Stimpel bekommt Orden für Flüchtlingsarbeit

Der Alt-Bürgermeister von Schneeberg erhält heute für seine Asylpolitik die höchste Ehrung Sachsens. Mit der Auszeichnung konnte er erst wenig anfangen - bis er googelte.

Schneeberg/Dresden.

Der Wendeaktivist Martin Böttger hat ihn, der Dirigent Kurt Masur nannte ihn sein eigen und auch das Politik-Ehepaar Ingrid und Kurt Biedenkopf ist stolzer Besitzer: Die Rede ist vom Sächsischen Verdienstorden, der höchsten Ehrung des Freistaats. 274 Ordensinhaber, die sich um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht haben, gibt es derzeit. Weitere zwölf Personen reihen sich heute ein - unter ihnen ist der CDU-Politiker und frühere Bürgermeister von Schneeberg, Frieder Stimpel.

"Ich bin erstaunt", sagt Stimpel in einer ersten Reaktion. "Das kommt aus heiterem Himmel." Mit der Ehrung, die ihm vor wenigen Tagen in einem Brief angekündigt worden sei, habe er erst wenig anfangen können. "Ich wusste zwar, dass es einen Verdienstorden gibt, kannte aber seine Wertigkeit nicht." Erst nach kurzer Google-Recherche im Internet sei ihm klar gewesen: Das ist nicht irgendeine Auszeichnung. "Ich freue mich natürlich."

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zeichnet ihn am Nachmittag gemeinsam mit anderen Bürgern, die sich in Politik, Wirtschaft und Kultur verdient gemacht haben, in der Schlosskapelle des Dresdner Residenzschlosses aus. In einer Erklärung hebt die Staatskanzlei vorab Stimpels Flüchtlingspolitik hervor. Der Bürgermeister a. D. habe im Jahr 2013 gegen alle Widerstände den Entschluss verteidigt, dass in der alten Kaserne in Schneeberg ein Erstaufnahmeheim für Asylbewerber eröffnet wird. "Dabei ließ er sich auch von Anfeindungen nicht einschüchtern", heißt es. Aktivitäten wie denen der Initiative "Schneeberg für Menschlichkeit" sei es zu verdanken, dass sich die Stimmung in der Stadt drehte. Stimpels Engagement mache Mut. Laut Staatskanzlei schlug Innenminister Markus Ulbig (CDU) ihn für die Ehrung vor.

Die Bergstadt war 2013 wegen der von NPD-Funktionär Stefan Hartung initiierten Lichtelläufe bundesweit in Negativschlagzeilen geraten. Hunderte Menschen demonstrierten damals gegen das Flüchtlingsheim. Eine Gruppe von Demonstranten belagerte im Zuge der Proteste sogar das Haus des früheren CDU-Bürgermeisters. "Es war eine intensive, anstrengende Zeit", sagt Stimpel heute. "Wir haben damals parteiübergreifend den Schulterschluss gesucht und sind dafür eintreten, dass die Asylbewerber in unserer Stadt anständig behandelt werden." Sich wegzuducken, sei nie in Frage gekommen. "Ich wurde als Christ erzogen. Wir dürfen die Menschen nicht im Regen stehen lassen. Manche scheinen auch zu vergessen, wie gut es uns geht."

Stimpel war bereits kürzlich die Malteser Dankplakette für seine Flüchtlingsarbeit verliehen worden. Über den Sächsischen Verdienstorden sagt er: "Diesen kann ich nur stellvertretend für die vielen anderen, die mitgeholfen haben, entgegennehmen." An die Auszeichnung sei zudem eine gewisse Verpflichtung geknüpft. "Sie bedeutet, dass man sich weiter einbringen muss. Und das habe ich vor."

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2Kommentare
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  • 1
    0
    Monali
    02.06.2016

    Solche Aktionen suggeriert: ?wenn du mit der Regierung konform bzw. "mitschwimmst" bist du was wert?. Also doch nur ein verstecktes Regierungs- Werbe/Marketing Instrument ausgeliefert durch Medien - konsumiert durch den Bürger? Ob das noch lange gut geht?

  • 1
    5
    Interessierte
    01.06.2016

    Sächsische Verdienstorden ...
    für Wendeaktivisten
    für Aufschwungpolitiker
    für Flüchtlingshelfer
    Alle , die sich um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht haben
    ( wenn das ´auch noch` mit Geld verbunden ist , sollte man das vielleicht weiter so tun ...

    Wie wurde man denn früher ausgezeichnet ...
    die Kommunisten wurden ausgezeichnet
    und Arbeiter mit dem Banner der Arbeit
    und Auszeichnung für Aktivisten
    ( oder wie hieß das ?

    Wir dürfen die Menschen nicht im Regen stehen lassen.
    Manche scheinen auch zu vergessen, wie gut es uns geht."
    ( stimmt ....



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