Studien-Abenteuer im Land des Lächelns und der Feuernadel

Claudia Lauber aus Johanngeorgenstadt hatte eine Ausbildung und einen Job. Dann schrieb sie sich mit 40 an einer großen Universität in China zum Studium ein, um eine etwas andere Medizin kennenzulernen.

Johanngeorgenstadt.

Die Wände in Claudia Laubers (43) Praxis in Johanngeorgenstadt hängen voller Zertifikate über Lehrgänge, die sie als Physiotherapeutin und Heilpraktikerin belegt hat. Fast 30 sind es, aber eine Urkunde sticht heraus. Sie ist in Chinesisch geschrieben. Es ist Laubers Abschluss an der international renommierten Universität von Guangxi in China. Drei Jahre lang hat Lauber dort studiert, um zu lernen, wie das funktioniert mit der Akupunktur oder den heißen Kräutern. Jetzt hat sie ihren Master in Traditioneller Chinesischer Medizin an der Wand hängen. "Wer hätte gedacht, dass ich als DDR-Kind jemals nach China komme?", sagt sie.

Claudia Lauber war ausgebildete Physiotherapeutin. Sie arbeitete in Praxen und Krankenhäusern. Ihr Leben schien geordnet. Bis ihr Vater schwer an Krebs erkrankte und sie praktisch gar nichts tun konnte, um sein Leiden spürbar zu lindern. "Damals sind mir meine Grenzen als Physiotherapeutin klar geworden", erzählt sie. Sie hängte eine zweite Ausbildung dran, die zum Heilpraktiker. Während ein Physiotherapeut nur äußerlich auf seinen Patienten einwirkt, kümmert sich ein Heilpraktiker auch um innere Faktoren.

Als Lauber dann gemeinsam mit dem chinesischen Arzt Qiging Chang im Klinikum Erlabrunn einen Krebspatienten betreute, entschied sie, dass ihre Ausbildung noch immer nicht zu Ende war. "Es war klar, dass unser Patient unheilbar krank ist", sagt sie. "Es ging darum, dass er trotz seiner Krankheit weiterhin am Leben teilnehmen kann. Die Akupunktur von Dr. Chang hat ihm geholfen. Bis zu seinem letzten Tag ist er Auto gefahren. Das hat mich beeindruckt."

Also schrieb sich Claudia Lauber an der Universität von Guangxi ein, die Traditionelle Chinesische Medizin lehrt: den Umgang mit Nadeln, Kräuterkunde, Ernährungslehre, Tuina-Massage, die Meditationstech-niken des Qigong. Drei Jahre dauerte das Fernstudium, pro Jahr verbrachte sie mehrere Wochen an der Uni im Süden Chinas. 18.000 Studenten lernen hier, betreut von 860 Lehrern und 370 Professoren. Sechs Kliniken gehören zur Universität, und in jeder fanden Ausbildungseinheiten statt. "Die Menschenmassen sind unglaublich", erzählt Claudia Lau-ber. "Der Verkehr ist so dicht, dass man kaum über die Straße kommt. Um pünktlich in der Klinik zu sein, musste ich ein Taxi nehmen."

Bei jeder Ausbildungseinheit stand ein Dolmetscher daneben und übersetzte, was der Professor erklärte. Das ist auch in den Vorlesungen so, die bis 22 Uhr abends dauern. Studenten aus aller Herren Länder bilden Gruppen, je nach ihrer Landessprache, und ein Dolmetscher begleitet sie zur jeder Stunde. "Es war ein Abenteuer", sagt Lauber. Was sie am meisten beeindruckt hat? "Vielleicht die Akupunktur-Methode meines Mastervaters Xu Minghui. "Er gilt als Meister der Feuernadel und sticht seinen Patienten weißglühende Nadeln in den Körper. Man glaubt, das muss ungeheure Qualen verursachen, aber Xu lindert auf diese Weise Schmerzen."

Sie selbst arbeitet heute mit klassischen Akupunkturnadeln. Hokuspokus verspricht sie ihren Patienten nicht. "Aber die Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin können Schmerzen lindern, Lebensenergie aktivieren, das Wohlbefinden stärken. Es ist eine Behandlung, die den Menschen als Ganzes sieht."

Dieser Tage wartet Claudia Lauber auf Post aus China. Noch ein weiteres Zertifikat: Ihr detailliertes Zeugnis soll aus Guangxi kommen. Ihren Abschluss hat sie mit der Gesamtnote "Gut" gemacht. Darauf könnte sie jetzt ihren Doktor aufbauen. "Mal gucken", sagt sie.

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