Spindelfabrik reagiert auf steigenden Absatz

Das mittelständische Unternehmen aus Neudorf wurde vor mehr als 125 Jahren gegründet. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz um 30 Prozent. Ein 800.000 Euro teures Fräs- und Drehzentrum soll helfen, den wachsenden Anforderungen an die Produktion zu meistern.

Neudorf.

Der Textilmaschinenbau gehört zu den Hauptgeschäftsfeldern der Spindelfabrik in Neudorf. Seit Jahrzehnten werden hier Spindeln zum Verstrecken, Verzwirnen oder Verspinnen von Natur- und Chemiefasern hergestellt. Aber auch Antriebssysteme und ganze Baugruppen werden in dem 160 Mitarbeiter zählendem Unternehmen hergestellt. Allerdings wandelt sich das Portfolio, erklärt Uwe Nestler, einer der beiden neuen Geschäftsführer. Im vergangenen Jahr fand in der Spindelfabrik nämlich ein Generationswechsel statt. Die beiden alten Chefs, Dietmar Nestler und Christian Hofmann übergaben die Geschäfte an ihre Söhne Uwe Nestler und Torsten Hofmann. Und wo einst fast ausschließlich für den Textilmaschinenbau produziert wurde, verlassen zunehmend auch Teile und Komponenten für andere Branchen die Werkshalle an der Karlsbader Straße. Als Beispiel nennt Uwe Nestler Kunstrasenmaschinen. Für diese Technologie wird das Know-how der Neudorfer Spindelfabrik benötigt. Auch in der Glasseidenindustrie kommen die Produkte des erzgebirgischen Unternehmens zum Einsatz. Glasseide wird unter anderem in Akkus und Leiterplatten verwendet. Gerade die Elektromobilität bringe dabei ganz neue Anwendungsbereiche mit sich, so der Geschäftsführer.

Und das mit großem Erfolg. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz um 30 Prozent gestiegen, sagt Prokuristin Anja Fröhner. Doch der Anstieg kommt nicht von ungefähr. Zudem werden die Teile immer präziser. Eine Entwicklung, der sie auch mit Investitionen in neue Technik gerecht werden wollen und müssen. So gehört seit wenigen Wochen beispielsweise ein modernes Fräs- und Drehzentrum vom Typ DMG 80 FD4 zur Ausstattung. Hochpräzise können darin die Produkte gefertigt werden. "Die Maschine hat auch eine integrierte 3-D-Messung", erklärt Uwe Nestler. Alles in allem hat die Spindelfabrik dafür 800.000 Euro bezahlt, bei der Finanzierung halfen auch Fördermittel. "Die größte Einzelinvestition der vergangenen Jahre", so die Prokuristin. Doch der Bedarf, schneller und mehr zu produzieren, sei da. Mit der neuen Technik sei dies machbar, da sie mehrere Arbeitsschritte vereint. Vorher mussten die Teile etwa mehrfach gespannt und durch den Betrieb transportiert werden. Nun könne das alles an einem Ort geschehen. Zudem sei die Maschine das Beste, was es derzeit von dem Hersteller auf dem Markt in diesem Bereich gibt. "Ein richtiger Technologiesprung", sagt Uwe Nestler, technischer Geschäftsführer.

Die Investition in modernste Technik heißt aber nicht, dass in der Spindelfabrik weniger Personal benötigt wird. Ganz im Gegenteil. "Wir sind dabei aufzustocken", sagt der 38-jährige Chef. Ein Trend, der sich bereits in den vergangenen Jahren zeigt. In dieser Zeit stieg das Personal um 10 Prozent auf 160 Mitarbeiter. Dabei bildet das Unternehmen auch selbst aus. Aktuell gebe es vier Lehrstellen, darunter zwei CNC-Schleifer, eine Ausbildung, die eher selten ist, weshalb die Spindelfabrik diesbezüglich mit dem Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft in Werdau zusammenarbeitet.

Das Unternehmen kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Gegründet wurde die Firma 1892 von Ernst Bräuer, der sich mit der Herstellung von Posamenten-, Klöppel- und später Wickelmaschinen für Seide beschäftigte. 1952 wurde daraus der VEB Spindelfabrik- und Spinnflügelfabrik Neudorf. Noch 1980 wurde ein neues Werk mit 730 Beschäftigten zur Herstellung von Produkten des Textilmaschinenbaus und der Konsumgüterfertigung für Waschautomaten und Wäschezentrifugen eingeweiht. 1993 kam die Privatisierung. Damals arbeiteten noch 130 Frauen und Männer in der Spindelfabrik. Heute exportiert der Betrieb etwa 35 bis 40 Prozent seiner Produkte ins Ausland. Die Kunden sind auf allen Kontinenten zu finden.

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