Verein bringt alte Technik zum Laufen

Die Sammlung zur Industrieentwicklung in der ehemaligen Tuchfabrik "Otto Ullrich" an der August-Bebel-Straße ist um eine Attraktion reicher. Dabei handelt es sich um eine Rarität.

Werdau.

Bis zur letzten Sekunde haben Uwe Reinhold und seine Mitstreiter vom Verein Industrieentwicklung & Genealogie gebangt, ob ihr technisches Experiment auch gelingt. Es hat funktioniert. Die Truppe um den Besitzer der alten Tuchfabrik "Otto Ullrich" an der August-Bebel-Straße in Werdau hat einen alten Kompressor mit Hilfe eines Motors wieder zum Laufen gebracht und das Ganze mit einem Anlasser und einem Schaltschrank kombiniert. Die Besonderheit daran: Die einzelnen Bestandteile stammen von verschiedenen Firmen und wurden zu einer Einheit montiert. Dabei war unklar, ob der Motor am Ende auch dem Kompressor in Gang setzt oder den Bastlern die ganzen Teile im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren fliegen.

Herzstück der historischen Anlage ist ein Kompressor. Dieser wurde 1913 in den Chemnitzer Hartmann-Werken gebaut. Wo der Kompressor, auch Verdichter genannt, ursprünglich seine Dienste verrichtete, ist unbekannt. Aufbewahrt wurde er zuletzt an der Technischen Hochschule in Chemnitz. Seit 2011 gehört der Koloss dem Werdauer Museum. Die Einrichtung hat das Teil Uwe Reinhold überlassen, um dieses zu restaurieren und für die Nachwelt zu erhalten. Seit 2015 hat der Kompressor seinen Standort in der alten Tuchfabrik. Genau solange besteht auch der Wunsch des Hobbyhistorikers, der sich seit einigen Jahren mit dem Aufbau einer Sammlung zur Geschichte der Industrialisierung in der Tuchfabrik für museale Zwecke beschäftigt, den Kompressor auch wieder zum Laufen zu bringen.


Doch wie? Fündig wurde Uwe Reinhold wiederum im Werdauer Museum. Das besaß einen alten Elektro-Schleifringläufer-Motor, der im Fundus des Hauses schlummert. Auch das gute Teil wurde 2015 in die Tuchfabrik umgesetzt und sollte den Kompressor zum Laufen bringen. Zum Motor gehört ein Anlasser. Der fehlte in der Sammlung. Beschafft wurde das Teil in Museum Kraftwerk Hirschfelde, das sich Auflösung befand. Von dort stammt ebenso ein alter Schaltschrank, mit dem das Vorhaben komplettiert wurde. Die Herausforderung für Uwe Reinhold und seine Mitstreiter: Die Teile so zu kombinieren, dass sie von der Leistung her auch eine Einheit bilden. Klingt einfach, ist es aber nicht. "Es gab dafür keine Bauanleitung oder gar historische Unterlagen. Das Ganze war mit einem erheblichen Risiko verbunden", blickt Uwe Reinhold zurück.

Der erste Probelauf holte die Männer auf den Boden der Realität zurück. "Der Anlasser fing kurz nach der Inbetriebnahme an zu qualmen, sodass wir das Experiment ganz schnell wieder abbrechen mussten." Das Trio, bestehend aus Marcus Stapel, Daniel Baar und Uwe Reinhold, drehten noch einmal an den Schrauben, griff erneut zur Ölkanne, zogen den Keilriemen straffer und wagte einen zweiten Versuch. Langsam wurde die Stromzufuhr erhöht, bis der Motor zu rotieren begann und den Kompressor in Bewegung versetzte. Ihr neues Schmuckstück in der technischen Sammlung, zu der unter anderem auch die alte Dampfmaschine aus der ehemaligen Geidel-Brauerein (später Feldschlösschen-Brauerei) und eine historische Schlosserei gehören, zu bestimmten Anlässen wie dem Museums- oder Denkmalstag der Öffentlichkeit präsentieren.

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