Prinzenhöhle macht weltweit Schlagzeilen

Medien aus England und Russland melden, das verschollene Bernsteinzimmer liege in der Höhle bei Hartenstein. Was ist dran an dieser Geschichte?

Aue/Schwarzenberg.

Nein, Peter Lohr (71) hat dieser Tage keine Zeit, das Bernsteinzimmer auszugraben. Er muss die Küche renovieren, das hat er seiner Frau versprochen. "Hör mir bloß auf", sagt der Techniker aus Chemnitz. "Als CNN anrief, habe ich die an den Günter verwiesen."

Günter, das ist Günter Eckardt (67), Diplom-Kulturwissenschaftler aus Schneeberg. Die Reporter des US-Nachrichtenkanals sind bisher nicht an ihn herangetreten, vielleicht weil er gerade mit einem Kollegen der russischen Tageszeitung Iswestija unterwegs war. Auch ein Kameramann eines russischen Senders sei da gewesen, erzählt Eckardt. Knapp drei Stunden habe er ihnen Auskunft über den bevorstehenden Sensationsfund geben müssen: Das Bernsteinzimmer, vergraben in der Prinzenhöhle bei Hartenstein.

Wie zuvor schon Peter Lohr winkt Eckardt ab. "So etwas habe ich nie behauptet." Trotzdem geht es seit einigen Tagen um die Welt: Deutsche Forscher, unter ihnen Eckardt und Lohr, vermuten das Versteck des seit 1944 verschollenen Kunstwerks in der Prinzenhöhe bei Hartenstein. Die britische Boulevardzeitung Daily Mail hat es so berichtet, das russische Nachrichtenportal Sputnik ebenfalls. Mit denen wollen aber weder Lohr noch Eckardt gesprochen haben.

Ausgangspunkt dieser verrückten Geschichte dürften zwei Artikel gewesen sein, die in der Bild-Zeitung erschienen sind. Initiator war der Freitaler Heilpraktiker Leonhard Blume (73), der sich vor einer Weile einen Diskurs mit Eckardt lieferte, in dem es um die historische Echtheit der Prinzenhöhle ging. War der 18 Meter lange Felsspalt im Hartensteiner Wald wirklich der Ort, an dem im Jahre 1455 Prinz Ernst von Sachsen als Geisel gehalten wurde? Eckardt meint nein, Blume sagt ja.

In der Schatzsucherszene geistert seit Jahren aber auch ein Papier herum, welches beweisen soll, dass ein ominöses Nazi-Kommando namens Gotensturm am Ende des Zweiten Weltkriegs Kunstschätze im Bereich der Höhle vergraben hat. Das Dokument stammt von einem Forscher aus Thüringen, der jedoch unter Schatzjägern umstritten ist, weil bisher noch niemand mithilfe seiner Tipps etwas gefunden hat. Der seriösen Forschung sind zudem keine Gotensturm-Einheiten bekannt.

Als Blume an einem Baum vor der Höhle etwas fand, das ihn an eine Seilnarbe erinnerte, war er elektrisiert. Sollte an der Sache doch etwas dran sein? "Davon bin ich überzeugt", sagte er der "Freien Presse". Der Bild-Zeitung verkaufte er die Geschichte unter dem Schlagwort "Bernsteinzimmer". Die Daily Mail schrieb bei Bild ab, Sputnik bei der Daily Mail. Die Story vom Bernsteinzimmer in der Prinzenhöhle machte sich auf den Weg um die Welt.

Messungen, die der Chemnitzer Techniker Peter Lohr mit seinem Georadargerät gemacht hat, legen durchaus nahe, dass die Prinzenhöhle ein Geheimnis bergen könne. Lohr ortete eine Anomalie, die auf einen Hohlraum hindeutet. Er formuliert das aber auch so zurückhaltend: "Eine Hohlraumanomalie, die wir weiter untersuchen müssen."

Die Prinzenhöhle ist ein alter Erzstollen. Nicht ausgeschlossen, dass sich die Bergleute damals auch in die Tiefe vorgearbeitet haben. Ob dieser Hohlraum später als Schatzversteck benutzt wurde, ist jedoch zweifelhaft. Günter Eckardt glaubt dennoch, dass man hier etwas finden kann. "Die Stelle ist heiß", meint er. "Es geht bloß nicht um das Bernsteinzimmer. Das habe ich auch den russischen Journalisten gesagt. Sie wollten wissen, wo das Bernsteinzimmer denn dann liegt. Es war mal im Kloster Grünhain versteckt, habe ich ihnen erklärt. Deshalb haben sie auch dort Aufnahmen gemacht."

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