Ehepaar hält Genossenschaft seit 64 Jahren die Treue

Die Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau hat ihr 65-jähriges Bestehen mit einer Festveranstaltung gefeiert. Eine Familie aus der Wilhelm-Liebknecht-Straße hat ein Stück Firmengeschichte mitgeschrieben.

Crimmitschau.

Die Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau zählt aktuell mehr als 1000 Mitglieder. Zu denjenigen, die dem Großvermieter am längsten die Treue halten, gehören Erwin Hubatschek und seine Frau Inge. Der Rentner ist seit dem 1. Dezember 1955 Mitglied der Genossenschaft. Sein Mitgliedsbuch trägt die Nummer 27. Das Dokument mit dem historischen Datum besitzt der 89-Jährige noch immer.

In der Wohnung des Großvermieters, die er 1958 an der Wilhelm-Liebknecht-Straße im Westen der Stadt mit seiner Frau bezogen hat, lebt er noch immer. Das Ehepaar hat damals gemeinsam im Trikotagenwerk an der Amselstraße in Crimmitschau gearbeitet. "Wir haben 1951 geheiratet. Wir wohnten damals mit unserer Tochter in der Breitscheidstraße und hatten nur eine kleine Wohnung. Durch einen Arbeitskollegen wurden wir auf die Wohnungsbaugenossenschaft aufmerksam und haben uns dort für eine Wohnung beworben", erinnert sich Erwin Hubatschek. Allerdings hatte das Ganze seinen Preis. "Wir mussten 2500 Mark als Genossenschaftsanteile zahlen. Das war damals sehr viel Geld. Außerdem mussten wir für unsere Wohnung 750 Aufbaustunden leisten. Ich war damals im Drei-Schicht-System tätig. Das hieß, nach Arbeitsschluss noch einmal anpacken", berichtet der Rentner. Bagger, die den Helfern beim Aushub für die geplanten Häuser die Arbeit erleichterten, gab es nicht. "Wir waren auf Schaufel und Schubkarre angewiesen."

Familie Hubatschek, inzwischen Eltern von zwei Kindern, konnte die Entstehung ihres Wohnblockes live miterleben. Im Dezember 1958 erfolgte der Einzug in das Vier-Familien-Haus an der Wilhelm-Liebknecht-Straße. "Wir haben dann später in Eigenleistung noch die Bodenkammer ausgebaut, um so ein zweites Kinderzimmer zu bekommen. Eine Wohnung mit zwei Kinderzimmer stand uns damals nicht zu, weil wir zwei Mädchen hatten. Hätten wir einen Jungen und ein Mädchen gehabt, wäre das etwas anderes gewesen", erinnert sich Inge Hubatschek. Sie schätzten sich damals dennoch glücklich, eine Wohnung mit Badewanne und einer Wasser-Toilette in der Wohnung zu haben. All das war 1958 keine Selbstverständlichkeit. "Das können sich die jungen Leute gar nicht mehr vorstellen", sagt die 89-Jährige und schmunzelt dabei.

1995 wurde die Wohnung modernisiert. "Da waren wir beide schon 75. Das waren anstrengende sechs Monate. Wir haben die ganze Zeit auf einer Baustelle gewohnt. Aber es hat sich im Nachhinein gelohnt", sagt Inge Hubatschek. Die Öfen, mit denen die Räume beheizt wurden, verschwanden und wurden durch Zentralheizung ersetzt. Die alten elektrischen Leitungen wurden modernisiert und unter Putz gelegt. "Wir haben jetzt alles schön", sagt das trotz des hohen Alters noch rüstige Ehepaar übereinstimmend. Inzwischen sind auch die beiden Töchter Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft und wohnen in der Nachbarschaft. Selbst die Enkelin lebt in einer Wohnung des Großvermieters. "Das ist doch der beste Beweis, dass wir uns hier wohlfühlen und mit dem Vermieter auch zufrieden sind", sagen die Crimmitschauer.


Großvermieter hat mehr als 1148 Wohnungen an drei Standorten in Crimmitschau

Die Wohnungsgenossenschaft Crimmitschau wurde am 25. August 1954 als "Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft des VEB Textilwerkes Pleißengrund" (AWG) gegründet. Am 1. Dezember erhielt sie den Namen "AWG Herbert Warnke" und firmierte im Sommer 1958 in AWG Volltuchwerke um. Die heutige Wohnungsbaugenossenschaft Crimmitschau (WGC) ist die Rechtsnachfolgerin.

Die WGC hat mehr als 1148 Wohnungen an drei Standorten in der Stadt. Dazu gehörten das Gebiet Wilhelm-Liebknecht-Straße, der Bereich Helmut-Bräutigam-Straße sowie Westbergstraße/Bebelstraße/Grüner Weg.

Der Großvermieter besitzt für seine Mieter an verschiedenen Standorten in der Stadt sechs Gästewohnungen, die gegen eine Gebühr angemietet werden können.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    typewriter
    26.09.2019

    Wenn beide 1995 bei der Modernisierung bereits 75 gewesen wären,wären sie jetzt 99 und nicht 89. Hier stimmt etwas nicht.



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