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Eine Allrounderin sagt Adé: Ingrid Conrad im Büro des Vereins Jugendblasorchester der Stadt Thum.

Foto: ERZ-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Stargäste, ein gebrochener Arm und La-Ola-Wellen in Südafrika

Von Elternvertreterin bis Vorsitzende: Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Ingrid Conrad mit dem Thumer Orchester verbunden. Doch bald kehrt sie dem Erzgebirge den Rücken. Für "Freie Presse" blickt die 66-Jährige auf bemerkenswerte Momente zurück.

Von Michael Urbach
erschienen am 01.02.2018

Thum. Klarinette, Flöte, Oboe, Saxophon ... in einem sinfonischen Blasorchester gibt es allerlei Instrumente. Ingrid Conrad, immerhin seit mehr als 30 Jahren dem Thumer Orchester verbunden, spielt kein einziges davon. "Ich bin selber gar nicht so musikalisch", sagt die 66-Jährige und lacht. Doch wie kommt man da zu einem Musikverein?

Ingrid Conrad klärt auf: Ihr Sohn Thomas, heutiger Dirigent der Bläserphilharmonie und offenkundig mit musikalischem Talent versehen, wurde einst von seinem Musiklehrer für den Verein gewonnen. "Damals haben sie Betreuer für Reisen gesucht. Da habe ich mitgemacht." Damals, das war Mitte der 80er-Jahre. Seitdem hat Ingrid Conrad in fast jeder denkbaren Position geholfen: als Elternvertreterin, als Schatzmeisterin, als Vorsitzende, als Allrounderin in der Geschäftsstelle. Und im Laufe der Jahre ist viel passiert.

Die schönste Begebenheit für Ingrid Conrad waren die Reisen nach Südafrika, bei zwei von drei war sie dabei. "Vor allem das Galakonzert beim Musikfest Tygerberg Fanfare im Velodrom von Kapstadt ist mir unvergesslich", sagt sie. Für das Thumer Orchester liefen La-Ola-Wellen durch das Tausende Zuschauer fassende Stadion. Sogar den Oberbürgermeister der südafrikanischen Großstadt riss es vom Sitz. Das hat keine anderes Orchester geschafft, schwärmt ein Autor in der Vereinschronik. Zustande gekommen war der Kontakt über das Jugendblasorchester aus dem bayerischen Sonthofen, das die Thumer um Unterstützung bei der Betreuung eines südafrikanischen Orchesters im Erzgebirge gebeten hatte - der Beginn einer Freundschaft über Tausende Kilometer hinweg und des Austauschs.

Das traurigste Erlebnis für Ingrid Conrad: Am 7. Februar 2002 starb Karl Röhle, der als langjähriger Dirigent Hunderten Schülern das Musizieren beigebracht und das einstige Schulorchester zu einem famosen Amateurensemble geformt hatte. "Er war auch der Ausbilder meines Sohnes." Kurz nachdem er in den Ruhestand gegangen war, verschied Karl Röhle unerwartet.

Das größte Malheur widerfuhr Ingrid Conrad ausgerechnet zum Orchestertreff 2008. Im Küchenzelt stolperte die damalige Schatzmeisterin und brach sich den Oberarm. "Das habe ich im ersten Moment gar nicht realisiert", sagt Ingrid Conrad. "Erst dann, als die anderen gesagt haben: Dein Arm sieht irgendwie komisch aus." In der Notaufnahme gab's dann die Diagnose. Zur Option stand standen eine sofortige Operation oder notdürftig ruhigstellen und Orchestertreff durchziehen. Keine Frage, wofür sich Ingrid Conrad entschied: Operiert wurde eine Woche später.

Der beste Orchestertreff? Für Ingrid Conrad keine einfache Frage, denn "sie waren alle schön." Sie hat den Wandel von einem Fest in der Schulanlage bis hin zum heutigen Event, das Tausende Besucher anlockt, miterlebt. Nur die zwischenzeitliche Verlegung auf den Sportplatz hat die Möglichkeiten des Vereins überstiegen, sagt die 66-Jährige. Als Stargäste fand sie Ireen Sheer super - und Achim Menzel. "Der war der absolute Renner und hat das Zelt binnen Minuten zum Kochen gebracht. Eine richtige Stimmungskanone." Es werde allerdings immer schwerer, bezahlbare Stars zu finden. In diesem Jahr ist es aber wieder geglückt: Zum Orchestertreff kommen Anita und Alexandra Hofmann.

Größter Wunsch von Ingrid Conrad ist, dass "im Verein alles so weitergeht, wie es jetzt läuft, und dass wir die musikalische Qualität ständig weiterentwickeln können". Was möglich ist, hat der Erfolg beim World Music Contest 2013 in Kerkrade gezeigt. Ziel solle es zudem sein, die kostenlose Instrumentalausbildung für Kinder weiter zu ermöglichen, damit die Teilhabe daran nicht an den Geldbeutel der Eltern gebunden ist. Insbesondere für die Jugendarbeit von Vereinen wünscht sich die Thumerin daher mehr Würdigung und finanzielle Unterstützung vom Staat. Und sie hofft, dass sie bald eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger im Büro einarbeiten kann. Die Stelle ist ab 1. März ausgeschrieben.

Der letzte Tag in der Geschäftsstelle des Vereins wird für sie der 29. Juni sein - der 30. ist ein Samstag. "Ein ganz normaler Arbeitstag" soll das werden, meint Ingrid Conrad. Danach zieht sie in die Wahlheimat ihres Sohnes, der mit Familie in Lauffen in Baden-Württemberg lebt. Mit in den Süden geht auch Windhündin Donka (11), die Ingrid Conrad einst aus dem Tierheim geholt hat und die selbst im Büro treue Begleiterin ist. Doch die Bande zum Verein Jugendblasorchester will sie nicht abbrechen lassen: "Ich möchte schon ab und zu zugegen sein." Und wer weiß, vielleicht lernt Ingrid Conrad im Ruhestand doch noch ein Instrument: Ihr Sohn Thomas leitet in Lauffen die Musikschule.

Infos über die kommenden Konzerte und Veranstaltungen finden sich auf der Internetseite des Vereins. Dort steht auch die aktuelle Stellenausschreibung.

www.jbo-thum.de

 
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