Von der Ich-AG zum Verlagschef

Wenn sich ab Donnerstag wieder die Buchbranche in Leipzig trifft, ist auch Danilo Schreiter dabei. Der Mildenauer präsentiert sein Ein-Mann-Unternehmen. Doch was macht überhaupt ein gutes Buch aus?

Mildenau.

Es ist nun schon das elfte Jahr, dass Danilo Schreiter seine Koffer packt und nach Leipzig aufbricht. Ziel des Mildenauers ist das große Messegelände am Rande der Stadt. Dort präsentieren vom 15. bis 18. März unzählige Buchverlage ihr aktuelles Programm. Mittendrin, genauer gesagt in der Messehalle 5 Stand G 417, wird auch der Telescope Verlag sein neues Angebot präsentieren. Das kleine Ein-Mann-Unternehmen aus Mildenau ist der einzige Buchverlag aus dem Erzgebirge, der sich in Leipzig zeigt.

Dabei kam Schreiter zum Verlagswesen wie die Jungfrau zum Kind. "Mit Büchern hatte ich früher nichts am Hut", räumt der 49-Jährige ein. Auslöser für seine Verleger-Karriere war vielmehr seine Schwester. Sie befand sich damals, vor zwölf Jahren, in einer harten Phase ihres Lebens. In einer Entzugsklinik kämpfte sie um ihren Ausstieg aus der Abhängigkeit von Crystal Meth. "Eine ihrer Betreuerinnen sagte, wenn Du über Deine Erlebnisse ein Buch schreiben würdest, ich würde es kaufen", erinnert sich Danilo Schreiter.

Also ging er das Buchprojekt an. Nach mehreren Anfragen, Besuchen und Verhandlungen bei Verlagen sagte Schreiter zu seiner Schwester: "Weißte was, wir machen das selber!" Er gründete eine Ich-AG und ging beherzt ans Werk. Das Thema Crystal war damals noch völlig neu und es gab keinerlei Literatur darüber. "Mit dem Buch haben wir gewissermaßen eine Tür aufgestoßen." Und der Erfolg des ersten selbst verlegten Buches gab Schreiter recht und beflügelte ihn für weitere Aufgaben. "Das Buch meiner Schwester verkaufte sich sehr gut, sie bekam Anfragen vom Fernsehen, vom Radio und wir organisierten öffentliche Lesungen", erinnert sich der Mildenauer.

Das war vor nunmehr zwölf Jahren und seither sind über hundert neue Titel dazugekommen. Aus heutiger Sicht wundert sich Schreiter, dass es überhaupt so gut geklappt hat. Denn mittlerweile weiß der gestandene Verlagschef, was er alles falsch gemacht hat oder was alles hätte schiefgehen können. "Es klingt vielleicht komisch. Aber der Vorteil war, dass ich überhaupt keine Ahnung vom Verlagswesen hatte und mich einfach ins Getümmel gestürzt habe."

Die Geschichte von der Namensfindung "Telescope Verlag" mag dafür ein Beispiel sein. Dass sein neuer Verlag einen Namen brauchte, war Schreiter klar. Nur welchen? "Als ich den Geyersdorfer Berg runtergefahren bin, lief ein Lied im Autoradio. Das hieß 'Kevin's Telescope'. Das fand ich irgendwie gut und dachte mir, so könnte ich doch meinen Verlag nennen: Telescope." Ein paar Tage später, beim Gewerbeamt, wurde dann der "Telescope Verlag Mildenau" offiziell eingetragen. Noch heute ist der Mildenauer mit seiner damaligen Idee zufrieden: "Telescope, auf Englisch geschrieben, versteht jeder und lässt auch viele Assoziationen zu", sagt er. Zwar gebe es hin und wieder auch Anfragen von Sternguckern, ob er astronomische Bücher im Angebot habe. Doch damit kann Schreiter beim besten Willen nicht dienen, obwohl sein Verlagsangebot breit gefächert ist.

Das Motto des Mildenauer Ein-Mann-Verlags ist ein Voltaire-Spruch: "Jede Art zu schreiben ist erlaubt - nur die langweilige nicht." Und mit dieser Maxime hat Schreiter offenbar Erfolg. Denn im Verlags Portfolio stehen Krimis, Reiseberichte, Short Storys, Lyrik oder autobiografische Notizen. Das Geschäft läuft so gut, dass Verlag und Autoren etwas davon haben.

Aber selbst nach zwölf Jahren ist Verlagschef Schreiter noch immer nicht der Zauberformel für einen Bestseller auf die Schliche gekommen. "Ob ein Buch gut läuft oder nicht, kann man vorher nicht sagen. Es gibt welche, wo man sich wundert, dass sie weggehen wie warme Semmeln. Und andere, denen man das wünscht, versauern im Regal", fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Schreiters allerneuestes Projekt "Männerleben" feiert in Leipzig Premiere. Autorin Miriam Gudrun Sieber hat darin Männer aus den Jahrgängen 1924 bis 2000 nach ihrem Leben befragt. Schreiter und die Autorin kennen sich schon seit Jahren. "Was mir sehr gut an Danilo gefällt ist, dass er seinen Autoren den Freiraum lässt, den sie brauchen. Er redet ihnen nicht rein und respektiert sie. Hier herrscht ein eher familiärer Umgang. Und das ist der Vorteil gegenüber großen Verlagshäusern."

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