In Ursprung gibt's Bahn-Nostalgie pur

"Freie Presse" sucht in einer Serie das Außergewöhnliche. Im Fokus stehen Plätze, Gebäude und Räume, die nicht in jedem Reiseführer zu finden sind.

Ursprung.

Dass dieser Haltepunkt im Lugauer Ortsteil Ursprung in keinem Reiseführer auftaucht, hat seinen Grund: Es ist nur selten möglich, sein Inneres zu bestaunen. Und dabei lohnt sich ein Blick hinein durchaus - lässt das Interieur doch nicht nur das Herz von Bahnenthusiasten und -historikern höher schlagen, es verleitet Ältere zu Erinnerungen und entringt Jüngeren mit Sicherheit mindestens ein Schmunzeln. Denn was die Mitglieder des Vereins "Haltestelle zu Ursprung" da zusammengetragen haben, reicht von historischer Eisenbahntechnik über altgediente Pappkoffer bis hin zu einem Schild mit der Forderung "Nicht auf den Fußboden spucken".

"Alles, was hier steht, wurde privat eingebracht", erklärt Martin Hahn. Der 36-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern des 2004 ins Leben gerufenen Vereins. Ihr Ziel sei es, den Bahnhof und sein Inneres im Zustand der 1960er-Jahre zu erhalten. Zuvor hatten die Lugauer Eisenbahnfreunde das Objekt betreut.

Was man heute dort sieht, entspricht zwar dem, was einst auch in dem Haltepunkt zu finden war, wurde aber anderenorts zusammengetragen. Und Hahn zählt auf: Das Kurbelwerk, mit dem Weichen und Signale gestellt werden, stand einst in Lichtenstein, der Uhrenschrank, der heute zum "Verstecken" moderner Elektrik dient, stammt aus dem Bahnhof Zwönitzbrücke und das Schalterfenster aus Wiesenbach. Den "sächsischen Freiabtritt" - das ist das Plumpsklo - habe man aus Rabenstein geholt.

Im Warteraum zieht eine "Personenwaage mit Kartenausgabe" - einst stand sie im Bahnhof Schweinitztal bei Seiffen - die Blicke auf sich. 10 Reichspfennige musste einst berappen, wer sein Gewicht ermittelt haben wollte. Später schluckte sie DDR-Groschen, zuletzt "Westgeld"-Zehner. Mit denen funktioniert sie auch heute noch. Woher die Groschen nehmen? Martin Hahn zeigt ein kleines Schächtelchen: Vorsorglich hat er eine Handvoll aufbewahrt.

Dass der Haltepunkt an diesem Vormittag für "Freie Presse" geöffnet ist, bleibt nicht unentdeckt. Binnen kurzer Zeit schauen drei Männer herein, die auf dem Lugauer Radweg vorbeigekommen sind. "Das ist ja Nostalgie pur", sagt einer von ihnen staunend. Dem gut frequentierten Weg verdanke man durchaus ein gestiegenes Interesse, bestätigt Hahn. Darum habe man sich in diesem Jahr auch entschlossen, nicht nur am Tag des Denkmals im September zu öffnen.

Der Haltepunkt Ursprung, gelegen an der Flockenstraße, kann in diesem Jahr an folgenden Tagen besichtigt werden: am 12. Juni, 17. Juli und 14. August jeweils von 13 bis 17 Uhr, am 11. September (Denkmaltag) von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende zum Erhalt des Bahn-Kleinods gebeten.

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