Insel-Exot dampft nur noch bis Ostern

Eisenbahnliebhaber lässt die Dampflokomotive "Aquarius C" in Nostalgie verfallen. Doch die Zeit des Schmuckstücks läuft ab im Preßnitztal. Gerät der Gast von Rügen damit auf den Abstellgleis?

Jöhstadt.

Sie sieht schön blau aus und ist mit roten Zierstreifen versehen. Die Dampfpfeife der alten "Dame" klingt wie von einem richtigen Dampfer. Und das reichlich 40 Tonnen schwere Gefährt zieht Liebhaber zur Museumsbahn Steinbach - Jöhstadt. Die Herzen der Fans schlagen höher, wenn die Lok mit ihren kräftigen Abdampfschlägen durch das Preßnitztal stampft. Doch ihre ersten Einsatztage in diesem Jahr werden zugleich die letzten sein, zumindest auf unbestimmte Zeit.

"Die Einsatzfrist der Maschine läuft ab", verrät Gerald Seifert, Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Preßnitztalbahn. Wie es mit der "Aquarius C", wie das Schmuckstück heißt, weiter geht, kann jedenfalls zurzeit noch niemand so recht sagen. In jedem Fall wird sie an Ostern noch mal über die Museumsgleise dampfen. Und eigentlich ist die Lok nur zu Gast im Erzgebirge. Sonst ist sie auf der Strecke des Rasenden Roland zwischen Putbus- Göhren zu Hause. Eigentümer ist die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH, die Betreiber der Bäderbahn ist. "Dort stand sie meist auf Reserve und so gelangte die Maschine gegen Ende 2010 ins Preßnitztal", berichtet Seifert. Für die Museumsbahn ist sie eine Attraktion, denn die etwa 250 PS starke Lok ist ein absoluter Exot. "Sie ist die einzige betriebsfähige Lokomotive dieses Typs in Deutschland", unterstreicht der Geschäftsführer des Vereins. Natürlich hat die Maschine auch eine richtige Bezeichnung, nennt sich HF 210 E und wurde bei Borsig in Berlin gebaut. Sie ist eine Heeresfeldbahnlok und wurde 1939 ausgeliefert. Schier unendlich scheint die Geschichte der Schlepptenderlok. Sie war im 2. Weltkrieg in den Jahren 1942/43 in der Sowjetunion im Einsatz, kam dann zum Eisenbahnpionierpark Rehagen-Klausdorf und gelangte Anfang 1945 nach Österreich. Dort kam die Maschine bis 1981 bei verschiedenen Schmalspurbahnen zum Einsatz. Unter anderem auf der Tiroler Zillertalbahn. Eben dort soll die damals noch im grünen Farbkleid fahrende Lokomotive ihre Bezeichnung "Aquarius" erhalten haben. Ihre jetzige Farbgebung hat die Heeresfeldbahnlok übrigens erst 1996/97 zu einer Hauptuntersuchung im damaligen Ausbesserungswerk Görlitz-Schlauroth erhalten. Doch zuvor gehörte die Maschine auch eine Zeit lang dem Industriellen Walter Seidensticker, fuhr auf der Jagstalbahn in der Nähe von Heilbronn und war im Deutschen Technikmuseum Berlin ausgestellt. Nach ihrer Hauptuntersuchung kam sie 1997 zur Rügenschen Kleinbahn. Seit 2009 gehört der Exot der Pressnitztalbahn mbH. Eine bewegte Geschichte. Und auch wenn diese besondere Schmalspurlok für das Erzgebirge nicht typisch ist, übt sie dennoch einen ganz besonderen Reiz aus und sorgt im wahrsten Sinne des Wortes für einen zusätzlich Farbtupfer im Lokpark der Museumsbahn. Darauf verweisen viele Eisenbahnliebhaber. Und sie hoffen, dass die "Aquarius" nach ihrer Abstellung doch eines Tages wieder richtig Dampf macht.

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