitungsgräben geschaffen. Neue Fenster und Balkontüren sind bereits eingebaut. Draußen auf der Straße stapelt sich das Baumaterial. "In ungefähr vier Wochen wird es hier schon ganz anders aussehen", sagt Michael Becker. Der Bauunternehmer aus der Vogtlandmetropole Plauen baut das Meisterhaus zu einem modernen Wohngebäude um. Insgesamt neun Wohnungen unterschiedlichen Zuschnitts werden in den beiden Gebäudeteilen entstehen - vorgesehen für eher hochwertiges Wohnen mit großzügigen Terrassen in Richtung Wehrdigt. Es seien keine Luxuswohnungen, aber auch kleine Billigquartiere. Interessenten für Wohnungen gibt es nach den Worten Beckers bereits einige. Seiner Einschätzung nach könnten die ersten Wohnungen noch in diesem Jahr bezogen werden.

Becker, der nach eigenen Worten um die 700.000 Euro in das Projekt investiert, ist Geschäftsführer eines Industrie- und Montageunternehmens in Plauen. Zu seinen Steckenpferden gehöre es aber auch, alte Häuser zu sanieren. In Plauen habe er schon verschiedene Appartements hergerichtet. Und auch das Meisterhaus in Glauchau habe es ihm angetan. Besonderes Augenmerk beim Ausbau des Gebäudekomplexes gelte dem Saal im Obergeschoss des Rohbaus. Dort soll eine Art Galeriewohnung mit viel Stahl und Glas entstehen - quasi als Raum-im-Raum-Konzept. Das große Wandbild des Niederschindmaaser Künstlers Peter Schönhoff, das seit dem Jahr 2005 an der Giebelwand des Saals zu sehen ist, soll erhalten bleiben. Das Triptychon mit dem Titel "Die Bürger von Glauchau" zeigt eine historische Versammlung von Glauchauern aus der Zunft der Tuchmacher. Das Motiv fand Schönhoff damals auf einer Fotografie aus dem Jahr 1898. "Dass das Bild nun mit dem Umbau des Hauses erhalten bleibt, freut mich sehr", lautet der kurze Kommentar des Künstlers, der sich schon mehrfach mit Investor Becker getroffen hat.


Während das große Wandbild bleibt, wird sich in der Außenansicht des Meisterhauses einiges verändern. Der Technische Ausschuss der Stadt Glauchau hat den Änderungen bereits zugestimmt. Die Vorderfront an der Fischergasse wird eine Stahltreppe mit Laubengang bekommen. Die künftige Fassade soll daran erinnern, dass die Fischergasse früher Casinostraße hieß. Für die Gestaltung von Dach und Fassade bekommt Michael Becker aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" Fördermittel in Höhe von gut 84.000 Euro. Dem hatte der Glauchauer Stadtrat zugestimmt. "Wir arbeiten mit der Stadt und dem Bauamt sehr gut zusammen", sagt Becker, der auch auf ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn an der Fischergasse setzt. "Ja, manchmal geht es auf der Baustelle laut zu", räumt Becker ein.

Er hatte im vergangenen Jahr das berühmte Meisterhaus an der Fischergasse von der Stadtbau- und Wohnungsverwaltungsgesellschaft gekauft, entkernte die alte Kegelbahn und die beiden Vordergebäude und steckt mitten im Innenausbau.


Haus mit Historie

Weil das alte Städtehaus an der Hoffnung in Glauchau zu klein war, wurde 1824 mit dem Bau des Meisterhauses an der Fischergasse begonnen. 1825 wurde es eingeweiht und war das Innungshaus der Glauchauer Handwerker.

1866 wurde in dem Gebäude auf einer außerordentlichen Landesversammlung der sächsischen Volkspartei August Bebel als Kandidat des Wahlkreises Glauchau/Meerane für den norddeutschen Reichstag vorgeschlagen.

Im Jahre 1925 erfolgte der Einbau der Kegelanlage. Dazu gehörte auch eine Gaststätte. 1987 wurde das alte Meisterhaus abgerissen. Ein Jahr später begann der Neubau, der nie fertig gestellt wurde. (sto)

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