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Erstmals öffentlich zu sehen: Christel Bodenstein als "Der kleine Prinz" in der gleichnamigen Defa-Verfilmung.

Foto: Georg Ulrich Dostmann

"Der kleine Prinz" - das vergessene Geschenk

50 Jahre hat der erste Farbfilm des einstigen Fernsehens der DDR im Archiv geschlummert. Mit Hilfe der Annaberg- Buchholzer wurde der Schatz jetzt wieder ins Rampenlicht geholt.

Von Antje Flath
erschienen am 28.08.2017

Annaberg-Buchholz. Eine sichtlich gerührte Christel Bodenstein brauchte nach der Vorführung ein paar Minuten, ehe sie ihre Emotionen in Worte fassen konnte. Die Hauptdarstellerin aus dem Film "Der kleine Prinz" hatte den 1966 bei der Defa - dem volkseigenen Filmunternehmen der DDR - gedrehten Streifen am Samstagnachmittag in Annaberg-Buchholz selbst zum ersten Mal in einer öffentlichen Aufführung gesehen. Ein Augenblick, den sie sich so sehr gewünscht hatte und auf den sie mehr als 50 Jahre warten musste. Doch die Annaberg-Buchholzer haben für ihr 1. Internationales Märchenfilmfestival und seine Ehrenpräsidentin weder Kosten noch Mühen gescheut. Und so erlebte die 78-Jährige in der hiesigen Bergkirche "einen der glücklichsten Momente in ihrem Leben".

Eigentlich sollte der Film nach der bekannten Erzählung des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry auf andere Art und Weise Geschichte schreiben und als erster Farbfilm des einstigen Fernsehens der DDR ausgestrahlt werden. Doch die Verantwortlichen hatten vergessen, sich alle notwendigen Rechte zu sichern. So kam der Film statt auf die Leinwand unter Verschluss. Dabei hatte Christel Bodenstein die Hauptrolle darin von Regisseur Konrad Wolf, ihrem damaligen Mann, zum Geburtstag als Geschenk bekommen, da er ein anderes vergessen hatte. Christel Bodenstein erinnert sich an ein "tolles Team" und "fantastische Dreharbeiten". Von seiner Faszination hat der Film bis heute nichts eingebüßt: Hans-Michael Marten beispielsweise - er hat aus aktuellem Anlass für das MDR-Magazin "Artour" einen Beitrag über Christel Bodenstein, den Film und dessen Erstaufführung in Annaberg-Buchholz gestaltet - sagt: "Konrad Wolf und seinem Team ist es gelungen, die Geschichte vom kleinen Prinzen, die viele von uns im Herzen tragen, als Film zu erzählen, ohne sie zu entzaubern - das ist große Kunst." So ähnlich empfanden es wohl auch die zahlreichen Zuschauer in der fast ausverkauften Bergkirche, die die Aufführung mit langem Beifall honorierten und den Initiatoren teilweise persönlich dankten. Unter anderem Oberbürgermeister Rolf Schmidt, für den die Filmvorführung der bewegendste Moment des gesamten Festivals war.

Christel Bodenstein ihrerseits revanchierte sich mit fast schon euphorischer Begeisterung "für so wundervolle Tage, wie ich sie noch nie erlebt habe" und meinte: "Wir könnten doch noch ein bisschen länger machen." Zur Erinnerung an die märchenhaften Tage in Annaberg-Buchholz gab es für sie die Spieldose "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", gefertigt in der traditionsreichen Manufaktur Flade in Olbernhau.

 
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