Älteste deutsche Schmalspur-Lok dampft in Schönheide

Sie wurde in ihre Einzelteile zerlegt und auf Herz und Nieren geprüft. Nach einem Jahr hat der Verein die Dampflok, Baujahr 1892, wieder in Betrieb genommen.

Schönheide.

Der 1500 Liter fassende Wasserbehälter ist gefüllt, der Kessel wurde gereinigt, die Holzscheite zum Anfeuern liegen parat - die Dampflok 99 516 ist bereit für die Sommerdampf-Fahrt am kommenden Wochenende bei der Museumsbahn in Schönheide. Das neue Zugpferd ist die älteste betriebsfähige Dampflok Deutschlands. Ein Jahr lang wurde sie in Marienberg bei der alle acht Jahre vorgeschriebenen Hauptuntersuchung in ihre Einzelteile zerlegt und geprüft. Nach dem Probelauf hat der Verein sie jetzt wieder in Betrieb gestellt.

Matthias Büttner, Eisenbahnbetriebsleiter in Schönheide, bezeichnet es als Glücksfall, dass es seit 2015 die Förderrichtlinie "Sächsische Schmalspurbahnen des Freistaates Sachsen" gibt. Die macht es möglich, dass auch Eisenbahnen, die nicht den öffentlichen Nahverkehr bedienen, Fördergeld bekommen können. Erst mit der 75-prozentigen Förderung, den Spenden und der Unterstützung der Gemeinden Schönheide und Steinberg konnten die kostenintensiven Arbeiten zur Hauptuntersuchung in Auftrag gegeben werden. Büttner beziffert die Kosten auf rund 200.000 Euro. "Wir sind sowohl im finanziellen als auch im zeitlichen Rahmen geblieben, was bei solchen Arbeiten sehr selten ist. Das hat uns gefreut."

Die Dampflok, gebaut 1892 in der Sächsischen Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann, in Chemnitz, ist Eigentum der Gemeinde Steinberg. Im Ortsteil Rothenkirchen stand sie nach der Stilllegung der Schmalspurbahnstrecke Wilkau-Haßlau-Carlsfeld im Jahr 1975 viele Jahre vor dem ehemaligen Bahnhof. 1996 wurde sie zur Wartung an den Verein Museumsbahn Schönheide übergeben. "Als Dauerleihgabe für 99 Jahre", erklärt Matthias Büttner. 99 - wie die Baureihe, von denen es bei der Museumsbahn zwei weitere Dampfloks - 99 582 und 99 585, beide Baujahr 1912 - sowie eine Diesellok - 99 051 - gibt.

Der Verein Museumsbahn Schönheide hat rund 100 Mitglieder, um die 20 gehören zum aktiven Kern, auf die der Vereinsvorsitzende Mike Förster zu den Fahrtagen und bei Arbeitseinsätzen immer zählen kann. Allein der Fuhrpark der Museumsbahn, zu dem auch noch vier Reisezugwagen, ein Aussichtswagen, zwei Güter- und zwei Packwagen gehören, bedeutet immer reichlich Arbeit. Reisezugwagen oder Gepäckwagen kommen zur Hauptuntersuchung auf die eigene Arbeitsplattform am Lokschuppen in Schönheide. Auf die komplizierteren Sachen hat sich Uwe Mehnert, bei der RVE Marienberg für Schienenfahrzeuge zuständig, spezialisiert. "Unsere Lok ist richtig gut geworden, wir sind zufrieden", lobt Förster dessen Arbeit. Matthias Büttner ergänzt und kommt dabei ins Schwärmen: "Die Kurvenleitfähigkeit dieser Lok wird von keiner anderen erreicht. Mit den zwei Drehgestellen schlängelt sie sich durchs Gebirge wie ein Otter. Und sie ist wirtschaftlich. Weil der Dampf zweimal genutzt wird, ist sie sparsam im Kohle- und Wasserverbrauch."

Was die Besucherzahlen in diesem Jahr betrifft, so sei man mehr als zufrieden, sagt Mike Förster. Bei den Fahrten habe man einen regelrechten Ansturm erlebt. Trotzdem bleibt es dabei, dass die Bahn nur stündlich fahren kann, denn nach zweimal 4,5 Kilometer zwischen Schönheide und Stützengrün-Neulehn müssen immer wieder die Wasservorräte neu aufgefüllt werden. Bevor es zu Fahrtagen losgehen kann, ist anheizen angesagt. "Ganz sachte", sagt Mike Förster. Die 1500 Liter müssen zum Kochen gebracht werden. Das geschieht bei 200 Grad Celsius, weil hoher Druck herrscht. Bevor die Lok losfahren kann, braucht es um die sechs Stunden. Das heißt also, dass die erste Mannschaft ihren Dienst in der Nacht zwischen 3 und 3.30 Uhr antritt. Zum Sommerdampf am 16. und 17. Juni startet die erste Bahn 10 Uhr ab Schönheide, dann 11 Uhr, 13.15 Uhr, 14.05 Uhr, 15 und 16 Uhr. Die Fahrt 17 Uhr fällt aus, weil der Zug für die Sommernachtsfahrt vorbereitet werden muss, die 19 Uhr ab Schönheide nach Stützengrün-Neulehn startet, wo das Bahnsteigfest stattfindet.

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