Der Traum vom kanadischen Blockhaus

In Übersee haben die beiden ihr Rüstzeug erworben. Doch im Erzgebirge kam dann erst einmal die große Ernüchterung.

GEHRINGSWALDE.

Eine Feuerstelle gibt es auf dem Grundstück in Gehringswalde schon. Auch an Holz mangelt es nicht. Wenn Anne Hofmann und Christian Schüller am offenen Feuer sitzen und den Flammen bei ihrem Spiel zuschauen, dann liegt ein arbeitsreicher Tag hinter den jungen Leuten. Ein Tag, an dem gleich nebenan ihr Blockhaus wieder ein Stück gewachsen ist.

Kein ganz normales Zuhause wird es sein, das sich die Gehringswalder auf dem 2700 Quadratmeter großen Grundstück bauen. Anne Hofmanns Eltern haben es ihnen überschrieben. Bis zu 15 Meter lang sind die 73 Fichtenholzstämme, die übereinander geschichtet die Hauswände markieren und aus dem Marienberger Revier des Sachsenforstes stammen. Mit geübtem Blick hat sie der gelernte Förster ausgesucht. "Keine ganz einfache Aufgabe", gibt der 32-Jährige zu. Nicht selten zählen sie bis zu 120 Jahresringe. Das sei nötig, um den erforderlichen Stammdurchmesser von mindestens 45 Zentimetern zu erreichen, den ihr Blockhaus im Erzgebirge benötigt.

"Wir erfüllen uns einen Lebenstraum", sagt Anne Hofmann und legt noch ein Holz auf. "Work and Travel" - also Arbeiten und Reisen - stand auf dem Besuchervisum, das sie für ein Jahr an die Westküste Kanadas führte. Das Reisen hielt sich in Grenzen. Dafür hat Christian Schüller in dieser Zeit hart gearbeitet. In einer Firma, die ausschließlich die für den Kontinent typischen Holzblockhäuser herstellt und errichtet, hat der gebürtige Thüringer die uralte Technik gelernt, weiß, wie die Stämme mit dem Hochdruckreiniger entrindet und so bearbeitet werden, dass sie für ein Leben lang fest übereinander liegen. Zwischen den Hölzern sorgen Hanf und Isolierband für Wärmeschutz. "Eine Verbindung zwischen den einzelnen Baumriesen gibt es nicht", räumt Christian Schüller ein und gibt zu, dass auch für ihn diese Bauweise anfangs gewöhnungsbedürftig war. "Lediglich das Gewicht der Stämme von bis zu 2,5 Tonnen sichert die nötige Statik."

Als sie vor vier Jahren aus Kanada zurück ihren Traum in Gehringswalde verwirklichen wollten, kam die große Ernüchterung. Ihr Gartenland befand sich im Außenbereich der Gemeinde, war nicht als Baugrund ausgewiesen. "Wollen junge Leute bauen, dann findet sich dafür auch ein Weg", habe ihnen der Wolkensteiner Bürgermeister Wolfram Liebing damals Mut gemacht und den Kontakt zu einem Ingenieurbüro vermittelt, das nicht nur über entsprechende Erfahrungen im Naturblockhausbau verfügte und das Vorhaben begleitet, sondern auch mit Erfolg eine Änderungssatzung in Auftrag gab, die ihr Anwesen zum Bebauungsgebiet qualifizierte.

Seitdem ist aus dem Förster ein Zimmermann auf Zeit geworden. "Lediglich für die Kranarbeiten habe ich mir Unterstützung holen müssen." Der Rohbau steht inzwischen, und in der kalten Jahreszeit kann der Innenausbau erfolgen. Die Giebelfronten sollen, bis zum Fußboden verglast, für viel Licht sorgen. Die Zwischenwände entstehen aus Lehmziegeln und ergänzen das gesunde Raumklima des Holzes auf 125 Quadratmetern Wohnfläche. Die Holzstämme behalten auch im Innenbereich ihre ursprüngliche Form, werden lasiert und mit Natur- öl behandelt. Ein großer Ofen heizt ihr Haus mit Holz.

In regelmäßigen Abständen dreht Christian Schüller an einer großen Eisenspindel, die das Naturholzhaus in seiner Mitte trägt. Die Justierung sei notwendig, bis sich das Holz gesenkt habe und verhindere Spannungen in der Statik. "Bis zu 50 Zentimeter Absenkung sind keine Seltenheit." Nächsten Sommer wollen Anne Hofmann und Christian Schüller nach reichlich einem Jahr Bauzeit in ihr Traumhaus aus 150 Festmetern Fichtenholz einziehen.

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