Heimstatt für viele Menschen bereitet Fest zum 95-Jährigen vor

Einst für Bedürftige gegründet, hat sich "Sichem" in Werdau zu einem Ort entwickelt, an dem sich viele zuhause fühlen.

Werdau.

Der Lieblingsplatz von Christa Rüßmann ist der Wintergarten des Altenpflegeheimes "Haus Abendfrieden" in der Heimstätte Sichem. Dort genießt die Seniorin die Sonne. "Draußen ist es noch zu ungemütlich. Hier in der kleinen, gemütlichen Ecke fühle ich mich wohl. Ich lese oder treffe mich mit Mitbewohnern, um einfach mal über dies und jenes zu reden."

Seit mehr als anderthalb Jahren ist die rüstige 85-Jährige in der Heimstätte Sichem zuhause. Nach einem Beckenbruch und Krankenhausaufenthalten musste der Umzug aus der Fraureuther Wohnung sein. Die gebürtige Eisenacherin, die immer einen lockeren Spruch parat hat, zog 1956 mit ihrem Mann Jo- achim Rüßmann nach Fraureuth, wo er als Kantor tätig war. Wenn der Fraureuther Posaunenchor unter der Leitung ihres Mannes in "Sichem" Konzerte gab, kam Christa Rüßmann mit. "Ich konnte die Entwicklung von den einstigen Gebäuden bis hin zum heutigen modernen Haus am Walde mitverfolgen. Hier muss man sich einfach wohlfühlen. Man kann tagtäglich in der Gemeinschaft viel erleben, aber auch seine Privatsphäre genießen."

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

Es war 1924, als der damalige Ruppertsgrüner Fabrikschmied Max Schubert begann, bei seinen Glaubensbrüdern und -schwestern Geld für Kranke, Hungernde und Frierende zu sammeln, um für sie eine Heimstätte zu errichten. Ausrangierte Eisenbahnwaggons dienten zu Beginn als Unterkünfte für die Bedürftigen. Einen Rückschlag gab es am 6. Juni 1925, als ein Brand alles wieder vernichtete. Der Neubeginn wurde mit Spendengeldern ermöglicht. Nach gut zehn Jahren wohnten in den schlichten, mitunter barackenähnlichen Häusern bereits an die 100 Männer und Frauen. Eng verbunden mit dieser Baumaß- nahme ist auch der Name des Fraureuther Industriellen Richard Puchert. Er trug mit seinen Spenden dazu bei, dass das Areal Schritt für Schritt weiter gebaut und den Erfordernissen angepasst werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Innere Mission Sachsen die Einrichtung in ihre Trägerschaft. Durch Um-, An- und Neubauten schaffte man Platz für 190 Bewohner, die im Frauen-, Männer- oder Schwesternhaus oder dem "Haus Birkenhof" untergebracht waren.

Seit 1992 gehört die Heimstätte Sichem zum Diakoniewerk Westsachsen. Mit der Grundsteinlegung für das neue "Haus Abendfrieden" am 24. Mai 1993 wurde ein wichtiger Baustein für das weitere Wachsen dieser gefragten Einrichtung gelegt. Die feierliche Einweihung fand am 2. Juli 1995 statt. Das Heim "Abendfrieden", das fast immer zu 100 Prozent ausgelastet ist, verfügt über 50 Einzel- und 25 Doppelzimmer.

In der unmittelbar benachbarten Wohn- und Pflegestätte "Max Schubert" werden derzeit 32 geistig oder körperlich behinderte Menschen betreut. Ferner stehen auf dem Areal der Heimstätte Sichem, das circa drei Hektar groß ist, fünf vollsanierte Wohnhäuser mit 25 Wohnungen zur Vermietung bereit. Auch eine Außenstelle der Langenhessener Werkstatt für angewandte Arbeit "Lebensbrücke" für behinderte Menschen befindet sich auf dem Gelände.

"Neben den 100 Beschäftigten im gesamten Bereich der Heimstätte Sichem können wir auch auf zahlreiche ehrenamtliche Helfer bauen", sagt Johannes Queck, der seit neun Jahren die Einrichtung leitet. Hilfe bekomme man auch über Mitarbeiter des Bundesfreiwilligendienstes und durch junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Positiv habe sich die Zusammen- arbeit mit der Stadtmission in Zwickau sowie den kirchlichen Einrichtungen in Werdau entwickelt.

Derzeit sei man mit der Vorbereitung des 95-jährigen Bestehens der Heimstätte beschäftigt, sagt Johannes Queck. Es soll am 23. Juni gefeiert werden. "Weil wir schon viele Jahre im Sommer das Sichemfest begehen, haben wir gute, langjährige Kontakte." Ob die Wanderbühne aus Mülsen, Ponyreiten, Kinderschminken oder die musikalische Unterhaltung, die die Musikschule Werdau übernimmt: Es wird für jede Altersgruppe etwas dabei sein.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...