Talsperren-Herz schlägt in 20 Metern Tiefe

90 Jahre Kober - 2010 fand die bisher größte und teuerste Baumaßnahme in der Geschichte der Talsperre statt. Es war eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Langenhessen.

Sven Beyer, Betriebsteilleiter für Stauanlagen bei der Landestalsperrenverwaltung Sachsen, hat schon viele Bauprojekte in der Region betreut. Eines ist ihm dabei in besonderer Erinnerung geblieben: die Erneuerung der Entnahmetechnik der Koberbachtalsperre. Zwei Jahre dauerten die Arbeiten, mit denen 2009 begonnen wurde. "Das war keine ungewöhnliche, aber eine sehr interessante Aufgabe. Im Entnahmeturm war noch die Technik vorhanden, die beim Bau installiert wurde", sagt der Experte. Errichtet wurde die Talsperre zwischen 1926 und 1929. Nach 80 Jahren Dauerbetrieb war die technische Ausrüstung verschlissen, Rost hatte sich angesetzt. Teilweise waren die Anlagen undicht geworden und ließen sich nur noch schwer steuern.

Der Austausch war die bisher aufwendigste und zugleich kostenintensivste Maßnahme in der bisherigen Geschichte der Talsperre. Für die an den Arbeiten beteiligten Firmen keine alltägliche Aufgabe. Die Technik, mit deren Hilfe die Stauhöhe geregelt wird, befindet sich in 20 Metern Tiefe am Grund der Talsperre. Erreichbar ist die Anlage nur über den sogenannten Entnahmeturm. In dem Rundbau führt eine Treppe hinab auf den Grund. Das Kernstück, die Ablassschieber, befinden sich in zwei Stahlrohren mit einem Durchmesser von 1,20 Meter. Vor den Eingängen sind Gitter installiert, welche die Zuflüsse vor Verunreinigungen schützen. Um an die Schieber zu gelangen, mussten zuerst die Schutzgitter entfernt werden. Dazu machte sich der Einsatz von Tauchern notwendig. Deren Arbeiten musste mehrmals verschoben werden, weil die Witterung nicht mitspielte.


Der Austausch der Technik erfolgte durch den Entnahmeturm. Dazu musste die Treppe, die in die Tiefe führt, demontiert werden. "Sonst hätten die bis zu fünf Tonnen schweren Teile nicht ans Tageslicht befördert werden können", erinnert sich Beyer. Doch auch das erwies sich komplizierter als gedacht. Um die Teile nach oben hieven zu können, musste in der Turmspitze eine neue Kranbahn installiert werden. Die alte Konstruktion, die ebenfalls etliche Jahre auf dem Buckel hatte, war nicht mehr einsetzbar. Mit der Ablasstechnik am Grund der Talsperre wurde zugleich die Steuertechnik im Eingangsbereich des Turmes erneuert. Musste der Staumeister zur Bedienung der Anlagen in der Vergangenheit jeweils 300 Meter von seinem Domizil bis zum Turm über den Staudamm zurücklegen, so geschieht das nun direkt vom Büro aus. Dafür mussten zusätzlich rund 300 Meter Kabel verlegt werden. Die notwendigen Voraussetzungen dafür wurden schon bei früheren Arbeiten im Damm mit getroffen und dort Leerrohre verlegt, durch die 2010 die Elektrokabel gezogen werden konnten.

Im Zuge der Erneuerung der Technik im Turm wurde zugleich der 15 Meter lange Steg, der vom Festland zum Gebäude führt, komplett erneuert. Der alte Steg, aus Beton errichtet, wies an mehreren Stellen Risse auf. Von all den Arbeiten bekamen die meisten Besucher der Talsperre kaum etwas mit: Strandbad, Bootsverleih, Campingplatz und Autokino befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite der Talsperre.

Im Juli 2011 wurde das Projekt nach zweijähriger Bauzeit abgeschlossen. Die Kosten betrugen 1 Million Euro.

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