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Als Gisela Männel vier, fünf Jahre war, fiel ihr roter Spangenschuh in einen Brunnen. 60 Jahre später hat sie den Schuh wieder in Händen.

Foto: Antje Henkel

Frau findet ihren Kinder-Schuh nach 60 Jahren wieder

Ein Erlebnis in ihrer Kindheit beschäftigte Gisela Männel ein Leben lang. Wie kann man im Museum Zwönitz erfahren.

Von Heike Mann
erschienen am 16.05.2017

Zwönitz/Neuwürschnitz. Schöne rote Spangenschuhe hatte Gisela Männel aus Neuwürschnitz als kleines Mädchen von vielleicht vier Jahren. Die Geschichte, die damit für sie verbunden ist, hat die Frau jetzt Antje Henkel vom Museum Papiermühle Zwönitz erzählt. Dort wird die Ausstellung "Zwönitzer Schuhgeschichten" am 21. Mai eröffnet.

An den schönen Schuhen hatte die kleine Gisela nicht lange Freude. Denn einer davon landete im Brunnen. Wie das kam? "Als Kind habe ich oft am abgedeckten Brunnen gesessen und in die Lücke zwischen Pumpenstein und dem Ständer aus Holz Steine geworfen. Dann hat man gehorcht und gewartet, bis es klatscht", erzählt die heute 80-Jährige. Was sie irgendwann geritten hat, einen ihrer Schuhe dort hinein zu werfen, kann sie heute nicht mehr sagen. Jedenfalls muss sie darüber sehr erschrocken gewesen sein. Jemand aus der Familie ist damals wohl noch in den Brunnen gestiegen, fand dort aber nichts.

60 Jahre später, Gisela Männel hatte das Haus ihrer Eltern übernommen, sollte beim geplanten Pflastern des Hofes auch der besagte Brunnen mit gereinigt werden. Dem Schwiegersohn, der mit hinab stieg, trug Gisela Männel auf, doch nach ihrem Schuh aus Kindertagen zu schauen. "Mir hing das all die Jahre an, ich habe nie vergessen, dass er in dem Brunnen liegt." Und tatsächlich: Nachdem mehrere Eimer mit Schlamm vom Boden des Brunnens heraufgeholt worden waren, lag in einem der Kinderschuh obenauf. Nachdem er gesäubert und getrocknet war, kam er zu den anderen Kindheitserinnerungen, mit denen Gisela Männel ein Regal im Treppenhaus gefüllt hat. "Er stammt schließlich aus einer Zeit, wo es nicht so viel gab, Schuhe nur auf Bezugsschein", erklärt die Neuwürschnitzerin, warum der rote Kinderschuh so eine Bedeutung für sie hat. Er ist heute übrigens ein Einzelgänger. Die Mutter hat den anderen wohl weggeworfen, weil er ja einzeln nicht mehr von Nutzen war.

Mittlerweile hat Antje Henkel vom Zwönitzer Museum noch weitere Schuh-Geschichten für die Ausstellung zusammengetragen. Da ist zum Beispiel die von einem Mann, der bei einem Skiunfall vor dem Schlimmsten bewahrt wurde, weil die Sohle am Schuh festhielt. Oder die Sache mit den "Leichenschuhen". Die waren zu DDR-Zeiten in Italien beschafft worden. Es gab Beschwerden von Leuten, die sie gekauft hatten, denn bald darauf zerfielen sie. Daraufhin wollte man sie reklamieren, bekam aber von den italienischen Lieferanten zu hören, dass das bei Leichenschuhen so sein müsse. Offenbar hatte es ein Sprachproblem gegeben ...

Die Sonderausstellung in der Zwönitzer Papiermühle bezieht sich vor allem auf die Trommlersche Schuhfabrik. Das Museum hatte bereits eine Sammlung von Schuhen aus der über 100-jährigen Geschichte der Schuh-Produktion in Zwönitz. Die Schuhfabrik war auch einer der Hauptabnehmer von Pappen, die in der Papiermühle hergestellt wurden. Stiefel, die einst ein Arbeiter aus der Mühle getragen haben könnte, Holzpantinen und Bastschuhe sind ausgestellt. Der älteste Schuh in der Ausstellung stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Geschichte der Schuhproduktion in Zwönitz begann mit der Gründung der Trommlerschen Fabrik 1889 und endete 1992, als der Volkseigene Betrieb (VEB) Schuhfabrik Zwönitz in Insolvenz ging.

Für Antje Henkel ist es gleichzeitig ihr Praxisprojekt in ihrem Fernstudium für Bildungs- und Kulturmanagement. Bestandteile der Ausstellung sind auch eine Schusterwerkstatt, wie sie um 1900 ausgesehen hat, und die Ergebnisse eines Kunstprojekts zum Thema "Der Schuh - Begleiter unseres Lebensweges", das Antje Henkel mit Schülern der 6. bis 8. Klasse des Gymnasiums Zwönitz durchgeführt hat.

 
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