Er ist der Burgermeister

"Freie Presse" schaut in Küchen der Region. Heute: Mr. Meyers Diner in Zwickau

Zwickau.

Selfies mit Rouladen sind selten, sagt Daniel Meyer. Auch wenn es manch eine Roulade durchaus verdient hätte, per Foto und Internet gewürdigt zu werden. "Aber deutsche Küche ist ein schweres Pflaster", findet der 39-Jährige. "Viele Leute wollen heutzutage nicht einfach nur essen, sondern etwas erleben. Sie wollen etwas, über das sie auch am nächsten Tag noch sprechen können."

Daniel Meyer hat sich von seiner Lehre an durch so manche deutsche Küche gekocht - angefangen vom traditionsreichen Gasthof Mädler in Oberhohndorf. Er weiß die Vor- züge von deutscher Hausmannskost zu würdigen, und doch hat er sich mit einem amerikanischen Diner seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Mehr noch: Er hat damit auch den (Geschmacks-)Nerv seiner Gäste getroffen, denn es gibt kaum einen Abend, an dem sein Restaurant nicht aus den Nähten platzt.


Zugegeben: Bei 35 Sitzplätzen ist der Laden schneller voll als ein Gasthaus mit Schankstube und großem Saal. Aber Daniel Meyer kann sich keine weiteren Plätze aus den Rippen schneiden: Das Grundstück an der Humboldtstraße gibt nicht mehr her. Im Sommer entspannt ein zusätzlicher Biergarten die Lage, im Winter hilft oft nur eine Reservierung. Das Diner ist ein schmaler Schlauch, der früher genau so hieß -nämlich "Der Schlauch" - und nicht viel mehr war als ein Treff für Biertrinker und Bockwurstesser. Meyer hat den 60er-Jahre-Bau gekauft und ihn mit seinem zweiten Geschäftsführer saniert. Martin Herrmann ist von Hause aus Bau- ingenieur und hat auch betriebswirtschaftliches Wissen in diese berufliche Partnerschaft gebracht. Die beiden Männer dachten sich anfangs, dass es über die Bauphase hinaus nicht viel für den Ingenieur zu tun gibt. "Inzwischen hat aber auch er seine Sieben-Tage-Woche", sagt Daniel Meyer. Denn inzwischen gibt es in Chemnitz ebenfalls ein Diner - mit wesentlich mehr Platz, aber ähnlichem Zuspruch. Daniel Meyer hätte sich das nie zu träumen gewagt, als er nach zwölf Jahren in Diensten eines mexikanischen Restaurants sein eigener Chef wurde. Sein Erfolgsrezept hat mehrere Zutaten: Zum einen kocht sein Team stets frisch. Das beginnt beim Fleisch für die Burger, das nicht als fertiges Gehacktes, sondern im Stück geliefert wird. "Auch die Soßen rühren wir selbst an, und unser Brot lassen wir extra im Vogtland backen." Nur die Pommes frites werden nicht selbst geschnitten. "Das sind allein in Zwickau vier bis fünf Tonnen im Monat. Das ist nicht zu leisten." Aber er hat seine eigenen Standards und einen Lieferanten gefunden, der die Kartoffelstäbchen nicht als Tiefkühlware anbietet.

Ein zweiter Erfolgsgarant sind die Gerichte selbst: Hotdogs, Burger, Fish and Chips. "Das kennt jeder." Und die meisten mögen es auch. "Wir haben eine Zielgruppe, die siedelt sich bei 25 bis 35 Jahren an. Aber im Grunde genommen reicht unser Publikum von ganz jung bis sehr alt." Und das lasse sich auch nicht vom fettigen Ruf amerikanischen Essens abschrecken. "Die Leute reden viel über fettarmes Essen oder über Low Carb. Aber wenn ich Fotos von unserem Essen zeige, dann flippen die Leute immer aus." Dabei kommt er den Wünschen seiner Gäste durchaus entgegen, ohne jedoch seinen roten Faden auf der Speisekarte zu vergessen. "Wer einen Burger ohne Brot will, bekommt ihn auch." Das sind die Low-Carb-Freunde, die also möglichst wenig Kohlenhydrate essen wollen. Auch Vegetarier oder Veganer müssen weder hungern noch auf Notlösungen zurückgreifen. "Unseren veganen Burger bestellen sogar Fleischesser und Leute, die extra aus Leipzig anreisen."

Der Erfolg beschert ihm noch mehr Arbeit - und mehr Pläne. In Chemnitz soll neben dem Diner ein Motel entstehen, ganz im Stil der 50er-Jahre. Geschäftsführer Martin Herrmann bekommt also schon wieder was zu tun. Und auch Daniel Meyer hält die Füße nicht still. "Derzeit bin ich fast nur in Chemnitz. Aber ich wäre gern wieder mehr in Zwickau, man möchte sich ja schon auch bei den Gästen sehen lassen." Klar, wenn es schon Mr. Meyers Diner heißt. Der Chef ist sich nie zu schade, seine Gäste selbst zu bedienen. Doch den Löwenanteil der Arbeit erledigen in Zwickau vier Köche, vier Bedienungen und noch einige andere Angestellte. "Vor denen habe ich riesengroßen Respekt. Ich weiß, was sie alle leisten.


Mein Rezept: Pulled Pork - für den heimischen Backofen

Zutaten:

1,5 Kilogramm Schweineschulter, je ein halber Teelöffel Pfeffer und Salz, 2 Teelöffel gehackter Knoblauch, 1 Teelöffel Chilipulver, 2 große Zwiebeln, 1 Esslöffel Rohrzucker, 500 Milliliter Cola, 300 Gramm Ketchup, je 50 bis 60 Milliliter Apfelessig und Worcestersoße

Zubereitung:

Das Fleisch in grobe Stücke schneiden und mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und Chilipulver über Nacht im Kühlschrank marinieren. Am nächsten Tag die Zwiebeln grob hacken, die Hälfte davon in einen Bräter legen, darauf das Fleisch und obendrüber die rest- lichen Zwiebeln verteilen. Mit einer Mischung aus Cola, Essig, Ketchup und Worcestersoße begießen, das Ganze abdecken und bei 160 Grad Celsius vier bis fünf Stunden im Backofen schmoren. Bei Bedarf zwischendurch etwas Cola nachfüllen. Zum Schluss das Fleisch aus dem Ofen holen, mit der Gabel in Stücke reißen, umrühren und anrichten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...