Gute Sicht auch von niedrigen Höhen aus

Westlich von Chemnitz findet der Wanderer zwei Erhebungen mit Metalltürmen auf dem Totenstein sowie dem Heidelberg.

Wüstenbrand/Grüna.

Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen: Das Erzgebirgsvorland reicht bis zum Rand der Autobahn A 4, teilweise sogar noch weiter nach Norden. Dort befinden sich Erhebungen mit Höhen über 300 und auch 400 Metern. Dazu zählen zwei deutlich erkennbare Kuppen, die westlich von Chemnitz liegen. Beide besitzen jeweils einen Aussichtsturm, der vollständig aus Metall besteht.

Nördlich von Wüstenbrand, einem Ortsteil von Hohenstein-Ernstthal, liegt der Heidelberg. Mit einer Höhe von 450,1 Metern gehört er zwar nicht zu den Riesen, ist aber die höchste Erhebung von Wüstenbrand. Die Höhe ist leicht zu finden, der Turm allerdings erst zu sehen, wenn der Besucher fast unmittelbar davorsteht. Umgeben von Laubbäumen, ist er von Frühjahr bis Herbst grün und bunt umrahmt. Die Sicht auf der Aussichtsplattform - nach kostenlosem Aufstieg über 110 Stufen - ist ausgezeichnet. Der Besucher steht über den Bäumen und kann ungestört in alle Himmelsrichtungen schauen. Der Blick geht bis zum Erzgebirgskamm, bei günstigem Wetter auch bis zum Leipziger Völkerschlachtdenkmal.

Ursprünglich befand sich auf dem Heidelberg schon einmal ein Aussichtsturm. Er wurde 1902 erbaut und ein Jahr später als Carolaturm geweiht. Benannt nach der Gattin des damaligen Sachsenkönigs Albert, stand er jedoch nur 20 Jahre, 1923 fehlte das Geld zur Renovierung. Daraufhin wurde er wieder abgerissen. Fast 70Jahre sollten vergehen, bis der Ort einen neuen Turm erhielt. Er ist einer der Türme, die nach 1990 vor allem mit Hilfe von Fördermitteln neu erbaut wurden. Die Einweihung des 20 Meter hohen Bauwerks - er erhielt den Namen Heidelbergturm - erfolgte anlässlich des Heidelbergfestes 1991. Dieses Fest findet immer am ersten Augustwochenende statt und wird in zwei Jahren zum 50. Mal gefeiert.

Auf dem Heidelberg befinden sich noch ein Reitplatz für Übungszwecke, der Festplatz und die Heidelbergschänke. Diese ist Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Wirt Jan Stiehler versichert, dass es auch an den anderen Tagen nach Voranmeldung möglich ist, mit Gruppen ab zwölf Personen bei ihm einzukehren. Die Anfahrt ist mit dem Pkw möglich, Parkplätze stehen kostenlos zur Verfügung. Gekennzeichnete Wanderwege führen ebenfalls auf die Höhe.

Noch etwas höher als der Heidelberg ist der Totenstein bei Grüna, heute zur Stadt Chemnitz gehörend. Im Rabensteiner Wald gelegen, erreicht die Höhe immerhin 483 Meter. Der Turm steht nicht an der höchsten Stelle, sondern rund 100 Meter entfernt auf 475 Metern. Schon 1886 entstand hier ein Metallturm, benannt nach der sächsischen Königstochter Maria Josepha. Er war 22 Meter hoch, musste allerdings 1953 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. An dessen Stelle wurde ein massiver Funkturm errichtet, der von der Telekom betrieben wird. Anfang der 1990er-Jahre war das Betreten der oberen Plattform gestattet, jedoch nur kurze Zeit und die Grünaer entschlossen sich, einen neuen Turm auf dem Totenstein zu errichten. Mit 30 Metern Höhe und 160 Stufen zur oberen Plattform gehört der im Oktober 1998 eingeweihte Turm zu den höchsten der 400er-Erhebungen. Ganz oben weht eine Wetterfahne. Er ist das ganze Jahr kostenlos begehbar. Auf der Aussichtsplattform, die eine ausgezeichnete Sicht bietet, befinden sich Informationstafeln. Diese sind jedoch so stark abgenutzt, dass der Besucher Mühe hat, die Höhen und Orte zu entziffern.

Am höchsten Punkt des Berges ist eine neue Einkehrstätte entstanden. Wirt Andreas Meier erwarb von der Telekom die Gebäude am Turm und baute sie zu einer kleinen Gaststube mit einem Biergarten auf der Terrasse aus. Er bewirtet Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr Wanderer und Biker. Diese können neben dem Aussichtsturm auch die Leuchtmooshöhlen, sie befinden sich rund 30 Meter hinter der Wirtschaft, besuchen. Auf dem Weg zur höchsten Stelle findet der Besucher auch mehrere besonders schöne Ruhebänke. Sie wurden von Günther Bunk aus Grüna unentgeltlich errichtet und tragen Namen wie Rentner-, Knuddel-, Förster- und Schanzenbank.


Gebiet hat viel zu bieten

Die Herkunft des Namens Totenstein ist nicht genau geklärt. Er könnte mythischen Ursprungs sein. Wahrscheinlicher ist die bergbauliche Erklärung, dass in diesem Gebiet keine Bodenschätze, sondern nur totes Gestein gefunden wurde. Die Höhe des Heidelbergs ist in Wanderkarten mit 444 oder 445 Metern angegeben. Laut Messtischblatt beträgt diese aber 450,1 Meter über Normalhöhennull.

Der Rabensteiner Wald, in dem der Totenstein liegt, gehört zu den schönsten Naherholungsgebieten von Chemnitz. Nicht weit vom Aussichts-turm entfernt, befinden sich der Stausee, das Wildgatter, die Felsendome und das Schloss Rabenstein. Erwähnenswert sind auch die Schanzenanlagen im Gußgrund.

Gastronomisch ist das Wandergebiet gut erschlossen. Neben Meiers Totensteinalm laden das Hotel Forsthaus, das Hotel Folklorehof und die Wurzelschänke in Rabenstein zum Besuch ein. In Wüstenbrand sollte der Besucher auch das denkmalgeschützte, 1928 erbaute Mausoleum auf dem Friedhof, die Kirche und den Volkshausteich mit dem neuen Springbrunnen ansehen. Neben der Heidelberg- schänke kann in der Jahnhalle, im Hotel Bürgerhof und im Spartenheim Sonnenhang eingekehrt werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...