Als in Kirchberg Eishockey gespielt wurde

Wenn von Eishockey in Westsachsen die Rede ist, fällt den meisten bloß Crimmitschau ein. Nur wenige erinnern sich noch an die Puckjagden im Freiluftstadion am Kirchberger Hölig-Steinbruch.

Kirchberg.

Die Umrisse der einstigen Eisarena sind noch schemenhaft zu erkennen. Sie befand sich in Saupersdorf zwischen Auerbacher Straße und Hölig-Steinbruch. Dort stand vorher eine Traglufthalle. "Die Kammgarnspinnerei hatte im Zuge der Wende das 5000 Quadratmeter große Gelände veräußert, wir haben es 1991 für 1 Euro gekauft", erinnert sich Carsten Weidauer, Übungsleiter und Mannschaftsleiter der Kirchberger Eishockeyspieler. Es ist jetzt drei Jahrzehnte her, dass der damalige Borberger Eishockeyclub (BEC) Nutzer des Geländes wurde.

Die Chronik des Vereins setzt 1985 ein, als beim ESV Lok Kirchberg eine Sektion Eishockey gegründet wurde, die sich nach der Wende eigenständig machte. Gespielt wurde zunächst auf dem Sportplatz der Ernst-Schneller-Schule. Weil auf dem Schulsportplatz im Winter zu viel Wasser ablief, ging man auf die Suche nach einem neuen Objekt und wurde am Hölig-Steinbruch fündig, wo sich bereits der Schützenverein Rödelbachtal angesiedelt hatte. Die Sportler packten selbst an, um das Areal für ihre Zwecke herzurichten, steckten Tausende Arbeitsstunden und Eigenmittel rein. "Wir haben alles in Eigeninitiative gemacht, jeden Sonnabend war Arbeitseinsatz", berichtet Weidauer. Im Gebäude, in dem bis dahin die Generatoren für die Traglufthalle standen, wurden Umkleidekabinen und das Vereinszimmer eingerichtet. Im September 1991 stellte man rings um das Oval Banden auf.

Die Heimpremiere im neuen Domizil erfolgte Anfang Februar 1992 vor 300 begeisterten Zuschauern: In der Sachsenliga gab es ein 3:3 gegen den 1. FEV Klingenthal/Brunndöbra. Das von Egon Weidauer trainierte Team wurde 1992/93 sogar Meister der Landesliga, verzichtete aus finanziellen Gründen jedoch auf den Aufstieg. Der Grund: Die Natureisfläche in Saupersdorf war nur bei anhaltend kalter Witterung bespielbar, Eiszeiten in Crimmitschau und Chemnitz in der Regel ausgebucht. Also war bloß Trockentraining möglich. "Wir haben dann öfter in Grimma gespielt", berichtet Carsten Weidauer. "Später gab es eine Spielgemeinschaft mit Oberwiesenthal, dadurch sind wir zu ein paar Tschechen gekommen, die haben uns natürlich enorm weitergeholfen."

Die Kirchberger hegten ehrgeizige Pläne. Im Juni 1994 wurde das Konzept der ganzjährigen Nutzung vorgestellt: im Winter Eishockey, im Sommer Roll- und Schlittschuhlauf. Dazu eine Skateboardbahn, Minigolf und ein Biergarten. Man hatte extra Aktive des EV Chemnitz zu einer Rollsport-Demonstrationsveranstaltung eingeladen. 1997 wurde eine Nachwuchsmannschaft gebildet, am Steinbruch gab es Eislaufen mit Musik und Eisfasching.

Die Euphorie hielt nicht ewig an. "Es wurde immer weniger, wir haben dann noch eine kleine Interessengemeinschaft gemacht, im Jofa-Titan-Cup und im Hasseröder-Premium-Cup, organisiert von Kuhschnappel, gespielt", erzählt Weidauer. "Bis 2004 haben wir durchgehalten, dann war Pustekuchen." Und weiter: Es ist alles im Sande verlaufen. Wir konnten das Gelände nicht mehr unterhalten, das hat ein Autohaus übernommen." Die übrig gebliebenen Spieler schlossen sich anderen Vereinen an. "Ich habe in Trebsen noch ein paar Spiele gemacht, zwei Jahre lang."

Carsten Weidauer lebt seit einigen Jahren in Borna-Zedtlitz. Er war zunächst als Sportinstrukteur im Braunkohlenwerk, dann vier Jahre in Wermsdorf (Nordsachsen) als Ressortleiter Fremdenverkehr, Kultur und Sport tätig und betrieb später ein kleines Fuhrgeschäft, bevor er sich in Schkeuditz noch mal ein Jahr auf die Schulbank setzte. Heute arbeitet er bei der Luftverkehrssicherheit am Flughafen Leipzig/Halle. Der einstige Fußballer in Diensten von Aue (Nachwuchs-Oberliga), Altenburg und Borna (Aufstieg in die DDR-Liga) schnürt heute noch ab und zu die Stiefel bei den Alten Herren.

Gern erinnert er sich an die Eishockey-Ära in der Stadt Kirchberg. "Spaß hat es gemacht", resümiert Weidauer. Im Jahr 1986 nahmen die Borbergstädter sogar an der DDR-Bestenermittlung, Leistungsgruppe C, teil, unter anderem mit Schönheide, Crimmitschau II und Klingenthal. Nach dem Abschneiden seiner Mannschaft befragt, muss Weidauer ein wenig schmunzeln: "Wenn du die Tabelle umdrehst, waren wir Erster." Die Zeit mit seinen Kumpels in Saupersdorf mag er nicht missen. Auch Jahre später hält man noch Kontakt. "Wenn ich mal oben bin, besuche ich den einen oder anderen."

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