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Hühner, Enten, Tauben, Zwerghühner, Hasen, Wachteln, Schafe, Katzen und Fische: Auf der Scheibenberger Hühnerfarm geht es tierisch zu.

Foto: D. Märkisch

Warum auf der Hühnerfarm nicht nur Zweibeiner zuhause sind

Vor mehr als 140 Jahren wurde der Scheibenberger Rassegeflügel-Zuchtverein gegründet - mit einem eigenen Gelände. Dass es das Areal noch immer gibt, ist nicht selbstverständlich und hat auch etwas mit Pragmatismus zu tun.

Von Denise Märkisch
erschienen am 07.12.2017

Scheibenberg. Mehr als 19 Kilogramm Geflügel verzehrt der Deutsche laut Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im Durchschnitt pro Jahr. Hinzukommen mehr als 200 Eier beziehungsweise Eiererzeugnisse. Die meisten Menschen kaufen Fleisch und Eier im Supermarkt, beim Fleischer, im Biomarkt oder direkt vom Bauern. Und dann gibt es Menschen, die kümmern sich selbst, züchten Geflügel, halten Legehennen. Eben zu jenem Menschenschlag gehören die Mitglieder des Rassegeflügelzuchtvereins (RGZV) Scheibenberg.

Gegründet wurde der Verein 1876. Damals war Geflügelzucht für viele eine Notwendigkeit, um überleben zu können, erzählt Karin Heß, stellvertretende Vorsitzende und gute Seele des Vereins. Und da in der Stadt nicht jeder ein geeignetes Grundstück für einen Hühnerstall oder andere Geflügelarten besaß, entstand am Stadtrand eine Hühnerfarm. Zu Hochzeiten hatte der Verein um die 100 Mitglieder. Derzeit sind es 22, erzählt Karin Heß. 14 von ihnen haben ihre Tiere auf der Hühnerfarm an der Wiesenstraße untergebracht. Die anderen besitzen in Scheibenberg beziehungsweise Oberscheibe eigene Grundstücke. Dass es die Hühnerfarm und den Verein in der Form auch mehr als 140 Jahre nach der Gründung überhaupt noch gibt, kommt nicht von ungefähr.

Vor einiger Zeit sah es ziemlich schlecht aus. Züchter konnten sich aus Altersgründen nicht mehr um ihre Parzelle kümmern, es mangelte an Nachwuchs, Teile der Hühnerfarm verwucherten. Die Mitglieder überlegten sogar bereits, eine etwa ein Hektar große Wiese, die ebenfalls zur Farm gehört, an die Stadt zurückzugeben, weil sie niemand mehr bewirtschaften konnte. Doch es ging wieder bergauf. Und das hatte mit einer ordentlichen Portion Pragmatismus zu tun. So werden schon seit Längerem nicht mehr nur Hühner und Co auf dem Areal gezüchtet. Einige Parzellen dienen eher als Garten für Erholungssuchende. "Das hätte es früher nicht gegeben", erzählt Karin Heß. Denn eigentlich legten die Mitglieder immer großen Wert darauf, dass die Pächter den Vereinszweck auch erfüllen. Doch mit der Zeit änderte sich das. Manchmal muss man sich eben im Kleinen ändern, um das Große zu erhalten. Da wundert es nicht, dass auf der Hühnerfarm mittlerweile auch Schafe leben. So wird die große Wiese gepflegt und bleibt der Farm erhalten. Im wahrsten Sinn ein tierischer Kompromiss.

Nicht nur der Mitgliederschwund machte dem Verein in der Vergangenheit zu schaffen. Auch die Vogelgrippe bereitet dem RGZV noch heute Sorgen. So konnte aufgrund der Stallpflicht die traditionelle Geflügelausstellung im Januar nicht stattfinden, was die Scheibenberger in finanzielle Nöte brachte. Die Einnahmen werden benötigt, um das Vereinshaus in Schuss zu halten. In den 1950er Jahren wurde es von Vereinsmitglieder gebaut und ist noch heute das Zentrum der Vereinsarbeit. Früher befand sich darin sogar eine Gaststätte, heute können die Räume auch für private Feiern gemietet werden. Um die Verluste wettzumachen, sprang die Stadt ein und gewährte dem Verein einen Zuschuss in Höhe von 1000 Euro. "Wir hoffen, dass im kommenden Jahr wieder eine Geflügelschau durchgeführt werden kann", sagt Kay Josiger. Er gehört zu den jüngeren Mitgliedern im Verein und ist seit etwa acht Jahren dabei.

Doch warum wird man Geflügelzüchter? "Ich möchte meinen Kindern vermitteln, wo Lebensmittel herkommen. Und wenn ich Fleisch essen möchte, muss ich auch Tiere töten", erklärt Josiger. Und Karin Heß ergänzt: "Es geht auch um die Liebe zum Tier und darum, sich selbst zu versorgen." Gerade in Zeiten von Lebensmittelskandalen spiele Letzteres eine große Rolle.

 
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