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Ein Drama um Liebe, Eifersucht und Tod: Ho-Yoon Chung als Gustavo (Mitte) und Herren des Opernchores in Verdis "Maskenball".

Foto: Kirsten Nijhof/Theater

Der tödliche Tanz der Masken

Verdis Oper "Ein Maskenball" gerät in der Chemnitzer Inszenierung zum dramatischen Reigen aus Liebe, Politik und Eifersucht und glänzt mit starken Frauenrollen. Zudem hat der Dirigent seine Feuerprobe bestanden.

Von Sarah Hofmann
erschienen am 03.12.2017

Chemnitz. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Gäste im gut gefüllten Chemnitzer Opernhaus am Samstag besonders gespannt auf die ersten Takte von Verdis "Ein Maskenball - Un Ballo in Maschera" warteten. Grund war nicht nur die beliebte Oper rund um die Liebe und den Tod des schwedischen Königs Gustav III., Grund war auch Guillermo García Calvo. Der neue Generalmusikdirektor der Theater Chemnitz und der Robert-Schumann-Philharmonie trat erstmals mit einer eigenen Opern-Produktion im neuen Wirkungsort auf. Und die Messlatte hing hoch. Hat doch sein Vorgänger Frank Beermann große Fußstapfen hinterlassen. Doch auch Calvos Auftakt lässt Großes ahnen.

Im "Maskenball" präsentierte er schon in den ersten Minuten seine ganz eigene Handschrift. Musikalisch setzte er auf Reduktion, auf ein sachtes Herantasten an den großen Stoff, auf die leisen Töne. Dabei platzierte er Pausen gekonnt und gab einzelnen Instrumenten Raum zur Präsentation. Verdis Melodien versetzte die Robert-Schumann-Philharmonie mit Leichtigkeit und setzte damit sowohl Kontraste als auch stimmige Ergänzungen zum tragischen Bühnengeschehen. Auch in der Inszenierung von Arila Siegert war von dem Pomp und Prunk, die der Titel und der Opernstoff versprechen, nichts zu sehen. Das variable Bühnenbild des Architekten Hans Dieter Schaal fügte sich aus Betonwänden zusammen und schuf eine bedrohliche und gefängnisartige Kulisse. Ein geschickter Zug, denn so ließ sich das Geschehen nicht mehr allein in der Vergangenheit verorten, sondern hätte genauso gut in Nordkorea oder anderen heutigen autoritären Regimen stattfinden können, in denen sich Höflinge um einen Alleinherrscher scharen. Die Wahl, die Hauptrolle des Gustavo III. mit Ho-Yoon Chung, einem gebürtigen Koreaner, zu besetzen, verstärkt die Assoziationen. Ein Gewinn. Denn eine westlich geprägte Rolle an einen asiatischen Sänger zu geben, verleiht dem Stück eine globale Ebene.

Die Glanzlichter, die die Inszenierung zum großen Erlebnis machten, waren aber drei sehr starke Frauen. Allen voran Maraike Schröter, die als Amelia Angelpunkt eines Liebesdreiecks wird und mit glasklarer Stimme ihrer Rolle, die symptomatisch für die Frau an sich, für die Mutter, die Geliebte, aber auch für das Objekt der Sehnsucht steht, Tiefe verleiht, die unter die Haut geht. Auch Alexandra Ionis als teufelsanbetende Wahrsagerin Ulrica sorgt für Gänsehautmomente. Mit rauchig tiefer Stimme zeugt sie von der Macht der Frauen, erzählt vom Schicksal und weiß sich gegen die dekadente lärmende Höflingswelt mit düsterer Würde zu behaupten. Dritte Dame im Bunde ist Silvia Micu, die den Pagen Oscar spielt. Mit tänzelnder Leichtigkeit singt und spielt sie die Narrenfigur, die das Geschehen vorantreibt und dabei Goldstaub aufwirbelt. Die Herren im Ensemble müssen sich mächtig anstrengen, um mit den Damen musikalisch Schritt halten zu können. Zumal der Chor im "Maskenball" geradezu zum Star avanciert. Inhaltlich bietet er den Hauptrollen einen Reflexionsrahmen, musikalisch ziehen die Damen und Herren sämtliche Register und zeigen sich auch in Spiel und Tanz mitreißend. Bei diesem starken Ensemble ist auch dem Hauptdarsteller Ho-Yoon Chung das leichte Straucheln am Anfang zu verzeihen. Während er sich zum Ende hin souverän durch sämtliche Bögen, Partituren und Duette sang, so zeigte er im ersten Akt einige Schwächen, geriet ins Falsett.

Und doch war der Applaus am Ende tosend. Die Inszenierung gefiel. Auch Guillermo García Calvo wurde gebührend honoriert. Denn ihm ist zu verdanken, dass die Chemnitzer Inszenierung von "Ein Maskenball" zu einem musikalischen Genuss geworden ist. Die Oper weckt die Neugier auf weitere musikalische, von Calvo interpretierte Klassiker.

Das Stück

In der Oper "Ein Maskenball" lässt sich König Gustavo III. von seinem Hof feiern. Er liebt Amelia, die Gemahlin seines besten Freundes Renato. Von eben dessen Hand wird der König sterben, prophezeit ihm die Wahrsagerin Ulrica. Die Liebelei zwischen Gustavo und Amelia kommt ans Licht, auf dem titelgebenden Maskenball überschlagen sich die Ereignisse.

Die nächsten Aufführungen sind am 8. und 15. Dezember um 19 Uhr in der Oper Chemnitz zu sehen. Tickethotline: 0371 4000430.

www.theater-chemnitz.de

 
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