Mysteriöser Brummton nicht nur in Aue zu hören

Die einen nehmen das Geräusch wahr, andere zucken mit den Schultern. Doch das Phänomen ist keine Einbildung. Es hinterlässt rund um die Welt Spuren.

Aue.

Die ersten, die über das Brummen berichteten, waren Senioren vom Eichert und vom Brünlasberg in Aue. Da hätte man das Geräusch wohl noch als Hörschaden abtun können. Zumal mehrere Leute, die den Tiefton angeblich ebenfalls gehört hatten, dies plötzlich nicht mehr bestätigen wollten. Vielleicht war es ihnen peinlich, über ein Geräusch zu reden, das die meisten Menschen nicht wahrnehmen.

Sascha Lucas (38) aus Aue-Neudörfel kennt das Brummen auch, und er hat kein Problem, darüber zu sprechen. "Ich höre diesen Ton seit etwa drei bis vier Jahren", erzählt er. "Er ist praktisch immer vorhanden, besonders deutlich ist er nachts, wenn andere Umgebungsgeräusche verschwinden." Lucas beschreibt das Geräusch als "ein Brummen wie von einem entfernten Lkw-Motor". Aber er hört es nicht auf der Straße, sondern im Haus. "Manchmal ist es extrem, dann habe ich das Gefühl, dass die Wände mitschwingen."

In seiner Familie ist er der einzige, der das Brummen deutlich wahrnimmt. "Meine Frau hört es manchmal, aber sie muss sich darauf konzentrieren", sagt er. Sein Vater zuckt mit den Schultern. Er hört nichts.

Eine Frau aus der Hubertusstraße, die ihren Namen nicht preisgeben möchte, bestätigt das Vorhandensein des Brummens ebenfalls. "Es ist ein vibrierender, tiefer Ton", erzählt sie. "Als würden Flugzeuge in großer Höhe über Aue hinwegfliegen. Es ist häufiger geworden."

Alle Betroffenen rätseln über die Quelle des Brummens, ohne eine zufriedenstellende Antwort zu finden. Infraschall, vermutet Sascha Lucas. Aber woher? Mit dieser Frage stehen die Auer nicht allein. Der rätselhafte Brummton ist offenbar ein weltweites Phänomen. Der Kanadier Glen MacPherson hat auf einer Internetseite mehr als 9000 Menschen erfasst, die angeben, das Brummen zu hören - und das sind nur die, die sich bei MacPherson gemeldet haben.

Vor einigen Jahren ist sogar eine staatliche Behörde dem Brummton nachgegangen. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg nahm Messungen vor und ließ Betroffene in einer Klinik untersuchen. Die Ursache blieb unerkannt.

Iris Schmonsees (44) aus Bremerhaven hilft dabei, ein Netzwerk aus Betroffenen aufzubauen. "Wir sind mehr als nur ein paar Leute", bekräftigt sie. "Deshalb wollen wir uns vernetzen." Schmonsees hört das Brummen seit etwa vier Jahren: "Es klingt, wie ein Lkw im Standgas."

Einen fundierten Verdacht, woher es tatsächlich kommt, hat aber auch sie nicht. "Wir wissen es einfach nicht", sagt sie. "Deshalb sehen sich die Behörden auch außerstande, tätig zu werden." In Aue stand vorübergehend die Abluftanlage auf dem Wismut-Wetterschacht 382 in Bad Schlema im Verdacht, der Verursacher zu sein. Aber das war wohl eine falsche Vermutung.

Eberhardt Kraus (82) vom Eichert, der vor vier Wochen als erster über den Brummton berichtet hatte, war zwischenzeitlich mit seiner Frau zur Kur in Franzensbad. "Dort hatte ich das lästige Geräusch nicht im Ohr. Es herrschte endlich einmal Ruhe", sagt er. Ein Indiz dafür, dass es sich weder um Einbildung, noch um einen Hörschaden handelt, sondern um eine Frequenz, die nur an bestimmten Stellen zutage tritt.

 

Betroffene: www.brummton.info

 

 

Die Datenbank: www.thehum.info

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
4Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    Patriotin
    18.03.2016

    Unterirdische Bergbau Projekte ?!.

  • 0
    1
    ColinMacLaren
    17.03.2016

    Super recherchiert. Die möglichen Erklärungen otoakustische Emissionen und Tinnitus, etwa verursacht durch Venenrauschen, können es nicht sein. Es muss etwas "Mysteriöses" sein.

  • 1
    0
    kauzig
    16.03.2016

    Hochspannungstrassen?

  • 1
    0
    Tauchsieder
    16.03.2016

    Infraschall ? Wo stehen die nächsten Windkraftanlagen ?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...