Besondere Therapie macht Sten immer beweglicher

Der kleine Oberwiesenthaler kommt seit Jahren ins Sozialpädiatrische Zentrum in Chemnitz. Spielerisch lernt er dort unter anderem, seinen linken Arm zu benutzen und die Beine nicht zu überkreuzen. Und die Anstrengungen sind nicht umsonst.

Chemnitz/Oberwiesenthal.

Juliane Rohn sitzt mit Sten auf einer Matte. Es ist früh am Morgen und der Fünfjährige ist noch etwas müde. Auf der Fahrt von Oberwiesenthal ins Sozialpädiatrische Zentrum in Chemnitz hat er noch etwas geschlafen, erzählt seine Mutter Mandy Korb. Doch es nützt alles nichts. Wenn Frau Rohn auftaucht, wird trainiert, das weiß der kleine Junge.

Als er zwei Jahre alt war, kam er das erste Mal hierher. Das Zentrum im Stadtteil Markersdorf war eine Empfehlung der Kinderklinik in Chemnitz. Dort findet die Familie Orthopäden, Neurologen, Logopäden, Beratung für rechtliche Angelegenheiten ... und eben auch die Physiotherapie. Anfangs war Sten, der nach einer Frühgeburt unter anderem eine Hirnblutung erlitt und seitdem an den Folgen leidet, einmal in der Woche hier. Mittlerweile kommt er einmal im Monat.

Nun sitzt der Fünfjährige also wieder auf der Matte. Hinter ihm ist ein kleiner Kaufmannsladen aufgebaut. Kleine Kuscheltiere sehen aus wie Obst und Gemüse. Juliane Rohn erklärt, dass sie das sogenannte Bobath-Konzept anwendet. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Krankengymnastik. Sten übt das Stehen, macht einen Schritt zur Seite, wird animiert, auch seinen linken Arm zu benutzen, den er nur schwer einsetzen kann. Mit geübten Griffen versucht Juliane Rohn zudem, die Verkrampfungen in Stens Muskeln zu lockern. Da er eigentlich so gut wie immer krampft, sind seine Beine oft gekreuzt. Die Physiotherapeutin, die sich auf Kinder spezialisiert hat, löst den "Knoten", wie sie es nennt. Mandy Korb ist immer mit dabei. "Das ist sehr wichtig, damit ich es zu Hause auch nachmachen kann", sagt sie. Ohnehin sei der Ansatz im Sozialpädiatrischen Zentrum sehr gut. "Hier herrscht ein ganz anderes Klima als in einer Klinik." Die Therapeuten nehmen sich Zeit, die Zimmer und Flure sind gemütlich und kindgerecht. Fast wirkt es, als ob man in eine Kita kommt und nicht in ein Therapiezentrum. "Für Sten war es hier noch nie hektisch", so Mandy Korb.

In den Jahren, die Sten nun schon regelmäßig hier Bewegungsabläufe trainiert, hat sich viel getan. Mithilfe des Bobath-Konzepts hat er gelernt, sich fortzubewegen. Das geht zwar nur kriechend, denn laufen kann Sten nicht, doch eine gewisse Mobilität ermöglicht das trotzdem. Und wenn der kleine Oberwiesenthaler fleißig geübt hat, folgt die Belohnung: das große Bällebad. Der fast blinde Junge liebt die Geräusche, wühlt sich durch die Plastikbälle und wirft sie durch den Raum. Und dabei greift er wie von ganz allein sogar mit seiner linken Hand zu. Therapie muss ja nicht immer etwas mit bewusster Arbeit zu tun haben.

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