Was ist vom Eishockey-Boom geblieben?

Sponsoren stellen mehr Geld zur Verfügung. Im Nachwuchsbereich gibt es Zulauf. Ein Jahr, nachdem die deutsche Nationalmannschaft bei Olympia die Silbermedaille gewonnen hat, gibt es aber auch Probleme. Eine Bestandsaufnahme.

Crimmitschau.

Für eine riesige Begeisterung hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft vor zwölf Monaten gesorgt. Sie schaffte bei den Olympischen Winterspielen in der Region Pyeongchang (Südkorea) erstmals den Einzug ins Endspiel. Dort verlor die Auswahl, zu der mit Stürmer David Wolf auch ein Ex-Crimmitschauer gehörte, am 25. Februar 2018 gegen die Sbornaja aus Russland das Finale erst in der Verlängerung. Was ist von der Euphorie rund um Olympia-Silber in Westsachsen hängengeblieben?

Sponsoren: Der Eishockey-Zweitligist Eispiraten Crimmitschau wird von rund 170 Unternehmen finanziell unterstützt. Sie stellen in der Saison 2018/19 einen Betrag von fast 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Das entspricht einem Zuwachs zwischen 150.000 und 200.000 Euro im Vergleich zur Serie 2017/18. Die Frage, ob Olympia-Silber einen Beitrag zur positiven Entwicklung geleistet hat, vermag Eispiraten-Geschäftsführer Jörg Buschmann nicht abschließend zu beantworten: "Für uns als kleineren Standort ist die Tragweite nur schwer messbar, dennoch freuen wir uns über die positive Werbung durch die Nationalmannschaft für unseren Sport."

Zuschauer: In der aktuellen Saison strömten bisher 49.334 Zuschauer zu den Heimspielen in das Kunsteisstadion im Sahnpark. Das entspricht einem Schnitt von 2056 Besuchern pro Heimspiel. Allerdings stehen noch zwei attraktive Partien gegen Bayreuth und Frankfurt (Main) aus. Zum Vergleich: In der Saison 2017/18 kamen durchschnittlich 2169 Zuschauer zu den Hauptrunden-Partien. "Die Zuschauerzahlen sind vor allem abhängig vom Erfolg unserer Mannschaft", sagt Jörg Buschmann.

Medienpräsenz: Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat seine Berichterstattung über die sächsischen Zweitligisten aus Crimmitschau, Dresden und Weißwasser in den vergangenen Monaten ausgebaut. "Da gab es deutlich mehr Sendezeit", freut sich Eispiraten-Medienchef Aaron Frieß. René Rudorisch, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2), fordert in Bezug auf die mediale Präsenz generell ein Umdenken in der TV-Landschaft. "Da bedarf es generell eines Umdenkens in der TV-Landschaft und sicher auch gemeinsamer Gespräche der Sportarten neben dem Fußball mit den Medienanstalten", erklärt Rudorisch.

Nachwuchs: "Der Erfolg bei Olympia kam unverhofft und hat eine Euphorie ausgelöst", sagt Thomas Helbig, Leiter der Geschäftsstelle des ETC Crimmitschau. Die neuen Anmeldungen in der Eishockey-Nachwuchsabteilung seien vor allem auf den durchgeführten Schnupperkurs zurückzuführen. 53 Mädchen und Jungen wurden seit August 2018 neu im Verein angemeldet. Die meisten sind zwischen vier und sieben Jahre alt. Allerdings stoßen die Puckjäger im Kunsteisstadion im Sahnpark an ihre Grenzen: Sie benötigen eine wöchentliche Trainingszeit von 32 Stunden auf dem Eis. Aktuell stehen laut Verein nur 21 Stunden pro Woche zur Verfügung.


"Aus meiner Sicht fehlt es an der Wertschätzung für unsere Sportart. Es hat sich nichts geändert."

David Wolf (29), der zwischen 2007 und 2009 in Crimmitschau gespielt hat, gehörte zum deutschen Olympia-Team. Holger Frenzel sprach mit ihm.

Freie Presse: Sie haben vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang die Silbermedaille gewonnen. Was hat sich seitdem für Sie persönlich und im deutschen Eishockey geändert?

David Wolf: Wir sind - im Großen und Ganzen - schnell wieder im Alltag gelandet. Die Mannschaft hat Geschichte geschrieben, wir hielten nach dem Turnier eine Medaille in den Händen. Der Hype, den es nach den Olympischen Spielen gab, war schnell vorbei. Deshalb muss man - mit etwas Abstand - feststellen, dass sich für Eishockey als Sportart nichts geändert hat. Aus meiner Sicht fehlt es an der Wertschätzung.

Sie spielen mit den Adlern Mannheim in der Deutschen Eishockey- Liga (DEL). Welche Ziele gibt es in der aktuellen Saison?

Die Mannschaft hat eine gute Entwicklung genommen. Das wollen wir in den nächsten Wochen fortsetzen und in der bestmöglichen Form in die Play-offs starten.

Sie haben zwischen 2007 und 2009 die ersten Schritte als Eishockey-Profi in Crimmitschau gemacht. Wie wichtig waren die Erfahrungen in Westsachsen für Ihre weitere Entwicklung bis hin zum Nationalspieler?

Damals war es für junge Leute schwer, den Fuß bei den Profis reinzubekommen. Mit etwas Abstand kann man sagen: Die Entscheidung zu einem Team, das nicht ganz vorn mitspielt, zu gehen, war absolut richtig. Ich habe viel Eiszeit bekommen, musste Verantwortung übernehmen. Ich werde die zwei Jahre in Crimmitschau nicht vergessen, bin dem Eishockey-Standort bis heute für die Chance dankbar.

An welche Details aus der Zeit in Crimmitschau können Sie sich bis heute erinnern?

An den Italiener und den Dönerladen. Da waren wir fast täglich (lacht). Wir hatten in der Saison 2007/08 eine tolle Mannschaft, die im Viertelfinale gegen Kassel gespielt hat. Die Hütte war immer voll. Christian Grosch machte in einem Spiel mal fünf Buden. Das vergisst man nicht. Im Team waren viele Singles, deshalb haben wir viel Zeit neben dem Eis zusammen verbracht.

Wie verfolgen Sie noch die Entwicklung in Crimmitschau, gibt es noch Kontakt?

Nein. Auch der Kontakt mit ehemaligen Teamkollegen ist selten geworden. Die Einladung von Christian Grosch zu seinem Abschiedsspiel konnte ich nicht annehmen. Mit Florian Vollmer wird gelegentlich mal telefoniert.

Ihr Vater Manfred Wolf ist in Oberlungwitz zu Hause. Wann bleibt wieder mal Zeit für einen Besuch in Westsachsen?

Das weiß ich noch nicht. Der Zeitplan ist straff. Die Vorbereitung beginnt im August. Die Saison läuft - durch die Nationalmannschaft - bis Mai. Die Pause wird für die Familie genutzt. Zudem muss ich mich um ein Café, das ich eröffnet habe, kümmern.

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