Werbung/Ads
Menü

Themen:

So ein Feuerwehrauto wünscht sich Eveline Fischer aus Sosa für das Dorf Petrova in Rumänien.

Foto: imago stockBild 1 / 2

Frau aus Sosa kämpft um Feuerwehrauto für Rumänien

Eveline Fischer hilft seit Jahren im ärmsten Land der EU. Doch was sie jetzt plant, wird kein schneller Rettungseinsatz.

Von Heike Mann
erschienen am 01.12.2017

Eibenstock/Sosa. Eveline Fischer war so nah dran. Fast hätte sie das Feuerwehrauto für Rumänien gehabt. Sie war sich eigentlich sicher, ein bei der Annaberger Stadtwehr ausgemustertes Fahrzeug kaufen zu können. Doch bei ihrer letzten Nachfrage kam die Ernüchterung: Das Fahrzeug, ein W50, wurde zur Versteigerung gegeben.

Die Vorgeschichte: Die 60-jährige Sosaerin fährt seit zwölf Jahren einmal im Jahr nach Rumänien. Ausgangspunkt war, dass bei einer Verstorbenen aus ihrer entfernten Verwandtschaft der Hausstand aufgelöst wurde. "Die guten Sachen in die Tonne werfen, das wollte ich nicht, zumal ich über einen Bekannten aus Rumänien wusste, was für Zustände dort herrschen", berichtet Eveline Fischer. "Also bin ich aufs Geratewohl nach Siebenbürgen gereist und habe dort die Sachen verteilt. Und weil ich alles so gut losgekriegt habe, wollte ich wieder hin."

Seit ein paar Jahren steuert sie das Dörfchen Petrova im Norden Rumäniens an der Grenze zur Ukraine an. Dorthin bringt sie regelmäßig Kleidung, Schuhe und Spielzeug, die ihr Leute aus Sosa und Umgebung bringen. Von Petrova hatte sie einen TV-Bericht über ein Hochwasser in der Region gesehen. "Dort gibt es nur eine ganz alte Feuerwehr, die gar nicht richtig funktioniert. Voriges Jahr ist erst ein Stall abgebrannt, mit allem Vieh darin. Es kommt ja keiner in die bergige Region", sagt die Sosaerin. So kam sie auf die Idee, ein ausgemustertes Fahrzeug in Deutschland zu beschaffen. Es ist der größte Wunsch der Menschen in Petrova.

Die Bilder, die sie bei ihren Reisen nach Rumänien gemacht hat, bestätigen, dass es das ärmste Land innerhalb der EU ist. Im Südosten Rumäniens, wo rund 30 Prozent der Bevölkerung leben, beträgt das Pro-Kopf-Einkommen knapp 100 Euro pro Monat. Ein Fünftel der Beschäftigten lebt in Erwerbsarmut.

Eveline Fischer ist enttäuscht, dass es mit dem Feuerwehrauto aus Annaberg nun nichts geworden ist. Jens Schlegel, Stadtwehrleiter von Annaberg, relativiert: "Als es die Anfrage aus Sosa gab, habe ich das mit vorgemerkt. Es gab aber von Anfang an mehrere Bewerber." Festgelegt ist, dass man bei einer Neuanschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs ein altes verwerten muss. "Die Entscheidung, die Feuerwehr nicht kostenlos als Spende nach Rumänien abzugeben, sondern sie zur Versteigerung zu bringen, habe nicht ich getroffen, sondern meine Vorgesetzten, also der Oberbürgermeister. Das Fahrzeug ist ja Vermögen der Stadt", sagt Schlegel. Das müsse verwertet werden. Er verstehe allerdings nicht, warum die Sosaerin nicht an der Versteigerung teilgenommen hat bei einem Anfangsgebot von 1200 Euro. Die Versteigerung war am vergangenen Freitag in Chemnitz. Laut Schlegel wurde dieAnnaberger Feuerwehr für 2700 Euro ersteigert.

Eveline Fischer begründet, warum sie nicht an der Versteigerung teilgenommen hat: "Befreundete Feuerwehrleute haben mir abgeraten. Zu solchen Versteigerungen würden Bieter mit dicken Brieftaschen kommen, da könnte ich nicht mithalten." Einer, der ihr abgeraten hat, ist Jens Müller aus Sosa. Als Lehrer der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen, Mitglied der Christlichen Feuerwehr-Vereinigung und Mitglied der Feuerwehr Sosa kennt er sich aus und weiß, wo Fahrzeuge ausgemustert werden. Er will helfen. "Zunächst werden wir noch mal Kontakt nach Rumänien aufnehmen und konkret abfragen, was gebraucht wird", erklärt er auf Nachfrage. Er denkt, dass er mit dem Hilfsverein Unterkarpaten, in dem er aktiv ist, eine Anlaufstelle für Spenden findet.

"Wenn ich etwas verspreche, dann soll es auch werden", betont Eveline Fischer. Deshalb will sie die Sache mit der Feuerwehr bis zum nächsten Sommer geklärt haben. Wer ihr einen Tipp geben kann, wo eine geeignete Feuerwehr zum Verkauf steht, kann sich bei ihr melden.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
1

Lesen Sie auch

Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 01.12.2017
    21:30 Uhr

    Olbernhauer: Rumänien ist nicht das ärmste Land der EU sondern Bulgarien!
    Schaut doch einfach bei truscout24.de und kauft euch eine Feuerwehr, oder ersteigert eine.
    Verstehe nicht warum man alles geschenkt haben möchte. Oder etwas verschenken will, aber nichts ausgeben.

    0 1
     
Bildergalerien
  • 08.12.2017
Ralph Köhler
K&S Residenz in Zwickau feierlich eröffnet

In Zwickau hat ein "Pflege-Campus" an der Schillerstraße am Donnerstag seine Tore geöffnet. Die Frage wieso ein norddeutsches Unternehmen in Zwickau 27 Millionen Euro in einen „Pflege-Campus“ investiert, weiß Ulrich Krantz, Vorstandsmitglied der K&S-Unternehmensgruppe so zu beantworten: Sein Vater und Firmengründer Hans-Georg Krantz ist gebürtiger ... Galerie anschauen

 
  • 03.12.2017
Eberhard Mädler
Märchenweihnachtsumzug lockt Besucher nach Eibenstock

Zum 20. Mal hat am Samstag der Märchenumzug in Eibenstock stattgefunden. ... Galerie anschauen

 
  • 23.11.2017
André März
Erneut Pkw-Brand in Annaberg

Ein Mazda ist in der Nacht zu Donnerstag in Annaberg-Buchholz ausgebrannt. ... Galerie anschauen

 
  • 15.11.2017
Victor R. Caivano
Bilder des Tages (15.11.2017)

Demonstration, Blende zu, Ohne Worte, Rauchsäule, Über den Wolken, Kräne, Unter Wasser ... ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Aue
Sa

3 °C
So

2 °C
Mo

1 °C
Di

1 °C
Mi

5 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schneeberger Str. 17
Telefon: 03771 594-0
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
Neu
Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

Zum Facebook-Auftritt

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm