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Zwei Männer unter der Hammer-Linde.

Foto: Matthias DegenBild 1 / 4

Hammerwerk mit Liebe zum Detail

In der Osterschau des Gelenauer Depots Pohl-Ströher steht eine besondere Schnitzarbeit von Hermann Haase. Er schuf eine Miniaturwelt, die den Alltag der Erzgebirger um das Jahr 1880 zeigt.

Von Matthias Degen
erschienen am 06.04.2017

Gelenau. Zur diesjährigen Osterschau stellt das Depot Pohl-Ströher in Gelenau eine außergewöhnliche Schnitzarbeit vor. Zu bestaunen ist ein Ensemble aus Lindenholz, das den Frohnauer Hammer von 1880 zeigt. Die Arbeit wurde in den Jahren 1935 bis 1939 von Hermann Haase geschaffen und zeichnet sich durch eine präzise und bis ins kleinste Detail naturgetreue Messerführung aus.

Haase wurde 1897 in Auerbach geboren und wuchs mit sieben Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Strumpfwirker hatte er nach der Volksschule wie viele seiner Altersgenossen gelernt und auch mit wenigen Unterbrechungen in diesem Beruf gearbeitet. Zur Schnitzerei ist er über seinen Vater und aufgrund der finanziellen Situation der Großfamilie gekommen. "Wenn das Geld für Massefiguren oder anderem Weihnachtsschmuck für selbst gebaute Pyramiden fehlte, dann wurde zu Holz und Schnitzmesser gegriffen", weiß Siegfried Haase. Der 69-Jährige ist das dritte Kind des Schnitzers und Leihgeber des Frohnauer Hammers in Miniatur.

Als Vorlage dienten seinem Vater anfangs bekannte Schnitzdarstellungen wie die Lößnitzer Krippenfiguren. Ab 1920 griff Hermann Haase regelmäßig zu Stemmeisen und Messer, fand schon bald seine eigenen Motive. Mit einfachen Dorfszenen, der Darstellung arbeitender Menschen und verspielter Kinder, Dorffestlichkeiten und Begebenheiten im Leben der einfachen Menschen formte er ein soziales Sittenbild seiner Zeit im Erzgebirge. Ob er sich dieser Tatsache bewusst war, muss bezweifelt werden. Als wortkarg, in sich verschlossen und bescheiden galt der Einzelgänger, der nie eine Schnitzgruppe besucht hat und vielleicht auch deshalb in der Szene zu den weniger bekannten Künstlern gehört.

"Zu unrecht", ist sich Claus Leichsenring sicher. Dem Heimatforscher und anerkannten Experten erzgebirgischer Volkskunst war Hermann Haase schon Ende der 1970er-Jahre aufgefallen. 1982 besuchte er den Holzkünstler und publizierte über seine Arbeit in verschiedenen Fachzeitungen. "Trotz seines Alters von 85 Jahren war Hermann Haase in einem körperlich und geistig guten Zustand", erinnert sich Claus Leichsenring an die Begegnung. Noch immer mit dem Schnitzmesser in der Hand formte er seine bis zu vier Zentimeter kleinen Figuren, die für Leichsenring eine charakteristische Ausstrahlung haben und von einmaliger Lebendigkeit geprägt sind.

Die Entstehung der Schnitzarbeit "Frohnauer Hammer um 1880" stand politisch unter keinem guten Stern. Es war eine Auftragsarbeit des Heimatwerks Sachsen. Der vom sächsischen Gauleiter Martin Mutschmann 1936 gegründete Verein hatte das Ziel, auch erzgebirgische Volkskunst für die politische Erziehung durch die NSDAP zu nutzen.

Hermann Haase sollte als einfacher und bescheidener Erzgebirger zu einem Beispiel für die ideologische Volkserziehung werden. Doch die Rechnung ging nicht auf. Auch nach der zweifelhaften Ehrung durch den mit 500 Reichsmark dotierten Staatspreis war Hermann Haase nicht für eine Mitgliedschaft in der NSDAP bereit. Dass sich die Schnitzarbeit heute im Besitz seines Sohnes Siegfried befindet, ist ein glücklicher Zufall. "Am Kriegsende war der 'Frohnauer Hammer' bei meinem Vater zur Reparatur, und mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches gab es auch das Heimatwerk nicht mehr." Im Jahr 1988 verstarb Hermann Haase in seinem Heimatort.

 
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