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"90 Prozent klassische Arbeit, 10 Prozent Inspiration": Komponist und Dirigent José Alberto Pina.

Foto: Fernando Caballer

Der reiselustige Señor Pina oder das Geisterschiff läuft Thum an

Eine Deutschlandpremiere - das erlebt die beschauliche Bergstadt nicht alle Tage. Und der Komponist kommt eigens aus Spanien ins Erzgebirge, um den Takt anzugeben. Was steckt dahinter?

Von Michael Urbach
erschienen am 14.11.2017

Annaberg-Buchholz/Thum. Wer an eine musikalische Deutschlandpremiere denkt, dem baut sich womöglich die Elbphilharmonie in Hamburg vor dem inneren Auge auf, die Berliner Philharmonie, vielleicht das Gewandhaus zu Leipzig. Prachtvolle Gebäude, exklusive Architektur, Flair von Welt. Das Thumer Volkshaus haben wahrscheinlich die wenigsten auf der Rechnung - ein Fehler. Denn am 1. Dezember findet in der beschaulichen Bergstadt genau eine solche Premiere statt: beim Weihnachtskonzert der Bläserphilharmonie Thum. Und dann wäre da noch José Alberto Pina. Der Schöpfer jenes Werks fliegt extra aus Spanien ein, um bei den beiden Konzerten in Thum zu dirigieren. Was steckt da dahinter?

Eines Tages erhielt Thomas Conrad eine Facebook-Nachricht. Der Absender: ein smarter Spanier aus Albacete, Jahrgang 1984. "José Alberto Pina hatte bei Youtube Konzertmitschnitte von uns mit Interpretationen seiner Werke gesehen", sagt Conrad, der künstlerische Leiter des Thumer Ensembles. "Und er fand es sehr, sehr gut."

So spielte die Bläserphilharmonie bereits Pinas "The Legend of Maracaibo", ein packendes Musikstück über die Seeschlacht vor der Küste Spaniens um ein Schiff, das Reichtümer aus den Kolonien heimbringen soll, und "The Bermuda Triangle", eine Reise über die mysteriösen Gewässer von Bermuda.

Was fasziniert so an der Musik des aufstrebenden Komponisten, der auch als Kursleiter und Dirigent im In- und Ausland sehr gefragt ist? "Seine Werke haben viel von Filmmusik, enthalten schöne Melodien für das Publikum", sagt Thomas Conrad. Sie seien aber auch für die Musiker selbst spannend. "Und es ist eben nicht die Musik von ,Fluch der Karibik', die zum 120. Mal gespielt wird."

Aus dem Facebook-Kontakt wurde mehr. Er werde sehr oft von Fans und Orchesterleitern angeschrieben, sagt José Alberto Pina. Im Fall von Thum war es genau anders herum: Der Spanier bot an, für eine Aufführung nach Deutschland zu kommen. Die Thumer schlugen ein. "Ehrlich gesagt, hat es in unserem Fall sofort klick gemacht und wir freuen uns alle sehr, dieses Projekt nun tatsächlich umsetzen zu können", erzählt Pina. Am 29. November wird er sich in den Flieger nach Leipzig/Halle setzen - 1700 Kilometer weiter nordöstlich und tags darauf wird in Thum geprobt. Die Aufführungen finden am 1. und 2. Dezember statt, danach geht es auf die Iberische Halbinsel zurück. Der Dirigent und Komponist freut sich auf die erzgebirgischen Musiker: "Dieses Orchester hat einen großartigen Direktor, der maßgeblich für dessen Erfolge verantwortlich ist. Die Musiker sind durchweg sehr talentiert und im Hintergrund gibt es auch einen breiten technischen Stab."

Im Gepäck hat José Alberto Pina sein neues Werk. Keine Frage, es wird wieder bombastisch und geheimnisvoll. "The Ghost Ship" handelt von der SS American Star, die vor Fuerteventura auf Grund lief und zerbrach - ein perfektes Szenario für mysteriöse Geschehnisse. "Um es zu komponieren, habe ich neun Monate pausenlos gearbeitet", schildert der Spanier, "danach kam mein geliebter musikalischer Sohn zur Welt." 90 Prozent klassische Arbeit, 10 Prozent Inspiration, sagt Pina.

Die weite Reise des Señor Pina schafft indes ein kleines Kuriosum. Nämlich jenes, dass Dirigent Thomas Conrad einen guten Teil seiner Weihnachtskonzerte nicht dirigiert. "Langweilig wird es mir aber nicht", sagt der 46-Jährige und lacht. Und schließlich wartet auf ihn noch Weihnachtskonzert Nummer drei am 23. Dezember im Winterstein-Theater, ganz ohne José Alberto Pina. Und der lauert dann zuhause in Spanien - soviel ist gewiss - schon ganz ungeduldig auf den neuesten Mitschnitt bei Youtube.

Die Weihnachtskonzerte am 1. und 2. Dezember beginnen 20 Uhr im Thumer Volkshaus. Neben "The Ghost Ship" erklingen festliche, swingende und erzgebirgische Weihnachtsmelodien. Auch das Nachwuchsorchester ist mit von der Partie. Im Volkshaus gibt es Restkarten. Das Konzert am 23. Dezember in Annaberg-Buchholzist ausverkauft.

 
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