Im "Stiefelknecht" ist nach Silvester Ende

In einer traditionsreichen Gaststätte in Werdau gehen in wenigen Wochen die Lichter aus. Dabei würde der Wirt gern weitermachen.

Werdau.

Da staunten Katrin Winkler und Steffen Körbl vor ein paar Tagen nicht schlecht, als das Paar im Briefkasten die Kündigung für sein Lokal fand. Seit 2009 bewirtschaften die beiden Werdauer den "Stiefelknecht" in der Waldsiedlung an der Ortsgrenze zwischen Werdau und Leubnitz. Das Lokal erfreut sich nicht nur bei den Siedlern großer Beliebtheit, sondern auch bei zahlreichen Ausflüglern. Über mangelnde Kundschaft konnten die Wirtsleute nicht klagen. Doch Ende das Jahres soll Schluss sein. Am Silvesterabend empfängt das jetzige Betreiberpaar zum letzten Mal Gäste. Bis 11. Januar haben die Pächter dann noch Zeit, das Lokal zu beräumen. "Wir hätten gern weitergemacht, doch die Eigentümer sind an einer weiteren Zusammenarbeit offenbar nicht interessiert", sagt Steffen Körbl. Er und seine Partnerin sind sich keiner Schuld bewusst. Die Pacht für das Lokal haben sie nachweisbar regelmäßig und auch pünktlich bezahlt.

Heinz John, Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft Stiefelknecht, begründet die Kündigung mit einer Entscheidung der Gesellschafter. Die haben sich mehrheitlich dafür ausgesprochen. Auf die Gründe wollte John nicht näher eingehen. Er verwies auf den Inhalt des Mietvertrages. John selbst ist zugleich Vereinsvorsitzender der Waldsiedlung. Der Verein ist einer von sieben Gesellschaftern. "Wir als Verein sind an einem Fortbestand des Lokals interessiert", so John.


Der Grund und Boden, auf dem sich die Gaststätte befindet, gehört dem Verein. Als das in den 1950er-Jahren von den Siedlern errichtete Lokal nach dem Weggang des alten Pächters einige Jahre leer stand und immer mehr verfiel, hatten sich 1997 einige Siedler zusammengetan und mit Geld aus ihrer Tasche das Gebäude wieder auf Vordermann gebracht. Es folgte noch im gleichen Jahr die Gründung einer Eigentümergemeinschaft. Inzwischen sind die Gesellschafter alle um die 70 Jahre alt und denken über einen möglichen Verkauf ihrer Anteile nach. "Mir wurde die Immobilie für 120.000 Euro angeboten. Dafür müsste ich einen Kredit aufnehmen. Ich bin jetzt 51 Jahre und dafür zu alt. Hätte man mir bei der Übernahme vor zehn Jahren das Angebot gemacht, wäre ich darauf auch eingegangen", sagt Körbl. Seiner Meinung nach geht es den Gesellschaftern nur um ihr Geld. "Dass das Lokal schließen muss und ich und meine Partnerin sowie unsere Angestellten ab 2020 auf der Straße stehen, ist den Herren offenbar egal. Mich würde interessieren, was der Oberbürgermeister dazu sagt", so der Wirt.

Heinz John sieht das anders. Nach seinen Worten gibt es interessierte Bewerber für das Lokal, sodass ein möglicher Fortbestand gesichert ist. Allerdings wäre die bisherige Kündigungsfrist für Interessenten hinderlich. "Laut derzeitigem Vertrag endet das Mietverhältnis jeweils zum 31. Dezember und verlängert sich um ein Jahr, sofern nicht spätestens bis zum 30. September von einem Vertragspartner schriftlich gekündigt wurde. Daran haben wir uns gehalten."

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