Fäkaliendeponie: Tiere können wegziehen

Der Landkreis hat im Vorjahr mit der Rekultivierung eines Absetzbeckens in Dänkritz begonnen. Ein wichtigster Bestandteil des Vorhabens wurde abgeschlossen. Momentan ruhen jedoch die Arbeiten.

Dänkritz.

In Dänkritz wird derzeit eine der unliebsamen Hinterlassenschaften aus DDR-Zeiten beseitigt: die Fäkaliendeponie. Bis 2020 soll das rund zehn Hektar große Areal rekultiviert werden. Damit begonnen wurde im Vorjahr. "Die Arbeiten liegen im Zeitplan. Das Ersatzbecken ist fertiggestellt und bereits mit Niederschlagswasser gefüllt. Somit ist die Nutzung für die Brutsaison und als Amphibienlaichgewässer in diesem Jahr möglich", sagt die Leiterin des Umweltamtes in der Kreisverwaltung, Brit Wendler. Im März werden nach Aussagen der Behördenleiterin noch die entsprechenden Amphibienleiteinrichtungen, zu denen unter anderem Krötenzäune gehören, aufgestellt. Die bleiben dann bis zum Ende der Bauzeit stehen.

Notwendig machte sich das Anlegen des Ersatzbeckens, um den in dem Areal ansässigen Tieren eine Ersatzfläche zu schaffen. Rund um die Absetzbecken hatten sich in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Arten angesiedelt, die anderswo kaum noch anzutreffen sind. Dazu zählt beispielsweise die Knoblauchkröte. Der Lurch gehört zu den gefährdeten Arten in Deutschland, steht auf der Roten Liste und damit unter besonderem Schutz. 2007 wurde die Knoblauchkröte zum "Lurch des Jahres" ernannt. Auch die Tafelente, ebenfalls anzutreffen, ist eine bedrohte Art.


Neben der Schaffung des Ersatzbecken wurde mit der Rekultivierung der vorhandenen Becken begonnen. "Der Klärschlamm wurde weitgehend beräumt." Wenn es die Witterung erlaubt, wird der noch in den Becken vorhandene dünnflüssige Schlamm über sogenannte Geotubes entwässert", sagt Wendler weiter. Die weitere Vorgehensweise: Der zwischengelagerte Schlamm wird mit Kalk stabilisiert, in einem der Absetzbecken der früheren Deponie eingelagert und anschließend mit einer Dichtungsschicht versiegelt, sodass am Ende auch kein Regenwasser mehr durchdringen kann. Darüber kommt eine Vegetationsschicht. Fortgesetzt werden die Arbeiten im Frühjahr.

Möglich machte die Realisierung des seit einigen Jahren geplanten Vorhabens 2017 ein Fördermittelbescheid der Landesdirektion. Der Freistaat stellte dem Kreis für das Vorhaben knapp 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt sind für das Projekt 2,9 Millionen Euro eingeplant. Für den Differenzbetrag muss der Landkreis aufkommen. "Ein Projekt in der Größenordnung ist schon eine Hausnummer. Nicht nur vom Wertumfang her, sondern auch von der Aufgabe. Die Fäkaliendeponie ist die einzige dieser Art im Landkreis", sagte Brit Wendler bereits zu Beginn der Rekultivierungs-Arbeiten.

In Betrieb genommen wurde die Deponie 1983 und bis zum 30. Juni 1996 genutzt. Während dieser Zeit landeten auf der Halde an der Crimmitschauer Straße am Ortseingang von Dänkritz, aus Richtung Zwickau kommend, rund 19.000 Kubikmeter Fäkalienschlamm. 21 Jahre lang herrschte nach der Stilllegung Ruhe. In dieser Zeit eroberte sich die Natur das Gebiet zurück. Doch die Hinterlassenschaften, zu denen auch Industrieschlamm gehörte, blieben. "Da es sich zu DDR-Zeiten um eine öffentlich zugelassene Deponie handelte, war es auch möglich, unterschiedliche Schlämme zu entsorgen. Der Umweltschutz spielte keine große Rolle", sagt Wendler.

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