"Bauer sucht Frau": Gerhard will es noch mal wissen

Mit über 70 auf Brautschau, und dann noch im Fernsehen? Das sorgt für Gesprächsstoff, nicht nur in Königswalde. Gerhard Bräuer kann damit leben - er findet die ganze Aufregung amüsant.

Königswalde.

Eigentlich hatte ich mir den Termin bei einem Prominenten etwas komplizierter vorgestellt. Aber Gerhard Bräuer ist entspannt: "Komm am Vormittag einfach vorbei, ich bin da", sagt der Königswalder am Telefon. Als ich dann in die Küche des alten Bauernhauses eintrete, liegt Bräuer auf dem Sofa und liest gerade die "Freie Presse". Im Küchenherd prasselt das Feuer, und vor dem Fenster tanzen die ersten Flocken des herannahenden Winters. Bräuer ist Bauer und sucht eine Frau. So ist er zumindest Millionen von Fernsehzuschauern aus der gleichnamigen Sendung auf RTL bekannt. Dort kann man den 76-jährigen Königswalder als "Gerhard aus dem Erzgebirge" sehen. Seit der ersten Ausstrahlung ist Bräuer Dorfgespräch. Dabei ist bekannt, dass er nicht dem Typ des einsam und zurückgezogen lebenden Einzelgängers entspricht. Bräuer sitzt im Gemeinderat, singt im Männerchor, ist Ausbilder im Reitsportverein und genießt auch sonst das Leben. Was andere von ihm halten, darum hat er sich schon immer wenig geschert. Ob als Privatbauer, der sich zu DDR-Zeiten weigerte, in die LPG einzutreten oder als Vater von acht Kindern von mehreren Frauen. Bräuer ist, obwohl tiefgläubiger Christ, ein ziemlich unabhängiger Geist.

Dazu passt auch sein jüngster Coup. "Obwohl das nicht auf meinem Mist gewachsen ist", wie er betont. Denn die Bewerbung für die Sendung "Bauer sucht Frau" hatte sein Neffe heimlich bei RTL eingereicht. Als dann das Fernsehteam bei Bräuer auf der Matte stand, war das Ergebnis ziemlich schnell klar. "Du bist dabei, haben die gesagt, und dann hab ich eben mitgemacht", erinnert sich der rüstige Senior. "Ich hab doch nichts zu verlieren", sagt Bräuer, der trotz seiner 76 Jahre leicht als Mittfünfziger durchgehen könnte. Offenbar halten ihn das Landleben und die tägliche Bewegung auf seinem Bauernhof fit.

Die Reaktionen nach den ersten Sendungen seien meist positiv gewesen, sagt Gerhard. "Es gab zwar manche, die gesagt haben, Du machst dich lächerlich. Aber das ist mir egal." Jedenfalls sei die Sendung in Königswalde ein ziemlicher Straßenfeger. Auch seine Kinder finden es gut, dass ihr Vater bei "Bauer sucht Frau" mitmacht. "Mein Größter hat sogar gesagt, dass er stolz auf mich ist", lacht Gerhard.

Dass er bei der Sendung die Frau fürs Leben findet, diese Hoffnung hatte der Biobauer nie. "Ich sehe das ja eher als Gaudi, wobei ich nichts dagegen hätte, wenn ich meine Traumfrau kennengelernt hätte." Doch Nicole, die er sich beim RTL-Hoffest ausgesucht hatte, ist es wohl nicht. Die Dolmetscherin aus Köln verbrachte eine ganze Woche in Gerhards rustikalem Haus aus dem 19. Jahrhundert. Kulturschock beschreibt den Vorgang wohl nur ungenügend. Die 52-Jährige tauschte ihre Schühchen aus Marokko gegen Gummistiefel und musste raus auf den Kartoffelacker, aufs Pferd, auf den Traktor. Sie rupfte Unkraut und lernte, das echte Bauernleben sieht anders aus als in der "Landlust". In jener Woche habe er Nicole ein wenig geprüft und gemerkt, dass sie arbeiten könne und nicht etepetete sei. Aber: "Ich suche eine fürs Herz und nicht für die Arbeit", erklärt der Landwirt auf Freiersfüßen. So richtig gefunkt hat es nicht. Zu unterschiedlich waren die beiden.

Trotzdem habe es Nicole im Erzgebirge gefallen. Vor allem von den Leuten sei sie begeistert gewesen. Dazu passt, dass sie bei einem Bummel durch Annaberger Geschäfte als "Bauer-sucht-Frau-Kandidatin" erkannt worden sei. "Das war ein Hallo, Nicole hat sogar in zwei Läden ein kleines Geschenk bekommen", sagt Bauer Gerhard. Die Gegeneinladung nach Köln schlug er aus. "Was will ich in so einer Stadt? Ich bin ein Dorfmensch", sagt der Königswalder. Das Weiteste in seinem Leben seien eine Reise an die Ostsee oder an den Balaton gewesen. Im Erzgebirge fühle er sich am wohlsten. Mit Nicole will er aber weiterhin freundschaftlich verbunden bleiben. Die Teilnahme an der TV-Sendung bereut er keine Sekunde. "Vor allem für junge Bauern ist die Sendung optimal", lautet Bräuers Einschätzung. Obwohl - das gelte nicht nur für junge. Auch für ältere wie ihn sei das ideal, jemanden neues kennenzulernen. "Nicht, dass Du schreibst, ich hätte gar kein Interesse." Nein mach ich nicht, versprochen!

"Bauer sucht Frau" läuft montags 21.15 Uhr auf RTL.

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