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Helmut Brückner arbeitet seit Jahren an einem mehrbändigen Werk über die Geschichte von Geyersdorf und die Menschen des Orts, zum Jubiläum forschte er allerdings zu den Geyersdorfer Stadtprivilegien.

Foto: Sebastian Paul

Braurecht dank Berggeschrei

Der Autor und Heimatforscher Helmut Brückner gräbt zum Jubiläum tief in der Ortsgeschichte. In seinem neuen Buch erklärt er, was Geyersdorf zu einem merkwürdigen Ort macht.

Von Sarah Hofmann
erschienen am 13.06.2018

Annaberg-Buchholz. Geyersdorf ist ein merkwürdiger Ort. Und das schon seit Jahrhunderten. Mit diesem Attribut wurde der heutige Ortsteil von Annaberg-Buchholz schon im Jahr 1816 in einem Ortslexikon versehen. Und zwar nicht etwa, weil es sich bei den Geyersdorfern um seltsame Menschen handelt. Auch nicht weil die Geyersdorfer im Jahr 1987 ihre 800-Jahr-Feier, 1997 ihre 600-Jahr-Feier und 2018 ihre 550-Jahr-Feier feiern. Nein, der Grund für das Attribut ist die Tatsache, dass der Ort über Jahrhunderte hinweg Stadtprivilegien genoss, ohne sich je wirklich zur Stadt zu mausern.

So durfte ab dem Jahr 1468 etwa in jedem Haus Bier gebraut werden und am Freitag gab es einen Wochenmarkt. Der Grund für die zahlreichen Rechte der Geyersdorfer? Das Bergwerkswesen. Die Kurfürsten Ernst und Herzog Albrecht wollten mehr Bergleute in die Region locken. Sie vergaben die Privilegien quasi als Wirtschaftsförderung. Herausgefunden hat das der Hobby-Historiker und Schriftsteller Helmut Brückner. Der bekam nämlich vom Ortsvorsteher Thomas Siegel den Auftrag, die Geschichte des Geyersdorfer Stadtrechts zu erforschen. "Ich bin in die Archive gegangen und fand viel mehr als ich erwartet habe", sagt Brückner.

Heraus kam das Buch "Die vergessene Stadt", das im Rahmen des Jubiläums "550 Jahre Stadtrecht Geyersdorf" publiziert wird. Helmut Brückner stellte das Buch am Montagabend im ehemaligen Rathaus von Geyersdorf erstmals vor. Inhaltlich geht er in seinem Werk bis zur Gründung von Geyersdorf zurück, greift Theorien zur Namensherkunft auf, wertet historische Quellen aus und entlarvt den ein oder anderen Fehler früherer Geschichtsschreiber. Sogar dem berühmten Annaberger Chronisten Paulus Jenisius weist er Fehler nach. Dieser schrieb die Vergabe der Stadtprivilegien nämlich nicht den Kurfürsten Ernst und Herzog Albert zu, sondern deren Vater, Kurfürst Friedrich des Sanftmütigen. Dieser verstarb jedoch schon 1464, vier Jahre vor der Vergabe der Privilegien.

Neben der ausführlichen Quellenanalyse kommt Helmut Brückner aber auch ins Erzählen und lässt regionale Geschichte zum Leben erwachen. Etwa, wenn er vom alten Clinch mit den Annabergern erzählt. Diesen war nämlich laut Brückner die Privilegien der Geyersdorfer über drei Jahrhunderte hinweg ein Dorn im Auge. Durch Intrigen versuchten sie ihnen die Rechte madig zu machen. Einen Anlass dafür gab es, als Geyersdorf dreist wurde.

Die findigen Bewohner ließen sich ihre Privilegien nämlich nicht nur von insgesamt zwölf sächsischen Fürsten nach dem jeweiligen Amtsantritt in Brief und Siegel setzen, sondern arbeiteten auch mit Fichelanz an deren Ausweitung. Wie Helmut Brückner herausfand, wollten die Geyersdorfer einem Fürsten nicht nur das Marktrecht, sondern auch ein Jahrmarktsrecht zur Unterzeichnung vorlegen. Das brachte jedoch die Annaberger auf die Barrikaden. Sie intrigierten und ließen ihre Verbindungen zum Dresdner Hof spielen. Das Ergebnis: Den Geyersdorfern wurden die üblichen Privilegien erneut zuerkannt, ein Jahrmarktsrecht konnten sie allerdings nicht durchsetzen.

Aberkannt wurden die Privilegien den Geyersdorfern übrigens nie. "Es ist ganz einfach eingeschlafen", sagt Brückner, der den Niedergang der Privilegien ab dem 18. Jahrhundert verortet. Wie es genau zustande kam, und was es mit den verschiedenen Ortsjubiläen auf sich hat, erklärt er in seinem Buch.

Die Auflage von "Die vergessene Stadt" ist übrigens auf 80 Exemplare limitiert. Einige der Bücher wurden schon zur Buchvorstellung an die Frau und an den Mann gebracht, die restlichen Bücher werden im Rahmen des Ortsjubiläums verkauft. Dieses wird als Festwochenende vom 24. bis 26. August gefeiert.

 
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