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Umstritten: Die Elefanten im Zirkus Afrika.

Foto: Thomas Wittig

Zirkus und sein Dachverband wollen Kreisstadt verklagen

Mit Elefanten im Gepäck beginnt heute das Unternehmen Afrika sein Gastspiel in Annaberg. Wegen eines Wildtierverbots, das der Stadtrat abgenickt hat, ist ein Auftritt auf kommunalen Flächen untersagt. Doch wie lange noch?

Von Thomas Wittig
erschienen am 17.05.2018

Annaberg-Buchholz. Hardy Weisheit redet sich schnell in Rage, wenn es um das Thema Wildtierverbot geht. Der Zirkus-Afrika-Chef hat für derlei Festlegungen kein Verständnis. Dabei ist er aktuell genau damit konfrontiert. Weil sein Zirkus mit drei Elefanten in Annaberg-Buchholz gastiert, muss er auf eine private Wiese ausweichen. Kommunale Flächen der Kreisstadt sind für Zirkusse mit Wildtieren tabu. Das hat der Stadtrat im Januar 2017 beschlossen. Nachdem das Landratsamt die Stadt aufgefordert hatte, den Beschluss zurückzunehmen, bestätigte die Mehrheit des Gremiums Anfang dieses Jahres sogar noch einmal die ursprüngliche Abstimmung. Als Wildtiere gelten dabei etwa Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde.

Begründet wurde der Beschluss damals unter anderem damit, dass solche Tiere auch bei der Haltung nach den vorgeschriebenen Zirkusleitlinien erhebliche Schäden wie chronische Erkrankungen und Verhaltensstörungen entwickeln. Oberbürgermeister Rolf Schmidt (FWG) ging noch einen Schritt weiter. Er bezeichnete die Haltung von Wildtieren im Zirkus als Tierquälerei.

Dagegen will sich Hardy Weisheit jetzt zur Wehr setzen. Gemeinsam mit dem Verband deutscher Zirkusunternehmen (VDCU) soll die Stadt Annaberg-Buchholz verklagt werden. Sein Ziel ist es, eine Aufhebung des Wildtierverbotes zu erreichen. "Einen solchen Prozess werden wir mit Sicherheit gewinnen", ist sich der 1. Vorsitzende des VDCU, Dieter Seeger, sicher. Er verweist dabei auf Grundsatzurteile in der Sache. So hat im März 2017 das niedersächsische Oberverwaltungsgericht im Sinne der Zirkusse geurteilt. Danach dürfen Kommunen reisenden Zirkussen die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen bzw. Plätze nicht verbieten, wenn die Betriebe über eine tierschutzrechtliche Erlaubnis zum Mitführen von Wildtieren verfügen. "Darüber hinaus greift das Wildtierverbot auch unzulässig in die Freiheit der Berufsausübung von Zirkusunternehmen ein, denen das Mitführen von Wildtieren auf diese Weise nicht mehr möglich sein soll", heißt es in dem Urteil weiter.

Außer vom Zirkus und seinem Dachverband droht der Stadt zudem vonseiten der Landesdirektion Ungemach. Sie prüft aktuell den Widerspruch der Kreisstadt zur vom Landratsamt geforderten Aufhebung des Ratsbeschlusses Wildtierverbot, sagt Gunter Gerick, stellvertretender Pressesprecher der Chemnitzer Dienststelle der Landesdirektion.

Derweil wird der Zirkus wie in der Regel an jedem Auftrittsort auch in Annaberg vom Veterinäramt kontrolliert. Geprüft würden dabei insbesondere die Dokumente, Tiergesundheit, Haltungssysteme, Transportfahrzeuge, Ernährung und tierärztliche Betreuung, sagt Stefan Pechfelder vom Landratsamt. In Glauchau Ende April, einem der bislang letzten Auftrittsorte des Zirkus Afrika, wurden bei einer solchen Kontrolle keine Mängel festgestellt.

"Ich liebe meine Tiere", erklärt Hardy Weisheit. Die Elefanten habe sein Vater in den Zirkus geholt, da sei er noch ein Kind gewesen. Mit ihnen werde heute nichts anderes gemacht als das, was sie früher gelernt haben. "Wir lassen die Elefanten keine für sie unnatürlichen Kunststücke vollführen wie etwa einen Handstand", so der Zirkus-Chef, der sich insbesondere von der Tierrechtsorganisation Peta verfolgt fühlt. Diese bezeichnet den Zirkus Afrika als einen der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes. "Immer wieder setzt sich der Zirkus über behördliche Vorgaben und das Tierschutzgesetz hinweg", behauptet Peta-Mann Peter Höffken. Eine Chronik im Internet soll die Verfehlungen aufzeigen. Eine ähnliche Abhandlung findet sich bei Peta auch über den Zirkus Krone - nach eigenen Angaben der größte Europas.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
1
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  • 18.05.2018
    17:35 Uhr

    cn3boj00: Ich hoffe diese Klage hat Erfolg. So lange in Deutschland ganz offiziell Nutztiere gequält werden dürfen ist diese Kampagne vermeintlicher Tierschützer einfach nur verlogen. Jedem Zirkustier (wieso Wildtiere?) geht es in der Regel besser als den Tieren, die wir für unsere Ernährung halten.
    Aber klar, unsere Politiker sind immer die Klügsten, sie sind natürlich auch klüger als Tierärzte. Mit solchen Aktionen kann man ja schön von den wichtigen Themen ablenken.

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