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Vogel-Karte Nr. 2357: Neben sommerlichen Ansichten gibt es aus dem Schwarzenberger Verlag Vogel dieses winterliche Motiv von der Waldschänke Zweibach. Auf der Rückseite der Karte ist vermerkt: Beliebte Gaststätte (10 Betten), eigene Landwirtschaft. Im Hintergrund kann man die Holzschleiferei Schneider sehen.

Foto: Sammlung Frank NestlerBild 1 / 3

Waldschänke heute exklusives Wohnhaus

Vogel-Perspektiven: Auf über 6000 Ansichtskarten hat der Schwarzenberger Verlag Vogel von 1898 bis etwa 1955 Gebäude und Landschaft dokumentiert. Vieles ist längst Nostalgie, anderes fast unverändert. Heute: Zweibach an der Straße nach Tellerhäuser.

Von Frank Nestler
erschienen am 13.01.2018

Zweibach. Sie schwächelt, die kalte Jahreszeit. Deshalb ist die heutige Folge der Vogel-Perspektiven mit der fotografischen Erinnerung an einen richtigen Winter verbunden.

Die Aufnahme entstand um 1925 in Zweibach, das seit seiner Gründung Ortsteil von Tellerhäuser war. Zusammen mit jenem Dorf gehörte die kleine Siedlung ab 1994 zu Rittersgrün. 2007 verlor dann auch diese Kommune ihre Selbstständigkeit. Seither hat die Gemeinde Breitenbrunn den Hut für Zweibach auf.

Am Namen jener Siedlung gibt es nichts zu deuteln. Hier, in 825 Metern Höhe, fließen Klingerbach und Höllbach zusammen, um dann als Pöhlwasser weiter talwärts zu plätschern. Gut 150 Jahre ist es her, dass auf diesem idyllischen Fleckchen an der Straße zwischen Rittersgrün und Tellerhäuser das erste Haus gebaut wurde. Mehr als eine Häusergruppe ist die Siedlung nie geworden, "aber sie besteht noch und wird weiter bestehen", ist sich Knut Scheiter, Ortsvorsteher von Tellerhäuser, sicher. Derzeit sind laut Scheiter elf Leute polizeilich in Zweibach gemeldet.

Im Ergebnis von Recherchen zur Entstehung der Siedlung, publiziert 2017 von Karsten Richter, können einige Anfang der 1990er-Jahre von Claus Kaufmann veröffentlichte Daten und Angaben ergänzt oder präzisiert werden. Der als Siedlungsgründer geltende Christian Gottlob Kaufmann zog 1867 mit seiner Familie in das an der Straßenbrücke errichtete erste Gebäude. Es wurde später - wie alte Ansichtskarten belegen - als Schankwirtschaft von Hermann Kaufmann bekannt, auch als Waldschänke am Wettinplatz. Inhaber Rudolf Kaufmann bewarb die Waldschänke als Gasthaus und Sommerfrische. Später nicht mehr gastronomisch genutzt, diente das Anwesen noch Wohnzwecken. Nach Besitzerwechseln gab es 2010/11 einen mit Sanierungen verbundenen, grundlegenden Umbau, der das Haus zum exklusiven Wohngebäude machte.

Laut Adressbuch wohnten 1925 in Zweibach - wobei offenbar nur männliche Erwachsene aufgeführt sind - Schankwirt und Waldarbeiter Hermann Kaufmann, Waldarbeiter Rudolf Kaufmann, Waldarbeiter Rudolf Pausch, Holzschleifereibesitzer Hartwig Schneider und Holzschleifer Kurt Schneider. Mit den beiden Letztgenannten ist das zweite Haus von Zweibach verbunden: die 1869 in Betrieb genommene Brettmühle, die um eine Holzschleiferei ergänzt wurde. Ursprünglich von Christian Friedrich Kaufmann, einem Bruder von Gottlob, beantragt, verwirklichte August Friedrich Schreyer aus Rittersgrün das Bauvorhaben, zu dem auch ein Trockenschuppen gehörte. Erst später ging das Anwesen in den Besitz der Familie Schneider über. Deren Fabrik, so erläutert es Gerhard Ebisch in seinem 2001 erschienenen Buch über alte Produktionsstätten, stellte als Haupterzeugnis weißen Fichtenholzschliff her. Laut Ebisch legte der letzte Inhaber Hartwig Schneider junior den Betrieb 1975 wegen Unrentabilität still. An Stelle der zur Ruine gewordenen Fabrik steht seit einigen Jahren ein stattlicher Neubau für wohnliche Zwecke.

Komplettiert wird die Siedlung seit den 1930er-Jahren durch zwei sogenannte Zollhäuser, für Grenzbeamte errichtet und nach wie vor bewohnt. Auch diese Häuser bekamen vom Baumeister steile Spitzdächer, um dem Schnee, der in dieser Höhenlage in normalen Wintern in großen Mengen fällt, keinen Halt zu bieten. Aber wie eingangs erwähnt: Die kalte Jahreszeit schwächelt ...

 
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