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Bier zum Burger, Schokolade zum Nachtisch, Bockwurst mit Kartoffelsalat, ein gediegenes Gläschen Wein zum Feierabend oder ein Sekt zum Anstoßen. Ab heute üben sich sechs Redakteure im Verzicht.

Foto: happy_lark - stock.adobe.com

Schreiber wollen "Nein" sagen bis Ostern

Heute beginnt die traditionelle Fastenzeit. Auch sechs Redakteure der "Freien Presse" machen mit, verzichten für 40 Tage auf eine ihrer Gewohnheiten und üben sich in Disziplin. Ob das klappt?

Von unseren Redakteuren
erschienen am 14.02.2018

Annaberg-Buchholz. Fernsehen, Auto fahren, fluchen - fastenwürdige, gesundheits- und umweltschädigende Dinge bereichern unseren Alltag, ebenso Genussmittel wie Tabak, Kaffee, Alkohol, Zucker und Fleisch. Trotzdem kommt immer wieder der Wunsch auf, mit der eigenen, zur Gewohnheit gewordenen Unart zu brechen. Das ist jedoch schwer, die Gewohnheiten machen ja Spaß. Bei der Überwindung des inneren Schweinehundes helfen Anlässe. Die Fastenzeit ist ein solcher - ganz unabhängig von Religion und Herkunft. Sechs Redakteure der "Freien Presse" im Erzgebirge nutzen diesen Anlass zum Selbsttest und verzichten ab heute bis zum Karfreitag auf eine ihrer "Süchte".

Als Redakteur kann man sich jedoch schon von Berufs wegen nicht auf sämtliche Fasten-Klassiker einlassen. Denn das regelmäßige Scannen der Nachrichten und Medienkonsum überhaupt ist ebenso Pflicht, wie das schnelle Reisen von A nach B. Das ist im Redakteurspensum zwischen Bärenstein und Bad Schlema weder mit dem Rad, noch mit dem öffentlichen Nahverkehr möglich. Aber Versuch macht klug und in den nächsten Wochen werden sechs Redakteure im Wechsel von ihren Erfahrungen schreiben, Antje Flath und Sarah Hofmann versuchen sich als Vegetarier und streichen Fleisch und Wurst vom Speiseplan. Michael Urbach verzichtet auf Süßigkeiten und Sven Wagner meidet bis Ostern jeglichen Zucker, egal wo er sich versteckt. Beate Kindt-Matuschek und Viola Gerhard üben sich im Alkoholverzicht. Im Wechsel erzählen die drei Teams in den kommenden Wochen vom Wohl und Wehe der Fastenzeit - auch, um sich gegenseitig zu motivieren. Jeder der Fastenwilligen hat übrigens einen ganz eigenen Grund, den Selbstversuch zu wagen.

Team Alkohol:

Beate Kindt-Matuschek: Wer solche Kollegen hat, braucht keine Feinde: "Das macht ihr doch!" hieß die motivierende Aufforderung durch die jungen Heißsporne. Im Grunde genommen haben sie recht. Verzicht - warum nicht? Also ist ein Gläschen Wein am Abend ab sofort tabu. Meine Leber wird sich freuen. Sie hat eh schon gemuckert. Und wissen Sie, woran man das merkt? Sie wachen nachts auf - immer zwischen 3 und 4 Uhr. Denn genau das ist die Zeit, in der die Leber arbeitet und den Körper entgiftet. Hat mir zumindest meine Ärztin mal so erklärt. Nun helfe ich also meiner Leber, gebe ihr für die Nacht nicht mehr so schwere Aufgaben und spare zudem etliche Kalorien. Hoffentlich macht sich das am Ende wenigstens auf der Waage bemerkbar. Wenn schon Verzicht, dann würde ich gut und gerne auch auf ein paar Kilos verzichten. Genießen wir also die nächsten schönen Essen ohne den geliebten trocknen Weißwein oder den leicht perligen Rosé. Viola, uns bleibt bis Ostern nur der Gänsewein!

Viola Gerhard: Man hat mich nett gebeten - und ich konnte nicht Nein sagen. Von allein hätte ich wahrscheinlich auf nix verzichtet. Nachdem ich mich bereit erklärt hatte, bei dieser Art Selbstversuch mitzumachen, habe ich in den Kalender geschaut und erst einmal schlucken müssen: Bis Ostern stehen da unter anderem eine Geburtstagsfeier, der Besuch meiner Tochter, ein Baudenabend und mein Freundinnentreff. Alles schöne Gründe, mit einem Gläschen anzustoßen. Los geht es schon heute, schließlich ist nicht nur Aschermittwoch, sondern auch Valentinstag. Diesen Abend ohne Rotwein... Nun, man soll ja positiv denken. Also: Wir sparen uns die Bustickets, ich bleibe schließlich fahrtauglich. Immerhin wurde mir nicht der schlechteste Verzicht angetragen: Alkoholfrei ist ja in jedem Fall gesund. Fleischfrei auch, aber das wäre zu einfach gewesen, ich habe zwar auch ab und zu Heißhunger auf ein Steak, liebe aber auch Vegetarisches. Auf Schokolade verzichten? Nie im Leben! Zwar behauptete so ein Neunmalkluger, Schokolade mache gar nicht glücklich, und das mag vielleicht auch sein. Aber: Keine Schokolade macht (mich) in jedem Fall unglücklich.

Team Zucker:

Sven Wagner: Er gehört einfach dazu - oder? Früher habe ich das kaum infrage gestellt. Doch vor ein paar Jahren erzählte mir eine Bekannte, dass sie Zucker-Fasten mache, also für eine Weile gänzlich auf Zucker verzichte. Das heißt: Nicht nur den allgemeinen Süßkram weglassen, sondern tatsächlich auf alle Produkte verzichten, denen Zucker zugesetzt ist. Das klang interessant - ist aber leichter gesagt, als getan. Saure Gurken, Kartoffelsalat, Fruchtjoghurt? Fällt alles weg. Wer sich genauer damit auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass wir schon längst in der Zuckerfalle leben. Dem allergrößten Teil der verarbeiteten Lebensmittel ist das Zeug zugesetzt. Jetzt 40 Tage lang darauf zu verzichten, wird nicht einfach - und ist zugleich der Kampf gegen eine unbewusste Sucht. Der Vorteil: Ich werde mal wieder genauer darauf achten, was ich so esse. Der riesige Nachteil: Ich liebe Schokolade. Wirklich. Ab heute brechen also harte Zeiten an.

Michael Urbach: Wenn Kinder in der Familie sind, setzt das bei Verwandten und Bekannten einen Mechanismus in Gang: Sie müssen Süßigkeiten schenken. Tonnenweise, zu jedem Anlass. Und wenn der Berg von Ostern abgearbeitet ist, steht der Geburtstag vor der Tür. Und wenn der Berg vom Geburtstag abgearbeitet ist, steht Weihnachten vor der Tür. Und wenn der Berg ... Sie wissen schon. Ich wäre nun ein schlechter Vater, wenn ich meine Kinder mit diesem Karies verursachenden, dick machenden und den Appetit auf Gesundes ausmerzenden Zeugs alleine ließe. Darum helfe ich beim Vertilgen, wo ich nur kann. Leider interpretiert meine Frau diesen selbstvergessenen Ausdruck väterlicher Liebe falsch und versteckt mittlerweile die richtig leckeren Sachen vor mir. Man kann es nämlich auch so sehen: Ich bin ein undisziplinierter Fresssack, wenn es um Süßigkeiten geht. Doch jetzt ist Schluss damit. Auch wenn meine Frau bei der Ankündigung nur gegrinst hat.

Team Fleisch:

Sarah Hofmann: Ich esse gerne Fleisch, es schmeckt mir. Vor allem wenn ich richtigen Hunger habe, der auch wirklich nicht mehr warten kann, dann greife ich schnell zu Bratwurst, Huhn und Co. Und da mich dieser Appetit vor allem erwischt, wenn ich mir gerade schnell nichts kochen kann - muss ich oft auf Imbisse und Lieferdienste zurückgreifen. Und was gibt es da, außer Pommes? Richtig. Fleisch. Und gleich, wenn der erste Hunger gestillt ist, kommt mit dem Völlegefühl das schlechte Gewissen. Denn wie viele Bio-Imbisse gibt es denn im Gebirge und wer kann sicherstellen, ob das leckere Nugget von einem glücklichen Huhn stammt? Da es aber so lecker ist, schlucke ich das schlechte Gewissen meist mit herunter. Auch da serviert mir mein Körper prompt die Rechnung und quittiert Gelage mit schlechter Haut und Magenproblemen. Ob das am Fleisch liegt, werde ich nun testen und versuche mich nun wenigstens bis Ostern am Vegetariertum. Nun heißt es Tofu statt Schnitzel und bei meinen leckeren Nudeln mit Jagdwurst und Tomatensoße muss ich wohl nein zur Wurst sagen. Das wird hart, ich mag die Wurst. Größter Stolperstein: Bratensoße. Keine Ahnung, wie ich mit dem Mangel klarkommen soll.

Antje Flath: 40 Tage ohne Fleisch und Wurst - das ist echt eine Herausforderung. Gehört doch beides regelmäßig zu meinem Speiseplan. Und so kommen mir schon die ersten Zweifel daran, auf was ich mich da eingelassen habe, noch ehe ich überhaupt so richtig mit dem Verzicht begonnen habe. Andererseits bin ich aber auch zu sehr sportlich geprägt, als dass ich übers Aufgeben überhaupt nachdenken würde. Da ist der Ehrgeiz dann doch zu groß. Zudem beschäftige ich mich mit diesem Gedanken durchaus des Öfteren, denn angesichts regelmäßiger Horrormeldungen aus der Lebensmittelbranche kann einem der Appetit auf Fleisch und Wurst durchaus auch vergehen: Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und allerlei sonstige chemische Substanzen sind echt wenig verlockend. Ganz zu schweigen von den schockierenden Bildern aus der Massentierhaltung. Gute Gründe also, sich wenigstens erst einmal für eine gewisse Zeit im Verzicht zu üben. Ich hoffe nur, ich verursache damit nicht ungeahnte familiäre Küchenschlachten. Denn der Koch- und Speiseplan für die nächsten sechs Wochen wird damit zur echt sportlichen Herausforderung.

 
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