Verzweiflung oder Verleumdung? Warum die Pestalozzi-Oberschule um Schüler ringt

Gewalt, Unterrichtsausfall, unsensible Lehrer: Ein Facebook-Kommentar zur Pestalozzi-Oberschule will erklären, warum viele Buchholzer Eltern ihre Kinder nicht in der Einrichtung vor Ort angemeldet haben. Und dabei geht es nicht nur um die dort angesiedelte DaZ-Klasse.

Buchholz.

Wieder einmal kann an der Pestalozzi-Oberschule Buchholz keine 5. Klasse gebildet werden. Wieder einmal herrscht Aufregung, beginnt die Suche nach Ursachen. Besonders schwer wiegt dabei die Tatsache, dass für das nächste Schuljahr neun Kinder aus Buchholz nicht in ihrem Stadtteil, sondern in umliegenden Schulen angemeldet wurden. Die Eltern nehmen also bewusst einen längeren Schulweg für ihre Kinder in Kauf, nur damit diese nicht die Pestalozzi-Oberschule besuchen müssen. Doch warum?

Während die Stadt als Schulträger sowie die Schulleitung nicht wirklich eine Erklärung für die etwas andere Art der Schulverweigerung parat haben, taucht auf Facebook ein Kommentar zu dem Thema auf. Der Absender, offenbar ein Elternteil, versucht damit seine Sicht der Dinge darzustellen. "Wer sein Kind einmal auf dieser Schule hatte und die Zustände miterleben durfte, der kann sehr wohl nachvollziehen, dass andere Eltern solch eine Entscheidung treffen. Drohungen des Kopfabschneidens, Messer auf dem Schulhof, gewalttätige Übergriffe im Unterricht ... sind da nur ein Auszug", heißt es in dem Schreiben. Viele der Vorkommnisse werden den vielen ausländischen Schülern der DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) angelastet. Wobei der Absender auch schreibt: "Es sind wohlgemerkt nicht alle DaZ-Schüler so. Viele geben sich große Mühe und sind auch gut integriert." Unabhängig von der DaZ-Klasse werden zudem der übermäßige Unterrichtsausfall und die ungleiche Bestrafung deutscher und ausländischer Kinder angeprangert. Kritisiert werden ferner der raue Ton an der Schule und dass vonseiten der Pädagogen alles unternommen werde, die Zustände nicht nach außen dringen zu lassen.

Ein anderer Vater, den "Freie Presse" gesprochen hat, ist verärgert, dass fast ein Jahr lang kein Biologie-Unterricht stattgefunden habe. Zudem lasse die Motivation vieler Lehrer zu wünschen übrig. Auch fehle ihnen oftmals die Sensibilität im Umgang mit Kindern - gerade mit solchen aus einem sozial schwachen Umfeld - die man eigentlich von einem Pädagogen erwarten dürfe. "Insofern muss ich mich hinterfragen, ob die Pestalozzi-Schule die optimale Bildungseinrichtung für mein Kind ist, auch wenn ich Buchholzer bin", betont er.

Schulleiterin Katrin Ihle mit den Vorwürfen konfrontiert, sagt: "Das sind für mich alles Einzelfälle, die nicht den Alltag an der Schule widerspiegeln." Und: Ja, es gebe die Kopf-ab-Geste unter Schülern. "Als wir das mitbekommen haben, wurde darüber mit dem Schüler gesprochen. Auch die Eltern sind informiert worden", sagt Ihle. Und es habe auch einmal ein Schüler im Unterricht einem anderen einen Schlag verpasst. Die Lehrerin sei in dem Fall aber sofort eingeschritten. Allerdings: Für diese Vorfälle sind nicht immer nur die DaZ-Schüler verantwortlich, erklärt Wolfgang Fischer, stellvertretender Schulleiter.

Michaela Bausch vom Landesamt für Schule und Bildung stellt klar, dass es keine unterschiedlichen Ordnungsmaßnahmen für Schüler deutscher und nichtdeutscher Herkunft gibt. Für alle gelten die Regelungen des Schulgesetzes. Das lässt den schriftlichen Verweis, die Überweisung in eine andere Klasse gleicher Klassenstufe, die Androhung des Ausschlusses aus der Schule, den Ausschluss vom Unterricht und anderen schulischen Veranstaltungen bis zu vier Wochen sowie den Ausschluss aus der Schule zu. Einen solchen habe es seit 2015 an der Pestalozzi-Schule nicht mehr gegeben.

Tatsächlich ein Problem an der Einrichtung aber sei der viele Unterrichtsausfall. In Biologie etwa habe sich das über drei Jahre hingezogen. "Wenn wir dafür keine Fachkraft haben, geht es nun einmal nicht anders", so Ihle. Seit den Winterferien habe sich die Situation aber entspannt. Im Moment seien alle Stellen besetzt.

Dass die Chemie im Lehrerkollegium mit den zurzeit sieben Quereinsteigern nicht stimmt, will Ihle so auch nicht stehen lassen: "Wenn zwei Generationen zwischendrin fehlen, prallen schon einmal verschiedene Ansichten aufeinander. Dennoch redet bei uns jeder mit jedem." Apropos reden. Wenn es Probleme gibt, wünscht sich Fischer, dass diese von den Eltern angesprochen werden - nicht nur zu den zwei Elternsprechtagen pro Schuljahr.

In die Sache hat sich inzwischen auch der Kreiselternrat eingeschaltet, zumal ein ähnlich formulierter Brief auch direkt in der Schule eingegangen sein soll. "Wir wollen und werden aufklären, was an den Vorwürfen dran ist", sagt Vorsitzender Thomas Klug.

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1Kommentare
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  • 4
    4
    Pelz
    14.04.2018

    Ähm... Seit wann gibts die Vorfälle?



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