Förster: "Es ist so schlimm wie noch nie"

Der Borkenkäfer frisst sich weiter durch die Wälder der Region - eine Plage mit schlimmen Folgen für den Baumbestand und die Holzpreise.

Langenbernsdorf/Werdau.

Schon im Trockensommer 2018 hat der Borkenkäfer enorme Schäden angerichtet. In diesem Jahr scheint die Lage noch dramatischer. "Es ist so schlimm wie noch nie", erklärt Karsten Preußner aus Dänkritz, der für das Revier 22 Werdau zuständige Revierförster. "Vor allem in unserer Region ist es ganz extrem."

Deshalb gibt es regelmäßige Kontrollen, um die frisch befallenen Bäume zu erkennen, zu markieren und zu melden. "Die müssen von den Waldbesitzern entfernt werden, bevor sich die neue Brut entwickelt und die Käfer ausfliegen. Das ist ganz wichtig", betont Preußner.


Es herrscht Alarmstufe Rot im Wald. Der Befall im vergangenen Borkenkäferjahr, das den Zeitraum vom 1. Juni des Vorjahres bis zum 31. Mai des laufenden Jahres umfasst, war noch nie so hoch seit Beginn der Aufzeichnungen 1946. "Flächendeckend in ganz Sachsen fielen über eine Million Kubikmeter Schadholz durch Borkenkäfer an Nadelbäumen an", erklärt Ines Bimberg, Sprecherin des Sachsenforst-Bezirks Plauen, zu dem der Landkreis Zwickau gehört. "Die Kontrollfänge in den Borkenkäferfallen, die der Überwachung dienen, sind außergewöhnlich hoch und erreichen noch nie dagewesene Werte."

"Bei uns im Werdauer Wald ist es schlimm, aber gerade noch erträglich. Wir kontrollieren jeden Tag", berichtet Revierförster Uwe Hempel aus Langenbernsdorf, für das Revier 03 Trünzig zuständig. "Die Situation ist äußerst kritisch. Bei den sommerlichen Temperaturen wird sich auch an der Lage nichts ändern." Die kühle Wetterperiode der vergangenen Tage hat die Entwicklung der Borkenkäfer nur unwesentlich beeinflusst. Die anhaltende Dürre fördert den Befall, zumal die Bäume durch das Extremwetter geschwächt sind. "Den Fichten fehlt dann der Abwehrmechanismus", schildert Uwe Hempel. "Sie können die eindringenden Käfer nicht mit Harz stoppen, wenn der Saftstrom unterbrochen ist. Dann wird es gefährlich, und so ist es momentan."

Alle privaten Waldbesitzer sind deshalb aufgefordert, ihren Wald regelmäßig nach frischem Borkenkäferbefall zu kontrollieren. Sie können zwecks Beratung die Hilfe der örtlich zuständigen Revierleiter von Sachsenforst in Anspruch nehmen.

"Die erste Borkenkäfergeneration 2019 hat sich überwiegend in Bäumen entwickelt, die vom Sturm geworfen oder vom Schnee gebrochen wurden", sagt Ines Bimberg. Seit einigen Wochen trete im gesamten Forstbezirksbereich Stehendbefall auf. "Das heißt: die Käfer befallen stehende und gesunde Fichten zur Anlage der zweiten Borkenkäfergeneration. Handeln ist also dringend notwendig." Die frisch befallenen Bäume müssen dringend gefällt und aus dem Wald gerückt werden. Bei Einzelbäumen besteht die Möglichkeit, die Rinde abzuschälen. Dann kann der Stamm im Wald liegen bleiben. Experten warnen: Ein unerkannter Stehendbefall kann zum Absterben von 25 Bäumen in der nächsten Generation führen.

Die Borkenkäferplage hat auch Auswirkungen auf die Holzpreise. "Bekämpfen ist das eine, das Holz loskriegen das andere", sagt Revierförster Karsten Preußner. "Der Verkauf ist im Moment ganz schwierig. Die Werke sind alle voll mit Holz." Der Markt ist übersättigt. Das treibt die Preise in den Keller. (tc)

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