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Vor Fahrtantritt sollten Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel messen.

Foto: Monkey Business Images

Autofahren trotz Diabetes?

Rund sechs Millionen Deutsche leiden an Diabetes. Ein Großteil davon nutzt privat oder beruflich ein Fahrzeug. Doch ist das mit der Krankheit überhaupt erlaubt? Das Annaberger Erzgebirgsklinikum will aufklären. Und eine neue Leitlinie hält für Betroffene Überraschendes bereit.

Von Denise Märkisch
erschienen am 13.06.2018

Annaberg-Buchholz. Ein Führerschein und ein eigenes Auto gehören für die meisten Menschen zum Leben einfach dazu. Vor allem im ländlichen Raum wäre der Alltag ohne diese Voraussetzungen für viele nur schwer zu meistern. Gerade für den Beruf muss man mobil sein, gegebenenfalls zur Arbeitsstelle pendeln. Was ist aber, wenn man an Diabetes erkrankt? Darf der Betroffene dann weiterhin Auto fahren oder muss er aufgrund von Gefahren für sich und die übrigen Verkehrsteilnehmer auf den Bus und andere öffentliche Verkehrsmittel umsteigen?

Mit diesen Fragen hat sich die jüngste Gesundheitsakademie des Erzgebirgsklinikums Annaberg (EKA) befasst. In der Veranstaltungsreihe werden regelmäßig medizinische Themen für Patienten und medizinisches Personal erläutert. Diesmal war Dr. Konstanze Graubner, Stationsärztin in der Klinik für Innere Medizin I des EKA, an der Reihe. Ihr Thema: Diabetes und Straßenverkehr.

Etwa ein Drittel bis 40 Prozent der Patienten des Erzgebirgsklinikums haben Diabetes, erklärte Thomas Scholz, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und operative Intensivtherapie. Tendenz steigend, so der Mediziner. Allerdings gab es bisher kaum wissenschaftlich fundierte Grundlagen, auf denen Ärzte ihren Patienten entweder davon abraten mussten, das Autofahren aufzugeben, oder es ihnen ruhigen Gewissens weiter zu erlauben, ergänzte Konstanze Graubner. Das habe sich aber Ende vergangenen Jahres geändert. Zu diesem Zeitpunkt gab die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine Leitlinie heraus, die sich explizit dem Thema Diabetes und Straßenverkehr widmet. "Jetzt gibt es mehr Sicherheit für die Ärzte und Patienten", so die Medizinerin.

Und Graubner schickte gleich eine gute Nachricht voraus: "Die Mehrheit der Patienten erfüllt die Voraussetzungen zum Fahren." Das treffe sogar auf Berufskraftfahrer zu. Doch Diabetes berge Gefahren. So sollte vor Fahrtantritt beispielsweise sichergestellt werden, dass die Blutglukose nicht zu niedrig ist. So könne die Wahrscheinlichkeit reduziert werden, dass der Blutglukosespiegel während der Fahrt in einen hypoglykämischen (unterzuckerten) Bereich absinkt. Die Leitlinie nennt sogar einen Richtwert: 90 Milligramm pro Deziliter. Liegt der Wert darunter, sollten entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden - zum Beispiel Traubenzucker lutschen oder Cola trinken. Nach etwa 20 Minuten kann die Fahrt dann angetreten werden. "Bei längeren Fahrten sollten Patienten alle drei Stunden ihren Blutzuckerspiegel erneut kontrollieren", so Konstanze Graubner.

Um langfristig fahrtauglich zu bleiben, sollten Diabetiker mit ihrem Arzt über bestimmte Therapien und Maßnahmen sprechen. Hilfreich seien unter anderem ein kontinuierliches Glukosemonitoring, der Einsatz einer Insulinpumpe - vor allem dann, wenn Unterzuckerungen nicht mehr wahrgenommen werden - oder gegebenenfalls ein Wahrnehmungstraining für Unterzuckerung. Außerdem rät die Medizinerin, immer ein Blutzuckermessgerät im Auto zu haben und eine Art Protokoll zu führen. Für Berufskraftfahrer sind die Auflagen etwas höher. So muss in diesen Fällen ein Gutachter bestätigen, dass die Fahreignung gegeben ist.

Fazit: Gut eingestellte Patienten, die in den vergangenen zwölf Monaten keine schwere Unterzuckerung hatten, bei der sie auf die Hilfe anderer angewiesen waren, können prinzipiell weiterhin das Auto nutzen. Auch das Thema Überzuckerung sowie Folge- beziehungsweise Begleiterkrankungen wie Sehstörungen, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten dabei im Blick behalten werden.

 
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