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Gericht verurteilt Mann wegen Kinderporno-Verbreitung

Weil er acht Sex-Videos per Whatsapp versendet hat, wird ein Erzgebirger verurteilt. Die Tat bestreitet er bis zuletzt. Eine schlüssige Erklärung hat er nicht - dafür taucht ein mysteriöser Brief auf.

Von Sven Wagner
erschienen am 06.02.2018

Marienberg. "Keine Ahnung", wiederholt der Angeklagte im Saal 202 des Marienberger Amtsgerichts immer wieder. Sein Zugangskonto müsse gehackt - also von einem anderen Nutzer geknackt - worden sein. Nur so ließe sich erklären, wie pornografisches Material über seine Telefonnummer und sein Konto des Nachrichtendienstes Whatsapp verbreitet wurde. Wie das Konto habe geknackt werden können, will Richter Steffen Müller daraufhin wissen. "Keine Ahnung."

Je öfter der Angeklagte das sagt und je öfter der Staatsanwalt und Richter Müller eine Erklärung zu seinem Argument fordern, desto verkrampfter wirkt der Mann. Vermutlich, weil er in dem aufkommenden Durcheinander selbst bald nicht mehr sagen kann, was er da im Internet gemacht hat.

Die Vorwürfe gegen den Angeklagten wiegen schwer: Anfang 2016 soll er über den Nachrichtendienst Whatsapp kinderpornografische Inhalte verbreitet haben. Acht mal habe der Mann dort Videos in einer einschlägigen Gruppe veröffentlicht. Videos, in denen Mädchen im Grundschulalter ihre Geschlechtsteile zeigen und Männer oral befriedigen müssen - auch sexuelle Handlungen mit einem Kleinkind sollen zu sehen gewesen sein.

Der Angeklagte bleibt dabei, selbst nichts derartiges veröffentlicht zu haben. Seine Frau - als Zeugin geladen - stimmt zu. "Es ist absurd", sagt sie zu den Anschuldigungen. Seit über 13 Jahren kenne sie ihren Mann nun schon. "Das kommt nicht von heute auf morgen, wenn man solche Neigungen hat." Selbst als die Polizei im Sommer vergangenen Jahres an der Tür des gemeinsamen Hauses geklingelt hat, um dieses nach Material zu durchsuchen, sei sie nicht auf die Idee gekommen, dass etwas an den Vorwürfen gegen ihren Mann dran sein könnte.

Bei dem Besuch haben die Beamten Material beschlagnahmt, darunter einen Laptop. Eine forensische Analyse hat ergeben, dass auf diesen Daten von einem Mobiltelefon übertragen wurden, offenbar bevor sie von dem Telefon gelöscht wurden. Ein Sachverständiger berichtet im Zeugenstand dazu, dass sich drei Porno-Dateien sowie die Existenz eines Whatsapp-Kontos auf dem Telefon rekonstruieren ließen - und mit einer Telefonnummer des Angeklagten in Verbindung stehen.

Bis dahin ist das Verfahren bereits reichlich komplex. Abenteuerlich wird es schließlich, als der Verteidiger des Mannes ein Schreiben vorlegt. Dieses habe das Ehepaar nach der Hausdurchsuchung durch die Polizei im Briefkasten gefunden. Daraus geht nach den Schilderungen des Richters hervor, dass es angeblich einen heimlichen Verehrer der Ehefrau gibt. Dieser erkläre in dem Brief, dass er das Zugangskonto geknackt und die pornografischen Dateien gesendet habe, um den Angeklagten zu diffamieren. "Ein fingiertes Schreiben", wehrt der Staatsanwalt den mysteriösen Brief ab und deutet an, dass dies lediglich ein eigener Versuch gewesen sei, den Angeklagten zu entlasten.

Bedeutsamer hingegen ist ein Detail, dass der Richter im weiteren Verlauf der Verhandlung nennt. Demnach gibt es Ermittlungen in einem anderen Verfahren - ebenfalls wegen des Verbreitens pornografischer Inhalte. In ähnlichem Stil sei dort in einer Whatsapp-Gruppe Material verbreitet worden. Und: Es tauche ebenfalls die Telefonnummer des Angeklagten auf.

Dieser sitzt inzwischen starr auf der Anklagebank und sagt nichts mehr. Auch nicht, als das Urteil verkündet wird: einjährige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu zwei Jahren auf Bewährung und die Zahlung von 1500 Euro an gemeinnützige Einrichtungen. Der Richter geht am Ende noch einmal auf die Erklärungsversuche des Angeklagten ein: Dass das Zugangskonto geknackt wird, sei eine häufige Ausrede, wenn sich jemand des Verbreitens von Kinderpornografischen Inhalten schuldig macht. "Und man muss nicht pädophil sein, um Täter zu werden", sagt er weiter. "Mancher tut es aus Neugier, oder einfach, um sich auf dem Sektor umzusehen."

 
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