Cainsdorfer Hütte kommtin die Zwickauer Priesterhäuser

Wohl keiner kennt die Historie der Firma so gut wie Hubert Treger. Er hat nicht nur sein ganzes Arbeitsleben dort verbracht, auch im Ruhestand lässt sie ihm keine Ruhe. Jetzt bereitet er eine Ausstellung zum 180-jährigen Bestehen des Betriebes vor.

Zwickau.

Hubert Treger ist überzeugt, dass die 1839 gegründete Cainsdorfer Hütte eine große Bedeutung bei der Industrialisierung Sachsens hatte. "Sie entwickelte sich schnell zum größten Hüttenwerk im Land, hatte bis zu 1800 Mitarbeiter", sagt er und berichtet, dass der Betrieb anlässlich des Besuchs der Königin Maria von Sachsen 1842 "Königin Marienhütte" genannt wurde. Neben Bergwerksausrüstungen wie Fördertürmen und Dampfmaschinen wurden in Cainsdorf umfangreiche Guss-Sortimente für den Maschinenbau sowie den Wasser- und Gasleitungsbau hergestellt, genau wie Bahnsteigausrüstungen und Bausäulen. Aber auch Eisenbahnschienen und Brücken entstanden dort.

Als Treger mit 16 Jahren in der Firma seine Lehre als Schweißer begann, gehörte sie zur Wismut. Später wurde er Lehrschweißer und -meister, dann Gewerkschafter, Projektverantwortlicher und am Ende Vertriebsleiter in dem Betrieb, der 2012/13 auf den Zwickauer Brückenberg zog und nun Zwickauer Sonderstahlbau (ZSB) GmbH heißt.

Gut 46 Jahre, sein ganzes Arbeitsleben, hat Treger in dem Unternehmen verbracht. Und als er in den Ruhestand ging, kehrte er ihm nicht etwa den Rücken, sondern erforschte seine Geschichte. "Ich habe in vielen Archiven recherchiert und bin mit meiner Frau in ganz Deutschland unterwegs gewesen, um Erzeugnisse des Betriebes zu fotografieren. Außerdem habe ich mit um die 80 ehemaligen Kollegen gesprochen und von ihnen eine Fülle technischer und persönlicher Daten erhalten", erzählt er. "Die Historie ist so spannend, sie hat mich einfach nicht losgelassen."

Treger berichtet, dass das "Blaue Wunder" in Dresden die 1500. Brücke aus Cainsdorf war. Er freut sich, dass das Chemnitzer Eisenbahn-Viadukt über die Annaberger Straße, das ebenfalls made in Cainsdorf ist, nun doch nach jahrelangem Kampf erhalten wird. Zu DDR-Zeiten, als der Betrieb zur Wismut gehörte, entstanden darin technische Anlagen für den Bergbau, aber auch Stahlkonstruktionen für das Erlenbad und die "Neue Welt" sowie die Tribüne und die Flutlichtmasten für das Stadion von Wismut Aue. Nach der Wende produzierte der Betrieb unter anderem Fachwerkbinder für die VW-Hallen in Mosel und Sitz- traversen für die Empore der Dresdner Frauenkirche sowie die Benno-Ohnesorg-Brücke in Hannover und die Träger der neuen Brücke des Kirchheimer Dreiecks.

Nach elf Jahren Unruhestand verfügt der Zwickauer über sage und schreibe 15.000 Schriftstücke und Fotos zur Historie der Hütte und hat zwei Bücher dazu herausgebracht. Die Gründung der Firma vor 180Jahren ist für ihn Anlass, gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt eine Jubiläumsausstellung zu gestalten, die am 17. Februar in den Priesterhäusern eröffnet werden und später auch im Reinsorfer Heimat- und Bergbaumuseum zu sehen sein soll. "Ich will noch nicht zu viel verraten, aber neben Dokumenten und Fotos werden auch einige Modelle zu sehen sein", sagt Treger.

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