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Zwei Postkarten führten Elke Schäf zu den Vorfahren ihres Mannes.
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Zwei Postkarten, Onkel Arthur und eine Reise nach Neuseeland

Elke Schäf fährt ans andere Ende der Welt. Warum? Sie besucht Familie. Dass es die dort gibt, wusste die Annabergerin lange nicht. Doch dann stieß sie plötzlich auf etwas sehr Interessantes und begann zu recherchieren.

Von Denise Märkisch
erschienen am 12.02.2018

Annaberg-Buchholz/Greymouth. Es ist eine Freundschaft, die mit einer mehr als einhundertjährigen Postkarte beginnt. Als die Annabergerin Elke Schäf im Jahr 2013 den schriftlichen Nachlass ihres verstorbenen Ehemannes archiviert, stößt sie auf zwei Postkarten und einen Brief. Adressiert ist die Post an Carl und Marie Schäf. Der Absender -ein gewisser Arthur - trägt denselben Nachnamen. Doch es gibt ein paar Unterschiede. Zum einen wird das "ä" als "ae" geschrieben. Zum anderen wohnt der Absender nicht im Erzgebirge, Sachsen oder irgendwo anders in Deutschland, sondern im mehr als 18.000 Kilometer entfernten Neuseeland - nur die Luftlinie betrachtet. "Da wurde die Sache für mich interessant", erzählt Elke Schäf.

Zwar habe ihr Mann ihr von einem Onkel Arthur in Neuseeland erzählt. Doch wirklich ernst nahm Schäf diese Berichte eigentlich nicht, gibt sie zu. "Viele hätten ja gern den legendären Onkel in Amerika, oder eben Neuseeland, gehabt." Doch die Postkarten an den Urgroßvater und die unverheiratete Urgroßtante - auf einem Poststempel lässt sich die Jahreszahl 1904 erahnen - waren der Beweis: Es gab diesen Onkel Arthur wirklich und er lebte tatsächlich in Neuseeland.

Diese Geschichte interessierte Elke Schäf und sie begann zu recherchieren. Im Internet wurde sie fündig. Sie stieß auf den Namen Graham Schaef in Greymounth/Neuseeland. Aus eben jenem Ort wurden auch die Karten vor mehr als 100 Jahren abgeschickt. "Ich setzte meine etwas verrosteten Schreibkünste in englischer Sprache frei und schrieb an diesen Mister einen langen Brief", so die Annabergerin. Kopien der alten Postkarten legte sie bei - quasi als Beweis für die Richtigkeit ihrer Angaben. Schneller als gedacht antwortete ihr Graham Schaef vom anderen Ende der Welt. In seiner Familie gab es tatsächlich einen Arthur Schaef, er war der Großonkel von Graham. Ein Jahrhundert nach dem Versenden der kleinen Postkarten, hatte die Familie also wieder Kontakt.

Zwischen Graham Schaef und Elke Schäf begann ein reger Brief- und E-Mail-Wechsel. "Er freute sich sehr über die Kontaktaufnahme." Und der Neuseeländer konnte die Familiengeschichte weiter aufdröseln. Der Urgroßvater von Graham - Gustav Moritz Schaef - betrat bereits 1866 neuseeländischen Boden. Der Tischlermeister aus Leipzig reiste über England und Australien in den Inselstaat. Er blieb. Seine Brüder Guido und Arthur taten es ihm gleich. Ende des 19. Jahrhunderts wanderten auch sie nach Neuseeland aus. Die Schaefs - den Umlaut "ä" gibt es in der englischen Sprache nicht - heirateten, wurden sesshaft. Diese Zeit sei eine Epoche des Aufbruchs in dem Land gewesen, erklärt Elke Schäf. Viele Europäer suchten damals ihr Glück in Neuseeland. "Es war ein bisschen wie eine Goldgräberzeit." So kam es, dass sich die Schäfs über die Welt verteilten.

Nach der ersten Kontaktaufnahme der Nachfahren entwickelte sich eine Freundschaft. "Wir entdeckten viele Gemeinsamkeiten wie die Liebe zur Natur, Geschichte, Musik und soziales Engagement", berichtet Elke Schäf. Die Annabergerin unterstützt seit Jahren armenische Familien. Graham Schaef wiederum hilft Benachteiligten über den Lions Club. Der gelernte Konditor kocht unter anderem für sozial Schwache. Und nun treffen sich die beiden auch endlich persönlich. Am Wochenende machte sich Elke Schäf mit ihrem Sohn auf den Weg nach Neuseeland. Drei Wochen erkunden sie das Land von Auckland bis Christchurch. Danach holt sie Graham Schaef ab. "Wir werden Zeit mit ihm in Greymounth verbringen." Natürlich soll dabei auch der Familienstammbaum unter die Lupe genommen werden. "Dann werde ich erfahren, wie der Lebensweg von Onkel Arthur verlaufen ist."

 
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